Phishing : Datendieben auf der Spur

Cyber-Kriminelle müssen nicht vor Ort sein, um wertvolle Daten zu stehlen – digitale Attacken nehmen zu.
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Cyber-Kriminelle müssen nicht vor Ort sein, um wertvolle Daten zu stehlen – digitale Attacken nehmen zu.

IT-Forensiker helfen bei der Suche nach Tätern – und auch bei Mord, Überfall oder Entführung

svz.de von
14. November 2014, 18:18 Uhr

Phishing, Scamming oder Hacking: Diese Wörter haben manche Menschen noch nie gehört. Dabei sind einige vielleicht bereits Opfer eines Phishing-Angriffs geworden – nämlich dann, wenn Betrüger auf einer gefälschten Webseite Daten wie Passwörter geklaut haben. Manch einer wurde von Scammern im Netz dazu überredet, Geld für eine Wohnung zu überweisen, die es gar nicht gibt. Oder ein Hacker hat sich Zugriff zum eigenen PC verschafft.

Die so genannte Cyberkriminalität hat viele Facetten. Hier kommt der IT-Forensiker zum Einsatz. Marion Liegl  ist so eine IT-Forensikerin. Die 36-Jährige ist selbständig und führt ihre Firma in Gera. Liegl arbeitet vorwiegend für Firmen, die Opfer von Cyberkriminalität geworden sind. Wird das Netzwerk eines Unternehmens angegriffen, ist sie zur Stelle. Liegl beginnt dann, Daten zu sichern.

Der Beruf des IT-Forensikers wird immer wichtiger. Computer, Smartphones, Tablets, Spielekonsolen: Jeder hinterlässt täglich Spuren im Netz - und macht sich damit angreifbar. „IT-Forensiker arbeiten zum Beispiel in Ermittlungsbehörden, Ministerien oder in IT-Sicherheitsabteilungen von großen Unternehmen“, erklärt York Yannikos vom Center for Advanced Security Research Darmstadt (CASED) an der TU Darmstadt.

Marion Liegl studierte an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen den  Master Digitale Forensik. Wer einen Bachelor im Fach Informatik mitbringt, braucht dort sechs Semester für das Studium. „Bewerber, die im Erststudium nicht Informatik studiert haben, holen die Grundlagen in einem zusätzlichen Einführungssemester nach“, erklärt Studiengangsmanagerin Lydia Nietzold. Voraussetzung ist außerdem mindestens ein Jahr Berufserfahrung in einem einschlägigen Fachgebiet wie Informatik oder polizeiliche Strafverfolgung. Was viele nicht wissen: IT-Forensiker brauchen Kenntnisse in Jura. Denn die Ergebnisse der digitalen Spurenjagd müssen auch vor Gericht Bestand haben. Neben einer soliden Informatikausbildung als Grundlage bringen IT-Forensiker vor allem Lust an Technik mit. Außerdem sollten sie sich in andere PC-Nutzer hineinversetzen können. Die IT-Forensikerin  findet, dass in ihrem Beruf zusätzlich viel Einfühlungsvermögen nötig ist. „Wenn ich in ein Unternehmen komme, ist das dort meist der erste Sicherheitsvorfall. Um die Situation zu beruhigen, brauche ich dann Fingerspitzengefühl“, erzählt sie.

Doch nicht nur in Unternehmen können IT-Forensiker helfen, Verbrechen aufzuklären. Ob Mord, Überfall oder Entführung: Meist hinterlassen Täter digitale Spuren. Sie wertet der IT-Forensiker aus. Wann hat ein Laptop welches WLan-Netzwerk genutzt? War ein USB-Stick tatsächlich an einem bestimmten Rechner angeschlossen? „Die Beantwortung dieser Fragen kann helfen, einen ganzen Fall zu lösen“, sagt Andreas Blum vom Bundeskriminalamt (BKA).

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