Internet der Dinge : Der Feind in meiner Heizung

Kamera im Kühlschrank: Der Fortschritt in der digitalen Welt birgt auch Gefahren.
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Kamera im Kühlschrank: Der Fortschritt in der digitalen Welt birgt auch Gefahren.

Apps für Wohnzimmerlampen oder surfende Fernseher: Das Internet der Dinge ist im Alltag angekommen – auch bei Hackern

svz.de von
20. März 2016, 21:00 Uhr

Mit der E-Mail kamen Spam und Phishing, mit dem Online-Banking Trojaner auf der Jagd nach Passwörtern und TANs.

Fortschritt in der digitalen Welt birgt oft neue Gefahren. So ist es auch beim Internet der Dinge, der Vernetzung immer neuer Geräte, die Daten erheben und online verfügbar machen und austauschen - vom Fitness-Armband übers Thermostat bis hin zum Auto.

So geraten Geräte aber auch ins Fadenkreuz von Hackern und Datensammlern, sagt Christoph Krauß. „Mit dem Internet der Dinge gibt es neue Anwendungsszenarien und Dienste, aber dadurch auch neue Angriffsvektoren“, so der Professor am Karlsruher Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT).

Über Internetverbindungen tauschen Geräte vor allem Daten aus: Das Thermostat verrät die Temperatur und empfängt Steuerbefehle für die Heizung, während das Fitness-Armband die Zahl verbrannter Kalorien an eine App schickt. Und wo Daten fließen, können sie abgefangen werden.

Wie leicht das geht, zeigt die Suchmaschine Shodan: Sie durchforstet das Netz nach meist schlecht oder nicht gesicherten Geräten, auf die per Browser zugegriffen werden kann - darunter etwa Router und Webcams. Und die finden sich massenhaft, oft gleich inklusive der voreingestellten Standard-Passwörter.

„Das Problem ist, dass oft nicht auf den ersten Blick klar ist, wie sensibel Daten sind“, sagt Sicherheitsexperte Krauß. „Die Heizdaten aus einem Thermostat sind zum Beispiel für Diebe interessant.“ Schließlich lässt sich daraus relativ präzise ablesen, wann jemand zu Hause ist. Und auch Gesundheitsdaten vom Fitness-Armband sind kaum weniger sensibel. Nur die wenigsten dürften wollen, dass jeder einfach so darauf zugreifen kann. Und so ist die Verunsicherung groß: Laut einer YouGov-Studie im Auftrag des Verbands der Internetwirtschaft (Eco) hat zwar gut die Hälfte der 2000 Befragten (52 Prozent) grundsätzlich Interesse am Internet der Dinge. Rund ein Drittel (33 Prozent) fürchtet jedoch, dabei Kontrolle über seine Daten zu verlieren. Wer das verhindern will, muss zuallererst wissen, welche Daten seine Geräte sammeln. Dabei hilft der Blick ins Kleingedruckte von Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen. „Darin sollte im besten Falle genau stehen, welche Daten erhoben werden und was damit passiert“, sagt Julian Graf von der Verbraucherzentrale.

Sicherheitsmaßnahmen seien im Großen wie im Kleinen wichtig. Unabdingbar ist etwa das Absichern des Heimnetzwerks - nicht nur mit einem eigenen Passwort: „Ein wenig kann ich mich auch als Verbraucher vor Angreifern schützen, zum Beispiel mit einer WPA2-Verschlüsselung für mein WLAN, gegebenenfalls auch mit einem MAC-Adressfilter oder durch regelmäßige Softwareaktualisierungen“, sagt Julian Graf.

Und wie der Shodan-Streifzug zeigt, ist es etwa immer sinnvoll, die voreingestellten Passwörter von Routern und anderen Geräten zu verändern.

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