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Darknet : Cybercrime: Das große Dunkelfeld

vom
Aus der Onlineredaktion

Waffenhandel, digitale Erpressung, massenweise gestohlene Kreditkartendaten und Passwörter: Schaden geht in die Milliarde

Einen regen Handel mit Waffen, Rauschgift und gestohlenen Passwörtern registrieren die Spezialisten des Bundeskriminalamts (BKA) im dunklen Teil des Internets. Sie sind schon seit Jahren im Darknet unterwegs, das herkömmliche Suchmaschinen nicht finden und das seinen Nutzern Anonymität verleiht. Auch andere Bereiche der Computer- und Internetkriminalität florieren, wie das BKA in seinem Lagebild 2015 mitteilte.

Im Darknet (englisch für „dunkles Netz“) können sich Internetnutzer fast komplett anonym bewegen. Es ist eine Art virtueller Hinterraum für Eingeweihte, Dieser virtuelle Hinterraum des World Wide Web ist anders gebaut als das offene Internet und nicht über herkömmliche Suchmaschinen zugänglich. Durch Weiterleitung über mehrere Knoten im Netz ist der Ursprung von Daten nicht mehr nachzuvollziehen. Dieser Bereich des Internet wird etwa von Kriminellen genutzt, aber auch von Menschen, die viel Wert auf Privatsphäre legen oder in einem repressiven politischen System leben. Der Zugang ist nur über eine Anonymisierungssoftware möglich, etwa über die kostenlose Software „Tor“. Der Chaos Computer Club (CCC) warnte, die anonymen Bereiche des Internets zu verteufeln. „Das Bedrohungsszenario, das von deutschen Behörden gezeichnet wird, ist nicht sehr realistisch“, sagte Linus Neumann vom CCC.

Wie im realen Leben sind auch hier anonyme Ermittler unterwegs. Sie chatten mit den Anbietern von Drogen, gestohlenen Kreditkartendaten oder Kinderpornografie und versuchen, Beweise gegen Verdächtige zu sichern. Das Bundeskriminalamt führt derzeit mehr als 80 Verfahren wegen möglichen Waffen- und Sprengstoffhandels im Darknet. Im Fokus hat die Behörde auch die Betreiber der Online-Schwarzmärkte, die den illegalen Handel erst ermöglichen. Fünf solcher Plattformen wurden 2015 in Deutschland aus dem Verkehr gezogen, dank einer international angelegten Polizeiaktion. Das Terrain ist schwierig, da alle Beteiligten anonym unterwegs sind. Das BKA verfügt auch über „Vertrauenspersonen“ aus der Szene, wie Behördenchef Holger Münch sagt.

Die Ermittler müssten schnell und flexibel agieren, international vernetzt und technisch wie taktisch auf der Höhe der Zeit sein, sagt Münch. Das BKA habe dazu viel investiert und eine Spezialeinheit gegründet, in der Polizisten und Cyberanalysten zusammenarbeiteten. Das BKA sei seit Ende 2013 im Darknet unterwegs. Doch es gehe noch mehr: „Wir spielen Bundesliga, und zur Champions League würde es gehören, noch mal einen größeren Kader und ein noch größeres Budget zu haben.“ Die Polizeigewerkschaft GdP kritisierte, der erreichte Stand genüge nicht. Es müsse massiv investiert werden.

Genau weiß das niemand, denn es werden bei Weitem nicht alle Straftaten angezeigt. BKA-Chef Münch spricht von einem „sehr großen“ Dunkelfeld. Seine Behörde registrierte vergangenes Jahr mehr als 45  000 Fälle von Cybercrime in Deutschland, darunter etwa das Abfischen von Konto- und Kreditkartendaten oder der Diebstahl von Passwörtern. Realistisch sei eher eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die 14,7 Millionen Fälle allein für das vergangene Jahr ergab. Der geschätzte Schaden gehe in die Milliarden. Münch appelliert an die Bürger, alle Straftaten zu melden. Nur so könne die Polizei effektiv dagegen vorgehen.

Cyberkriminelle sind innovativ und anpassungsfähig, gehen dezentral vor, kommen nur online zusammen, begehen Straftaten und trennen sich wieder. Auch die Online-Schwarzmärkte bestehen nie lange, gleichzeitig entstehen neue. Im Darknet geschieht jeder Schritt unter dem Schutz der Anonymität. Bezahlt wird in der Online-Währung Bitcoin, was die Verfolgung zusätzlich erschwert. In manchen Bereichen der Cyberkriminalität sei eine regelrechte Industrie entstanden, sagt Münch.

Um Cyberkrimineller zu sein, braucht man nicht einmal mehr spezielle Kenntnisse. Immer mehr Dienstleister bieten Rundum-sorglos-Pakete an, beispielsweise zur digitalen Erpressung, sogar inklusive Lösegeldüberweisung. Dies weite den potenziellen Kreis von Tätern immer mehr aus, sagt Münch. Auch die gestiegene Zahl von Smartphones, Tablets und Spielekonsolen bereitet den Experten Kopfzerbrechen: Diese seien meist nicht ausreichend gegen Attacken geschützt. Hinzu kämen die zunehmend vernetzten Fertigungsmethoden in der Industrie.

Niemals dasselbe Passwort für unterschiedliche Internetaccounts verwenden. Schwierige Passwörter mit mindestens zwölf Zeichen sowie Klein- und Großbuchstaben und Sonderzeichen verwenden. Wichtige Daten sollten zudem vom Internet getrennt aufbewahrt, Updates regelmäßig installiert und Sicherungsdateien angelegt werden. An Firmen richtet das BKA die Aufforderung, ihre Mitarbeiter ausgiebig zum Thema Internetsicherheit zu schulen.

Isabell Scheuplein

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