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Tetris : Computerspiele-Klassiker wird 30

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Spielehit, der den Eisernen Vorhang durchbrach: Wie „Tetris“ Weltruhm erlangte, war ein Krimi, in dem auch Michail Gorbatschow vorkam

Die Sowjetunion mit ihrer Planwirtschaft war nicht gerade der Ort, von dem man eines der erfolgreichsten Computerspiele der Geschichte erwartet. Doch es war der Moskauer Programmierer Alexej Paschitnow, der vor 30 Jahren mit „Tetris“ das klassische Pentomino-Puzzle mit von oben herabfallenden Blöcken auf einem Computer-Bildschirm zum Leben erweckte – das Spiel „Tetris“. Auch nach 30 Jahren hält sich „Tetris“ gut im Geschäft – trotz der Konkurrenz von Smartphone-Games.

Paschitnow hatte Anfang der 80er-Jahre eine Vision, aber nur den schwachbrüstigen Sowjet-Computer „Elektronika 60“ ohne moderne Grafik. Deshalb markierten in seiner ersten „Tetris“-Version von 1984 Klammern die Umrisse der „Tetris“-Blöcke. Paschitnow reduzierte die Figuren von fünf auf vier Quadrate, dadurch wurden sieben Formen möglich.

Das fesselnde Spiel breitete sich schnell in Moskauer Computer-Kreisen aus. Paschitnow war damals 28 Jahre alt. Er hatte keine Ahnung, was für ein Wirtschaftskrimi sich um seine Erfindung entfesseln sollte.

Über Ungarn gelangte das Spiel in den Westen. Mirrorsoft, eine Firma des britischen Medienmoguls Robert Maxwell, sicherte sich über einen Mittelsmann die Computerrechte. Im Westen wäre Paschitnow als Entwickler eines Spielehits zum Millionär geworden. In der Sowjetunion ging das Geld an den Staat. Die Moskauer Bürokraten hatten zunächst wenig Durchblick und ließen sich einiges entgehen: In Europa und Asien wurden Sublizenzen zum Teil ohne ihr Wissen verkauft.

Dann kam der Spiele-Riese Nintendo ins Spiel. Als Nintendo-Manager Minoru Arakawa „Tetris“ sah, wusste er: Das ist genau das Spiel, das er für den 1989 anstehenden Marktstart der mobilen Spielekonsole Game Boy brauchte. Er machte dem Unternehmer Henk Rogers ein Angebot: Wenn dieser von den Sowjets die „Tetris“-Rechte für mobile Geräte bekommt, würde Nintendo bei ihm eine Lizenz erwerben.

Dieser Deal machte Rogers reich: Er erhielt einen Dollar pro verkauftem Spiel, schrieb US-Autor David Sheff in seinem Buch „Game Over“. Und allein die Game-Boy-Version wurde Nintendo 35 Millionen Mal los.

Rogers besorgte Nintendo auch die Rechte für stationäre Konsolen. Die Russen schoben dem Maxwell-Unterhändler eine rückwirkende Vertrags-Ergänzung unter, in der ein Computer als Gerät u.a. mit Monitor und Tastatur definiert wurde. Das erlaubte ihnen, die Rechte für Konsolen separat an Nintendo zu verkaufen.

Maxwell brachte die Sache bei einem Treffen mit Staatschef Michail Gorbatschow auf den Tisch. Am Ende half es jedoch nichts: Die Rechte blieben bei Nintendo. Während Moskauer Bürokraten und westliche Geschäftsleute um Millionen schacherten, wurde Erfinder Patschitnow mit einen moderneren Computer belohnt.

Erst 1996 wendete sich das Blatt für den Spieleerfinder. Paschitnow und Rogers kauften Elorg die Rechte für das Spiel ab und gründeten die Tetris Company. Sie hätten bis heute mehr als 425 bezahlte Downloads auf Mobiltelefonen verkauft, sagte Rogers jüngst dem Technologieblog „Recode“.

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