Cold Water Challenge : Aus Web-Spaß wurde tödlicher Ernst

Klamauk kostet Menschenleben: Dieser umgefallene Bagger wurde einem 36-Jährigen zum Verhängnis. Feuerwehrleute bargen den Tieflader nach dem Unglück.
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Klamauk kostet Menschenleben: Dieser umgefallene Bagger wurde einem 36-Jährigen zum Verhängnis. Feuerwehrleute bargen den Tieflader nach dem Unglück.

Für die Feuerwehr war die „Cold Water Challenge“ der Trend des Sommers, bis es zum tödlichen Unfall kam

svz.de von
30. Juli 2014, 16:05 Uhr

Wenn Feuerwehrleute zur Kamera greifen, um sich gegenseitig in Unterhosen, Schwimmflügeln, Planschbecken oder Waschstraßen zu filmen, steckt häufig ein ziemlich skurriler Wettkampf dahinter. Als „Cold Water Challenge“ (dt. ungefähr: Herausforderung mit kaltem Wasser) erfasst der Trend in diesem Sommer nicht nur Feuerwehren. Zunehmend haben ihn auch andere Gruppen wie zum Beispiel Schützenvereine, Ambulanzen oder Musikorchester für sich entdeckt. Doch es gibt viel Kritik – und einen Toten.

Das Spektakel funktioniert wie eine Art Kettenbrief: Eine Gruppe – meistens sind es Feuerwehren – wird herausgefordert. Zum Beispiel möglichst kreativ ins kalte Wasser zu springen. Das Spektakel wird gefilmt und als kurzer Clip ins Internet gestellt. Die Truppe nominiert drei weitere Wehren, die dann ein Filmchen von der eigenen „Challenge“ drehen müssen. Wer kneift und nicht mitmacht, muss den anderen etwa zum Grillen einladen.

So entstehen teils absurde Videoclips, die im Internet Tausende Male geklickt werden: Feuerwehrmänner „retten“ einen Gummiwal aus einem Baggersee, sie „fahren“ im Schlauchboot durch eine Autowaschanlage oder bringen einen Kollegen auf einer Trage mit einem Löschwasserstrahl ins Rotieren.

Bislang vor allem als Mischung aus Spaß und Marketingaktion für das Ehrenamt bekannt, ist aus der „Challenge“ eines Kegelvereins in Nordrhein-Westfalen nun tödlicher Ernst geworden. Bei einem Video-Gag mit einem Radlader wurde am Dienstagabend ein Mann von der Schaufel erschlagen, sechs weitere wurden verletzt. Erst vor einem Monat waren bei einem Traktorunfall in der Nähe von Steinfurt neun Menschen verletzt worden, auch hier soll es sich um eine „Cold Water Challenge“ gehandelt haben.

Der verhängnisvolle Videodreh mit Baggern ist beliebt, auch Feuerwehrmänner aus dem hessischen Hochheim ließen bei ihrer „Challenge“ Wasser aus einer Schaufel über sich ausschütten. Das Problem: In den vergangenen Wochen wurden die Jux-Videos immer verrückter, teilweise wurde auch die Dienstausrüstung benutzt.

Deshalb wuchs die Kritik. Im nordrhein-westfälischen Dorsten zum Beispiel ließen Feuerwehrchef und Stadtverwaltung die Videos ihrer Freiwilligen Feuerwehr löschen. Im saarländischen St. Wendel warfen Feuerwehrchef und Vorstand nach einem Video der Löschtruppe das Handtuch. In Hessen warnen Landesfeuerwehrverband, die Unfallkasse und das Innenministerium in Wiesbaden deutlich: Spaß ja, aber Vorsicht bei den Aktionen, heißt es darin. Außerdem dürften die Feuerwehren ihre Ausstattung nicht zweckentfremden, das Ansehen der Truppen dürfe zudem nicht leiden.

Eine „Challenge“ könnte für die Herausgeforderten auch zu einem teueren Spaß werden: Die Feuerwehr stuft die Aktionen als „unzulässige Gefährdungen“ mit hohem Risiko ein. Allem Ärger zum Trotz: Die „Cold Water Challenge“ hat einen Nerv getroffen. Allein auf dem Videokanal YouTube finden sich unter dem Stichwort etwa 235 000 Filme – viele davon aus Deutschland.

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