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Digital

22. Oktober 2017 | 03:12 Uhr

Snapchat : Den weißen Geist getestet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fast täglich überschwemmen neue Apps den Markt. Eine davon ist Snapchat. Für viele Jugendliche ist die App mittlerweile unverzichtbar. Mehr als 130 Millionen Nutzer täglich: Wir fragten uns warum und machten den Test.

svz.de von
erstellt am 26.Mai.2016 | 20:55 Uhr

Jugendliche können nicht mehr ohne: Snapchat ist die App der Stunde. 130 Millionen Menschen nutzen den Messengerdienst pro Tag – der Großteil von ihnen ist zwischen 14 und 22 Jahren alt. Die gelbe App mit dem Geist hat bei den Jüngeren sogar schon Platzriesen Facebook überholt. Nur WhatsApp ist noch beliebter. Gestern wurde die nächste Erfolgsmeldung bekannt: Snapchat steht vor einer weiteren Milliarden-Geldspritze. Das Unternehmen sicherte sich 1,8 Milliarden Dollar (1,6 Mrd. Euro) von Investoren. Die Folge: Alle reden über Snapchat, aber die meisten Erwachsenen verstehen nur Bahnhof. Volontärin Julia Hahnke (27) hat Snapchat getestet und erklärt den Hype.

100 Tage Snapchat: Zeit für ein kurzes Fazit. Gehört habe ich von dieser App bereits vor einem Jahr, installierte sie auf dem Handy, benutzte sie zwei Mal und gab es dann wieder auf. Bei einer Reise im Dezember merkte ich jedoch, welche Chancen Snapchat bietet. Deshalb ist es Zeit, die App noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Mein selbst gestecktes Ziel: jeden Tag mindestens 2-3 Mal aktiv zu sein. Das bedeutet Inhalte sehen, Freunde hinzufügen oder selbst Geschichten erstellen.

Funktion der App

Doch zuallererst folgt der Download der gelben Anwendung mit dem weißen Geist. Sie ist kostenlos. Nachdem ein Nutzername gefunden ist, wird ein Gif-animiertes Profilbild erstellt. Das ist ungewöhnlich im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken, aber sympathisch. Dann werden Freunde oder Kollegen über den Nutzernamen hinzugefügt. So bekomme ich einen Eindruck, wie andere Journalisten oder ganze Redaktionen Snapchat bereits für sich nutzen. Ich bin überrascht, wie nah einige Nutzer ihre Zuschauer an sich heran lassen. Gezeigt werden beispielsweise Familienausflüge oder das Gesicht nach dem Aufstehen.

Einstieg ist schwerer als gedacht

Jetzt beginnt das sogenannte „Gesnappe“, das Erstellen von Inhalten. Entweder Fotos oder zehnsekündige Videos können aufgenommen und dann in Echtzeit über zwei Kanäle geteilt werden. Entweder als private Nachricht an Freunde oder als öffentliche Geschichte. Diese sogenannte „Story“ ist vergleichbar mit dem Statuspost bei Facebook. Bis ich diese Funktionsweisen jedoch ansatzweise verstehe, dauert es einen ganzen Tag. Die Bedienung ist offensichtlich komplizierter als bei jedem anderen sozialen Netzwerk. Oder bin ich mit 27 doch schon zu "uncool" für die neue App-Generation? Dank eines Youtube-Tutorials wächst die Hoffnung und zumindest die Basics sitzen. Der Einstieg ist jedoch für Neulinge holpriger als erwartet. Immerhin folgen bald die ersten Snaps aus dem Alltag: unsere Redaktion, das Mittagessen oder ein Schwenk über den Ostseestrand.

Oben rechts gibt es beispielsweise einen Stift zum Zeichnen oder ein T zum Einfügen von Texten. Außerdem lassen sich über das Zettel-Icon Smileys einfügen. Durch einen Wisch nach rechts ist es ebenfalls möglich, Filter zu aktivieren. So kann ich mir zum Beispiel während einer Videoaufnahme eine virtuelle Hundeschnauze verpassen.

Gesnappt wird meistens am Wochenende. Beispiel Leipziger Buchmesse: ich nehme den Weg durch die Große Glashalle oder Gespräche mit Bekannten auf. Durch die Aneinanderreihung der Videosequenzen entsteht so ein kleiner Film.

Snapchat als Nachrichten-Portal

Für Redaktionen ist die App als Nachrichtenportal nutzbar. Einerseits über die „Discover“ („Entdecken“)-Funktion.

Foto: Business Insider

Durch eine Wischbewegung ist es hier möglich, durch die Inhalte zu navigieren. Diese bestehen aus Texten, Videos oder Musik. Hier sind täglich neue Geschichten von Snapchat-Partnern abrufbar. Bisher sind nur englischsprachige Medienhäuser wie CNN oder National Geographic vertreten. Daran wird deutlich, dass Snapchat besonders in den Staaten eine große Rolle spielt. Ich vermute jedoch, dass deutsche Medienhäuser auch bald auf den Zug aufspringem. Der Blick auf folgende Statistik zeigt zumindest, dass Snapchat bereits zu den wichtigsten sozialen Medien zählt. Insofern wächst der Einfluss auf die Kernzielgruppe.

Das Problem an Snapchat ist jedoch, dass Unternehmen keine Links zu ihren eigenen Seiten setzen können. Außerdem zeigt die App keine Followerzahlen an. Trotzdem scheint sie interessant, um ein Auge auf nachwachsende Generationen zu werfen. Deshalb gibt es bereits deutsche Medienhäuser auf Snapchat. Beispielsweise senden das Jugendportal des Spiegels (Bento) oder die Bild Zeitung (Hellobild) aus ihrem Redaktionsalltag. Der Leser bekommt so Einblicke hinter die Kulissen.

Feedback und Interaktion

Ob es sich bei den Nachrichtenschnipseln um qualitativ hochwertigen Journalismus handelt, ist fraglich. Dennoch stellte ich im Zuge des Tests fest, dass der Mehrwert für den Leser groß ist. Im Laufe der Zeit erhielt ich zunehmend Kommentare auf die Snaps. Einige fand ich sehr unterhaltsam. In diesem Zusammenhang machte ein Forschungsteam um Joseph Bayer ebenfalls interessante Beobachtungen: „Wir fanden heraus, dass Snapchat üblicherweise zur spontanen Kommunikation mit engen Freunden genutzt wird, und das auf eine neue und vergnüglichere Weise“, so der Forscher, der eine Studie zu Snapchat durchführte. Für mich stellte ich allerdings keine Veränderung der Stimmungslage fest. Dennoch entstand der Wunsch, bei einigen Personen auf dem Laufenden zu bleiben, weil die Geschichten sonst nach 24 Stunden verschwinden. Diese Beobachtung beschreibt eventuell gut, warum Snapchat Nutzer so aktiv sind. Der Alltag und die damit verbundenen Emotionen werden virtuell geteilt. Wie ich das meine, zeigt folgende Snapchat Geschichte, die während eines Seminars in Bremerhaven entstand.

Nutzen für den Nutzer

Nach fast drei Monaten Snapchat fällt das Fazit dennoch durchwachsen aus. Die App bietet einerseits einen einfachen Weg, Momente wie Konzerte oder Reisen mit Freunden in Echtzeit zu teilen. Anders als bei anderen Plattformen bleiben die hochgeladenen Inhalte dann jedoch nur für 24 Stunden online sichtbar. Die Flüchtigkeit macht die App auch interessant für Facebook-Verweigerer.

Spannend an Snapchat finde ich außerdem, dass hier die „ungeschminkte Wahrheit“ gezeigt wird. Die Inhalte wirken authentischer als bei Instagram, wo eher das Credo „inszenieren, um zu imponieren“ gilt. Bei Snaps geht es dagegen selten darum, besonders perfekt auszusehen, sondern vielmehr um den Augenblick, den man teilen möchte. Klar, die Auswahl eines bedeutungsvollen Moments ist subjektiv.

Besonders negativ fiel mir allerdings auf, wie lange ich auf Snapchat verweilte. Die App hat Suchtpotential. Es gab Tage, an denen ich mich 30 Minuten nur mit Snapchat beschäftigte. Die App sorgt dafür, denn es gibt mittlerweile die Option, Videoanrufe oder Telefonate durchzuführen. Außerdem können seit kurzem Bilder versendet werden, die bereits vorab fotografiert wurden.

Heute nutze ich die App seltener und versuche immer wieder zu hinterfragen, was ich teilen möchte. Die Frage nach dem Nutzen ist letztendlich jedem selbst überlassen. Ich werde wahrscheinlich weitermachen, weil es gut funktioniert, um Entwicklungen darzustellen. So werde ich weiter aus der Volontärs-Ausbildung snappen und einige Geschichten auf einem You Tube Kanal sammeln. Zum Beispiel diesen Ententanz, den ich als Zeitungs-Maskottchen Paula einstudierte.

Wenn Ihr also mehr aus unserem Volo-Alltag sehen möchtet, addet mich via Snap-Code oder Nutzernamen.

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Quellen:

http://t3n.de/news/snapchat-discover-591001/

https://www.statista.com/chart/2570/most-popular-social-apps-among-millennials/

http://live.morgenpost.de/welt/article206340539/Warum-Snapchat-gluecklicher-macht-als-Facebook.html

http://www.thisisjanewayne.com/news/2016/04/06/brain-blah-was-macht-snapchat-mit-unserer-psyche/

http://uebermedien.de/3970/ich-habe-snapchat-nicht-verstanden/

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