Shoppen im Netz : Bequemlichkeit first

Das komplette Outfit wird von Stylisten zusammengestellt und nach Hause geliefert.
Das komplette Outfit wird von Stylisten zusammengestellt und nach Hause geliefert.

Der Online-Handel entdeckt den Service, doch die Konsumenten sind noch skeptisch.

svz.de von
30. März 2016, 21:00 Uhr

Große Auswahl, niedrige Preise: Lange Zeit haben Online-Händler auf dieses Konzept gesetzt. Doch angesichts der Übermacht von Amazon und Zalando verlegen sie sich inzwischen immer stärker auf eine neue Strategie. Die Unternehmen versprechen vor allem mehr Bequemlichkeit und Service.

Einer der Vorreiter der Entwicklung ist das Berliner Start-up Outfittery, das seit drei Jahren Männern bei der Suche nach Schuhen, Jeans, Hemd und Pullover unter die Arme greift. Die Kunden füllen eine Art Fragebogen aus, der Vorlieben und Stil ermittelt und telefonieren – wenn sie wollen – mit einem Stylisten. Fertig ist das neue Outfit, das im Paket nach Hause geliefert wird.

Der Verbraucher werde durch die Vielfalt des Modeangebots heutzutage schlicht überfordert, sagt Outfittery-Gründerin Julia Bösch. „Der Kunde will nicht die Auswahl zwischen 2000 verschiedenen blauen Hemden im Online-Shop. Er will nur zehn Optionen, die für ihn relevant sind.“

Outfittery ist mit diesem Konzept nicht allein. Auch der Berliner Rivale Motomoto wirbt mit dem Motto „Gut gekleidet ohne Shopping“ um männliche Kunden. Andere wie Kisura bieten den gleichen Service für Frauen.

Wie nachhaltig der Trend allerdings ist, muss sich erst noch erweisen. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov macht eine breite Mehrheit der Erwachsenen in Deutschland vieles im Alltag lieber selbst, zum Beispiel einkaufen im Supermarkt. Nur jeder Zehnte lässt sich Brot, Gemüse und Fleisch nach Hause liefern. Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung in Köln, erklärt die Zurückhaltung unter anderem mit den Lieferkosten. „Die Konsumenten sind nach wie vor preissensibel.“ Abgesehen davon gingen viele Konsumenten gern einkaufen.

Dennoch setzen immer mehr Unternehmer auf das Geschäft mit Essen aus dem Netz. Start-ups wie Hello Fresh oder Marley Spoon sprechen jene an, die gerne neue Gerichte ausprobieren. Sie liefern bebilderte Kochanleitungen samt Zutaten in einer Box.

Dieses Nischen-Angebot treffe auf ein zahlungswilliges Publikum, sagt Hudetz. „Kochen liegt voll im Trend.“ Es gehe ums Genießen, um ein gemeinsames Erlebnis. Da würden auch höhere Lieferkosten akzeptiert.

Sarah Lena Grahn

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen