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Welt-Internet-Tag : Das Netz spaltet die Deutschen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Welt-Internet-Tag: Viele Deutsche sind nicht im Internet und damit von vielen Informationen und Einflussmöglichkeiten abgeschnitten

svz.de von
erstellt am 28.Okt.2014 | 21:10 Uhr

Rund 16 Millionen Bundesbürger sind nicht im Internet. Nicht einmal jede zweite Frau über 50 Jahren ist im Internet (46,5 Prozent), bei den Männern der Altersgruppe sind es rund 53 Prozent.

Dahinter stehen oft Ängste: Viele Menschen haben der Initiative zufolge Bedenken, weil sie Datenschutz und Sicherheit für mangelhaft halten. Rund 40 Prozent der Internet-Verweigerer sehen keinen Nutzen für sich. Ein Teufelskreis: „Vor allem ältere Menschen sind nicht mit dem Internet vertraut. Deshalb wissen sie nicht, was es dort gibt, um im Alltag einen Mehrwert zu erlangen“, sagt Katrin Schuberth, Projektkoordination bei der Stiftung Digitale Chancen. Experten sprechen von einer digitalen Spaltung der Gesellschaft.

Nach Angaben der Initiative „D21“ ist der Anteil der Onliner im vergangenen Jahr nur leicht gestiegen. Der Verein untersucht seit 2001, wie Deutsche über 14 Jahren das Netz nutzen. Nach den neuesten Zahlen, die im Frühjahr präsentiert wurden, nahm der Anteil der Internetnutzer 2013 nur um 0,9 Prozent zu.

45 Jahre, nachdem am 29. Oktober 1969 von einem kalifornischen Universitätscomputer aus die erste Botschaft über das Internet versendet wurde, sind demnach mehr als 20 Prozent der Deutschen offline.

Das liegt am Alter, aber nicht nur. Es surfen 30 Prozent der über 70-Jährigen, aber 97 Prozent der 14- bis 19-Jährigen. Entscheidend sind auch Schulabschluss und Einkommen: Ehemalige Hauptschüler nutzen zu knapp 61 Prozent das Netz, Abiturienten zu 92 Prozent.

Eine erhebliche Rolle spielt das Einkommen: 93 Prozent der Menschen mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von über 3.000 Euro sind online. Liegt das Einkommen unter 1.000 Euro, ist es nur gut jeder zweite.

Das Offline-Dasein bringt vielfältige Benachteiligungen mit sich, wie die Trierer Soziologin Nicole Zillien aufschlüsselt. Und dabei geht es nicht nur ums billige Einkaufen. Man könne sich beispielsweise ohne Internetzugang weniger komfortabel erkundigen, wie die politischen Parteien zu aktuellen Themen stünden, und man sei für lokale oder andere Gruppen etwa über Facebook nicht erreichbar. „Die politisch-gesellschaftliche Teilnahme ist eingeschränkt“, urteilt Zillien. Dazu kommen berufliche Hürden, beispielsweise weil man keine Online-Bewerbungen verschicken kann.

Aber auch innerhalb der Onliner gibt es eine Spaltung, wie die Mediensoziologin sagt: „Alte Ungleichheitsmuster werden durch das Netz fortgeführt.“ Das funktioniere nach dem Prinzip: „Wer hat, dem wird gegeben“. Gutverdiener und Gebildete profitieren Studien zufolge mehr, indem sie beispielsweise ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern könnten.

„Die von vornherein schlechter Gestellten hingegen profitieren in geringerem Ausmaß von den Möglichkeiten des Internets“, sagt Zillien. „Insgesamt vergrößert sich dadurch die gesellschaftliche Kluft.“ Öffentliche Internetzugänge, etwa in Bibliotheken, reichten nicht aus, um diesen Trend umzudrehen: „Wenn Zugangshürden überwunden werden, ist das Problem der digitalen Kluft nicht gelöst. Denn die zentrale Schwierigkeit liegt bei der Nutzungskompetenz“, erklärt die Soziologin. In bildungsfernen Haushalten werde beispielsweise eher unterhaltungsorientiert gesurft, bei höheren Bildungsniveaus überwiege die Suche nach Informationen.

Die Stiftung Digitale Chancen bemüht sich darum um die Vermittlung digitaler Kompetenzen an alle. Bei der Initiative „Tablet PCs für Seniorinnen und Senioren“ etwa werden Altenheimen und Senioren-Computer-Clubs Geräte zur Verfügung gestellt.

 

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