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Digital

15. Dezember 2017 | 07:31 Uhr

Verklagt : Check24 steht vor Gericht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Versicherungsvertreter beklagen mangelnde Transparenz und gehen nun gegen das Preis-Vergleichsportal vor

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Millionen Verbraucher vertrauen bei der Suche nach dem billigsten Anbieter von Versicherungen, Strom oder Reisen auf Vergleichsportale im Internet. Nicht allen Verbrauchern ist klar, dass die Portale für jeden Vertragsabschluss Provisionen von den Versicherungen oder Reiseanbietern kassieren - denn der Hinweis auf die Rolle als Makler ist auf die Schnelle in den Vergleichsportalen nicht zu sehen. Ein Prozess, der gestern vor dem Landgericht München begann, könnte die Portale zu mehr Transparenz zwingen.

Warum beschäftigen sich Richter mit Vergleichsportalen?
Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute hat eine Klage gegen Check24 eingereicht, weil er dem Internetportal eine Irreführung der Verbraucher vorwirft: Check24 tarne sich zwar als Preisvergleichsportal - arbeite aber genau wie ein Makler und kassiere Provisionen. Auf den ersten Blick könnten die Kunden dies jedoch nicht erkennen.

Die Richter sollen klären, ob Check24 gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstößt. Zum Prozessauftakt deutete sich in diesem Punkt ein Erfolg für die Klage an: Der Besucher der Seite müsse verstehen, dass Check 24 ein Makler ist und nicht nur ein Dienstleister, der Preise vergleicht, sagte die Vorsitzende Richterin der 11. Kammer für Handelssachen, Barbara Clementi.

Der Hinweis auf die Maklerrolle finde sich bislang nur in der Fußzeile und werde deshalb wohl von vielen Verbrauchern nicht gesehen. Denkbar wäre stattdessen ein Fenster, das aufblinkt, sobald sich der Nutzer die Versicherungen ansieht.

Von wem kassieren die portale Geld?
Die Vergleichsportale haben meist Verträge mit den Versicherern oder Reiseanbietern abgeschlossen, deren Leistungen sie anbieten. Für jeden Kunden, den die Versicherer oder Reiseanbieter über die Portale gewinnen, müssen sie Geld an die Betreiber abdrücken: Bei der Kfz-Haftpflichtversicherung zum Beispiel soll die Provision rund 50 bis 100 Euro pro Vertrag ausmachen. Da kommt einiges zusammen: Allein in der letzten Wechselrunde für die Kfz-Haftpflichtversicherung vermittelte Check24 rund 950 000 Verträge. Nicht alle Anbieter sind bereit, mit einem Portal zusammenzuarbeiten: Die Online-Tochter des Marktführers Huk-Coburg hat sich vor wenigen Monaten von Verivox verabschiedet, um Geld zu sparen.

Was sagen die Verbraucherschützer?
Vor allem die mangelnde Transparenz ist Verbraucherschützern ein Dorn im Auge. Der Bund der Versicherten rät Verbrauchern grundsätzlich dazu, sich nicht auf ein Portal zu verlassen. „Vergleichen Sie die Vergleichsportale.“

Können die Portale per Gesetz zur Transparenz gezwungen werden?
Der Prozess in München könnte klären, in welcher Form die Portale die Verbraucher über ihre Rolle als Makler informieren müssen. Formal richtet sich die Klage zwar nur gegen Check24 als Marktführer - in der Praxis dürften aber auch andere Anbieter sich dem Urteil beugen, um eigene Prozesse zu vermeiden. Denkbar ist zudem auch ein Einschreiten der Politik: Hessen hat bereits eine Bundesratsinitiative gestartet. Die Portalbetreiber sollen demnach künftig die Provisionen offenlegen, die sie von den Produktanbietern kassieren. Keine Probleme sieht das Münchner Landgericht nach einer ersten Einschätzung mit der Beratungsleistung von Check24 - die Abfrage persönlicher Daten über eine Maske sei zwar nicht vergleichbar mit einem Gespräch, erfülle aber dennoch die Vorgaben für eine Beratung.

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