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Musik aus dem Netz : Bremst Adele Streaming im Netz?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Streaming sorgt für Wachstum im gebeutelten Musikgeschäft: Doch Adele enthält Streaming-Nutzern ihre Musik vor

svz.de von
erstellt am 18.Dez.2015 | 16:26 Uhr

Es hätte ein so geradliniger Trend sein können: Das Streaming ist auf dem Vormarsch, Musik wird immer mehr als digitale Übertragung aus dem Netz gehört, statt gekauft zu werden. Doch dann gab die britische Sängerin Adele den Streaming-Diensten bei ihrem neuen Album „25“ einen Korb, setzte nur auf den Verkauf von CDs und Downloads – und stellte prompt einen Absatzrekord auf.

Die große Frage ist nun, ob mehr bekannte Musiker dem Beispiel folgen und ihre neuen Songs zunächst den Kunden von Streaming-Diensten vorenthalten. Denn während die Streaming-Anbieter versprechen, dass auf lange Sicht die steten Einnahmen aus Online-Abrufen mehr Geld als ein CD-Erfolg bringen können -– hat Adele gerade auf einen Schlag kräftig Kasse gemacht.

Allein in den USA schlug „25“ mühelos einen über 15 Jahre alten Verkaufsrekord, als das Album in gerade einmal drei Tagen rund 2,433   Millionen Mal erworben wurde. Den Bestwert in der ab 1991 erstellten Rangliste des Marktforschers Nielsen hielt seit März 2000 die Platte „No Strings Attached“ der Boygroup NSYNC mit 2,416  Millionen Verkäufen in der gesamten ersten Woche. Inzwischen liegt Adeles Album nach drei Wochen bei rund fünf Millionen Exemplaren im US-Markt.

Die britische Band Coldplay ging bei ihrem neuen Album „A Head Full Of Dreams“ zwar nicht so weit wie Adele, aber die Nutzer des Streaming-Marktführers Spotify mussten eine Woche länger darauf warten.

In der Branche wird das Ganze beobachtet. „Es geht sicher immer auch um eine individuelle Analyse des Künstlers: Wo ist meine Fangemeinde? Vergraule ich Kunden im Streaming-Bereich, oder schaffe ich damit vielleicht ein neues Bewusstsein für den Wert von Musik?“, sagt der Chef des Bundesverbandes Musikindustrie, Florian Drücke. „Streaming-Kunden wollen natürlich am liebsten alle Musik beim Dienst ihrer Wahl hören können“, räumt er ein. Wie werden sie reagieren, wenn in Zukunft tatsächlich für mehr neue Alben zusätzlich zu ihrem Abo bezahlt werden müsste?

Dabei gab es im deutschen Musikmarkt dank Streaming-Diensten erstmals seit Jahren wieder ein kräftiges Wachstum. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 4,4 Prozent auf 686 Millionen Euro. Dabei schossen die Streaming-Einnahmen um mehr als 87 Prozent in die Höhe.

Doch bei aller Aufmerksamkeit für Musik aus dem Netz: Den Großteil des Geldes bringt der Branche in Deutschland nach wie vor die CD ein, zuletzt gut 60 Prozent. „Die CD ist im Moment noch das Rückgrat des Geschäfts. Falls es da einen größeren Einbruch geben sollte, wäre das für die Branche selbstverständlich ein Problem“, sagt Verbandschef Drücke. Und das Geschäft hängt massiv von einer kleinen Schicht von Vielkäufern ab. Laut Studien des BVMI gaben 2014 lediglich 3,7 Prozent der Bevölkerung mehr als 80 Euro für Musik aus. Sie sorgten aber für gut 46 Prozent der Umsätze.

Das bedeutet auch, dass jeder Abo-Kunde beim üblichen Preis von 9,99 Euro pro Monat der Branche in einem Jahr mehr Geld in die Kassen spült als viele aktive CD-Käufer.

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