Gesundheit : Big Brother trainiert mit

„Oscar Health“ zahlt Versicherten Prämien, wenn sie bestimmte Fitness-Ziele erreichen.
„Oscar Health“ zahlt Versicherten Prämien, wenn sie bestimmte Fitness-Ziele erreichen.

US-Krankenversicherer lässt Fitness-Daten seiner Kunden aufzeichnen und zahlt einen Bonus für Erfolge

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02. März 2015, 09:55 Uhr

Die Revolution des Gesundheitswesens wird am Körper getragen: Fitnessarmbänder und Smartwatches machen Versicherte zu gläsernen Patienten. In New York sammelt ein Krankenversicherer die Daten seiner Kunden bereits auf diese Weise ein und zahlt den Leuten Prämien dafür, sich gut in Schuss zu halten.

US-Medien sind begeistert, die „New York Times“ wähnt das nächste Spotify, Uber oder Airbnb. Daten aufzeichnen und Trainingseifer belohnen – sieht so die Krankenversicherung von Morgen aus?

Das junge Unternehmen „Oscar Health“ aus Manhattan gilt als großes Tech-Versprechen im verschnarchten Versicherungsmarkt. Die Firma will den Markt aufmischen wie der Fahrdienstvermittler Uber oder das Mitwohnportal Airbnb das Taxi- und das Hotelgewerbe. Oscar kommt als kreativer Zerstörer daher: Firmenblog, schicke App, breite Social-Media-Präsenz und Geld aus dem Silicon Valley.

Firmengründer Josh Kushner, 29, will sich gezielt vom Rest der als ineffizient und gierig verpönten Branche absetzen. „Viele Leute in dieser Industrie sind einfach nur böse“, sagte Kushner kürzlich bei einer Veranstaltung der Clinton Foundation. „Wir nutzen Technologie und Design, um Gesundheitsvorsorge simpel, intuitiv und human zu machen.“ Darunter versteht der Geschäftsmann, der einem New Yorker Immobilienclan entstammt und seine Karriere bei Goldman Sachs begann, auch Daten zu sammeln und Kunden für gute Gesundheit zu belohnen.

Oscar schickt Versicherten Smartwatches und zahlt Prämien, wenn sie bestimmte Fitness-Ziele erreichen. Wer sein Programm erfolgreich absolviert, bekommt einen Dollar Belohnung pro Tag.

Sind 20 Dollar erreicht, gibt es einen Amazon-Gutschein. „Jeder geht in New York zu Fuß, unsere Mitglieder werden dafür bezahlt“, heißt es in der Werbung. Der maximale Erlös ist auf 20 Dollar im Monat und 240 Dollar im Jahr begrenzt. Noch ist Oscar nur in New York und New Jersey am Start. Doch die Zeit ist günstig, um das Konzept groß rauszubringen.

Eine Umfrage von PricewaterhouseCoopers ergab, dass aus Sorge um ihre Privatsphäre bislang nur wenige US-Verbraucher bereit sind, ihre Gesundheitsdaten zu teilen. „Es wird entscheidend sein, sich mit diesen Bedenken zu befassen“, sagt Vaughn Kauffman von PwC Health Industries. Und in Deutschland? Zwar bieten Krankenkassen schon länger „Aktiv-Prämien“ als Fitness-Anreiz an. Das läuft bislang aber ganz klassisch mit Scheckheft und Sammelpunkten.

Dass sich das freiwillige Daten-Teilen mit der Versicherung hier in absehbarer Zeit durchsetzt, darf bezweifelt werden. Der Argwohn gegenüber Big Data ist in Deutschland traditionell groß.

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