Netz-Kriminalität : Bloggerin warnt vor Stalking im Netz

Die Mode-Bloggerin Mary Scherpe beschreibt in ihrem Buch „An jedem einzelnen Tag“ wie es ist, jahrelang gestalkt zu werden.
Die Mode-Bloggerin Mary Scherpe beschreibt in ihrem Buch „An jedem einzelnen Tag“ wie es ist, jahrelang gestalkt zu werden.

Mary Scherpe wurde zwei Jahre lang im Internet verunglimpft.

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27. März 2015, 12:00 Uhr

Die Berliner Mode-Bloggerin Mary Scherpe wurde von ihrem Ex-Freund zwei Jahre im Netz verunglimpft, sie bekam bedrohliche Mails und schräge Post – und auch einen Haufen Ziegel vor die Tür. Man darf die Angst nicht zulassen, sagt sie im Interview mit Susanne Kupke. „Man ist sonst verdammt, das zu ertragen.“

Belästigt Ihr Ex-Freund Sie noch?

Scherpe: Im Moment nicht. Es hat im vergangenen August aufgehört, als ich mein Buch veröffentlicht habe. Ob das dauerhaft ist, liegt allein in seiner Hand. Ich habe keine Kontrolle darüber.

Sie wollten mit Ihrer Buch-veröffentlichung aus der Opfer-Rolle raus – was hat es genutzt?

Für mich war es ein großes Glück. Es ist wichtig, das nicht für sich zu behalten, sondern mit Angehörigen und Freunden darüber zu sprechen, auch wenn viele Angst davor haben oder sich schämen. Diese Reaktion ist fatal, denn sie verdammt einen dazu, das zu ertragen.

Was hat sich seitdem verändert?

Der Stalker hat mein Handeln in der akuten Zeit schon beeinflusst. Ich war viel behutsamer, fühlte mich unter Druck. Jetzt habe ich wieder mehr Mut.

Gibt es Ihrer Meinung nach bestimmte Opfertypen, die Stalker anziehen?

 Nein, das kann jeden treffen.

Um Stalker erst gar nicht in Versuchung zu bringen: Was sollte man nicht tun?

Sich einschränken wäre sicher der falsche Weg. Wenn ich in einem Einkaufszentrum beklaut werde, meide ich ja auch nicht das Zentrum.

Jeder kann überall gestalkt werden. Es gibt keine Möglichkeit, sich vor so was zu schützen. Es muss einem immer klar werden, dass man in den wenigsten Fällen Einfluss auf einen Stalker nehmen kann.  

Wie könnte Stalking erschwert werden?

Ein verschärftes Stalking-Gesetz ist ein Schritt. Doch damit ist es nicht getan. Die Anbieter von Internetdiensten wie Facebook oder Instagram müssen mehr in die Pflicht genommen werden. Sie müssen zum Beispiel schneller auf Beschwerden reagieren. Und es würde mich freuen, wenn Beratungsstellen wie die Berliner „Stop-Stalking“ besser finanziert würden.

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