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digitale kunstwerke : Auf dem Smartphone gezeichnet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Künstlerin Brigitta Borchert hat die digitale Technik für sich entdeckt / Eine einfache Notiz-Funktion reicht aus, um Kunst zu machen

Die 1940 geborene Malerin Brigitta Borchert aus Molfsee bei Kiel hat das Zeichnen auf Smartphone oder Tablet für sich entdeckt. Vor anderthalb Jahren brauchte sie ein neues Handy. Als sie sah, dass es unter anderem ein Smartphone von Samsung gibt, das man mit einem Stift bedienen kann, wollte sie es sofort haben, weil sie darauf neugierig war, was man damit machen kann. „Ich fand eine Notiz-Funktion und fing an, herumzuprobieren“, sagt Brigitta Borchert. Sie hat sich das Zeichnen auf Smartphone und Tablet selbst erobert, wie sie sagt. Da sie niemanden kenne, den sie um Rat fragen konnte.

Auf ihrem Smartphone und später auch auf einem Tablet zeichnet Brigitta Borchert einfach drauf los. Weil es wenig Risiko gebe. Bei einem Aquarell zum Beispiel müsse man dagegen genau überlegen, welchen Farbauftrag man wann macht. Das ist hier nicht nötig. „Das befreit“, sagt die Malererin. Und wenn ein Strich dann doch mal daneben geht, benutzt sie die Radierfunktion.

Das Zeichnen auf diese moderne Weise empfindet Brigitta Borchert als sehr praktisch. Es müssten keine Farben zurecht gelegt und hinterher keine Pinsel ausgewaschen werden. Für die Künstlerin stellt das eine Erleichterung dar.

An den dargestellten Personen und Szenarien merkt man, dass Brigitta Borchert in der Experimentierphase dieser neuen Technik ist. Es sind Verwandte wie ihr Mann oder Schwiegersohn und befreundete Kollegen oder Kunstexperten. Die vertrauten Personen geben ihr die Möglichkeit, sich im Schutz der Familie und des Freundeskreises auszuprobieren.

Birgitta Borchert wagt sich nun aber mit ihren Skizzen in die Öffentlichkeit. Dabei kommt, wenn sie die Zeichnungen ausdruckt, unweigerlich die Frage nach dem Original, dem Unikat, auf. Es ist schwer darauf eine endgültige Antwort zu finden. Letztendlich geht es um die Kreativität, die Brigitta Borchert ausgelebt hat, bevor der Drucker angestellt wurde. In den Kunstwerken stecken eine Idee, die Wahl des Motivs, der richtigen Perspektive und des Ausschnitts sowie ein Arbeitsprozess. Alles Schritte, die nicht jeder, sondern nur eine Künstlerin wie Brigitta Borchert machen kann. Und dies steckt auch noch in den Ausdrucken drin.


„Picasso wäre verrückt danach gewesen“


Einen kunsthistorischen Vergleich zu ziehen, fällt derzeit noch schwer, da es Smartphones und Tablets bekanntermaßen noch nicht lange gibt. Aber es gibt einen Zeitgenossen, der es vorgemacht hat: Der britische Künstler David Hockney, bekannt für seinen Sprung in einen Swimmingpool unter dem Titel „The bigger splash“. Auch er malte erst auf seinem Smartphone, dann bekam er ein iPad in die Hände und war begeistert. Es hat die Größe eines Skizzenbuches und ist praktisch. Er mag, dass das iPad eine Funktion besitzt, mit der sich Arbeitsabläufe als Animation anzeigen lassen. So kann man genau sehen, welche Pinselstriche wann gemacht wurden. Für Hockney ist es wie für Brigitta Borchert ein Privileg, Kunstwerke mit Hilfe eines digitalen Werkzeugs schaffen zu können, weil man sich so Wasser, Farben und das lästige Wegräumen erspart. Und manchmal werde er so mitgerissen, dass er sich am Ende die Finger abwischt, weil er denke, es wäre Farbe daran.

Hockney wurde gefragt, ob die digitale Malerei die Zukunft der Kunst ist. „Ich weiß nicht, in welche Richtung es sich entwickelt. Aber die Kunst wird da sein!“ Hockney glaubt, dass diese Technologie die Welt der Medien unwiderruflich verändern wird. Doch Kunstwerke wie auch Musik, so der Brite, werde es immer geben. Nur die Mittel, mit denen man sie herstellt, würden sich verändern. Hockney kann sich sein Künstlerleben ohne iPad nicht mehr vorstellen. „Picasso wäre verrückt danach gewesen“, ist er sich sicher.





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