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Safer Internet Day : Brauchen Jugendliche einen Führerschein fürs Internet?

vom
Aus der Onlineredaktion

Junge Leute nutzen das Internet oft ohne Gedanken an die Privatsphäre – Experten fordern Medienkunde als Schulfach

svz.de von
erstellt am 07.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Es ist das perfekte Bild für diesen Tag, an dem es um das Internet geht. Drei Schüler haben die Köpfe über einem Smartphone zusammengesteckt, sie scrollen durch eine Nachricht. In der Aula der Ellen-Key-Schule in Berlin soll es an diesem Morgen um die Sicherheit im Netz gehen, es ist „Safer Internet Day“.

„Ich finde es gruselig, dass man total kontrolliert werden kann“, sagt die 20-jährige Schülerin Meltem Celik, die gerade noch auf das Smartphone ihrer Freundin geschaut hat. „Deswegen poste ich nichts mehr auf Facebook.“ Doch ganz auf Facebook und Co. verzichten wollen viele Jugendliche nicht. Experten wollen die Teenager deshalb dazu bewegen, bewusst mit ihren Daten umzugehen.

Im weltweiten Vergleich zeigte eine Umfrage, dass deutsche Achtklässler in Sachen Computerkenntnisse im Vergleich nur im Mittelfeld liegen. Andere Erhebungen bescheinigen zwar eine gute Verbreitung des Internets - den Nutzern jedoch Ahnungslosigkeit bei Begriffen wie „Cloud“, „LTE“ oder „Cookies“. Für Datenschützer und Experten ein Grund, Alarm zu schlagen. Es brauche ein eigenes Schulfach Medienkunde: „Die querschnitthafte Vermittlung von Medienkunde hat nicht funktioniert - sonst hätten wir andere Umfrageergebnisse“, sagt der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte Edgar Wagner.

In Deutschland gibt es nach Angaben der Kultusministerkonferenz momentan kein eigenständiges Fach Medienkunde. Die Themen würden über mehrere Unterrichtsfächer hinweg vermittelt.  Ob das reicht, ist unklar. Edgar Wagner weiß, wovon er spricht: In den vergangenen Jahren habe seine Behörde Workshops für etwa 60 000 Schüler veranstaltet. Oft hatte er dabei den Eindruck, dass Medienkunde gar nicht vermittelt werde. Dennoch habe sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Die Schulen seien besser ausgestattet, aber vielen Schülern fehle es weiterhin an Wissen.„Ich finde schon, dass es einen Fachbereich Medienkunde geben sollte“, sagt auch die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff. Sie betont jedoch, dass man zwischen Pro und Contra abwägen müsse.

Die Professorin Ira Diethelm gibt zu bedenken, dass das Problem schon in der Ausbildung der Lehrer beginne. Eine mediale Ausbildung sei in den meisten Bundesländern nicht verpflichtend.

Selbst Fachleute hinken manchmal der Entwicklung hinterher. Denn die Mediennutzung der Jugendlichen wandelt sich rasant. In der Aula der Berliner Ellen-Key-Schule appelliert die Klicksafe-Vertreterin Pepper an das Verantwortungsbewusstsein der Jugendlichen. „Sie sind eigentlich die erste Generation, die damit konsequent aufwächst und damit lebt“, sagt sie über das Internet und Smartphone-Apps.

Safer Internet Day

Am Safer Internet Day sollen Menschen aller Altersgruppen dazu gebracht werden, mehr auf die Sicherheit moderner Kommunikationsmittel zu achten.

Auf Initiative der Europäischen Kommission will das 1999 gestartete europaweite Safer Internet Programm die Medienkompetenz und die Sensibilisierung für Gefahren im Netz besonders bei Kindern, Eltern und Lehrern fördern.

In Deutschland koordiniert klicksafe.de die Aktivitäten rund um den Safer Internet Day.

 

 

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