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Digital

24. November 2017 | 10:46 Uhr

Der Kampf um Cyberversicherungen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hackerangriffe sind Alltag – doch nur ein Bruchteil der Firmen gegen Internetkriminalität geschützt / Wettstreit um die wenigen Kunden

Erpressung, Betrug, Spionage, Sabotage – was Kriminelle im echten Leben tun, funktioniert auch im Internet. Diese Erfahrung macht eine wachsende Zahl deutscher Firmen. Nach einer Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom sind bereits mehr als zwei Drittel der deutschen Industrieunternehmen Opfer einer Hacker-Attacke geworden. Die Cyberversicherung gilt daher als großer Wachstumsmarkt. Um die bislang wenigen Kunden ist ein heißer Wettkampf ausgebrochen.

Der Münchner Branchenriese Allianz konzentrierte sich bislang auf Großkunden. Nun nimmt die Allianz mit ihrem neu eingeführten „Cyberschutz“ mittelständische Firmen in den Blick – ein Feld, auf dem sich bereits mehrere Wettbewerber tummeln. „Es gibt deutschlandweit 3,6 Millionen Unternehmen, und nach Schätzungen wurden bis jetzt 3000 bis 4000 Cyberversicherungsverträge abgeschlossen“, sagt Jens Lison, der für die Firmenkunden zuständige Vorstand bei der Allianz. Auch kleine Mittelständler und Selbstständige verfügten oft über sensible Daten, die Ziel einer Hacker-Attacke werden könnten – Notare, Anwälte, Steuerberater, Ärzte. Vor allem Mittelständler agierten sorglos.

Jeder Kriminalpolizist wisse, dass das subjektive Sicherheitsempfinden der Bürger sich oft ganz erheblich von der „objektiven Sicherheitslage“ unterscheide. So glauben viele Menschen, dass die Zahl der Gewaltverbrechen in Deutschland kontinuierlich steigt, obwohl laut offizieller Kriminalstatistik die Zahl der Morde in Deutschland seit 1987 um etwa ein Drittel gesunken ist. In Sachen Internetkriminalität ist das umgekehrte Phänomen zu beobachten: Viele Bürger und Firmen fühlen sich offenkundig sicher, obwohl die Gefahren zunehmen. „Es gibt die Raubritter, die massenhaft Schadsoft-ware versenden und versuchen, an sensible Daten zu kommen“, sagt Stephan Gerhager, der Chef für Datensicherheit bei der Allianz Deutschland. „Und es gibt Spione, die ganz gezielt ein bestimmtes Unternehmen angreifen.“ Gegen solche gezielten Attacken aber können sich Firmen nach Gerhagers Worten eigentlich nicht schützen – weil diese sehr schwer zu erkennen sind. „Alles, was eigens für einen bestimmten Angriff programmiert wurde, erkennt Sicherheitssoftware, wie zum Beispiel der Virenscanner, in der Regel nicht“, sagt der IT-Fachmann. „Die Ziele sind nicht zwingend abhängig von der Größe und dem Namen des Unternehmens. Ein kleiner Mittelständler, der technologisch interessante Produkte hat, kann auch zur Zielscheibe werden.“ Die Allianz wirbt mit einem ganzen Bündel von Dienstleistungen für ihren „Cyberschutz“. Neben Haftpflichtansprüchen und Eigenschäden der angegriffenen Firmen deckt die Police auch die Kosten für Bußgeldverfahren der Behörden ab.

Der weltgrößte Rückversicherer MunichRe geht davon aus, dass der weltweite Markt für Cyberpolicen bereits 2020 ein Volumen von acht Milliarden Dollar erreichen könnte. „Wir sehen aktuell sehr starkes Wachstum und eine hohe Nachfrage gerade von Großunternehmen“, sagt ein Sprecher.

Bislang ist die Cyberpolice weit weniger verbreitet als die Feuerversicherung. „Trotz mehrerer medial präsenter Cyber-Attacken ist das Risikobewusstsein der Unternehmensleitungen – teilweise auch durch mangelndes technisches Verständnis – noch gering ausgeprägt“, heißt es bei der Kölner Axa-Versicherung.

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