Barrierefreiheit : Apps bringen Kino auf’s Handy

Barrierefreies Vergnügen auch für Seh - und Hörbeschädigte durch Greta und Starks

svz.de von
05. März 2014, 19:14 Uhr

In den Genuss detailstarker Bilder und ausgeklügelter Soundeffekte mit allen Sinnen kamen in Kinosälen bislang nur Menschen, die weder seh- noch hörgeschädigt sind. Mit dem Einzug einer speziellen Technologie auf das Smartphone sollen blinde, visuell beeinträchtigte und gehörlose Zuschauer künftig jeden Tag, selbstverständlich und ganz normal mit Familie, Freunden oder Kollegen das Kino besuchen können.


Smartphone erkennt automatisch Kinofilme

Jeder Smartphone-User kann sich mit den Apps Greta und Starks aus einem noch begrenzten Filmangebot die Audiodeskription oder die Untertitel seines Wunschfilms aussuchen. Während Starks Gehörlosen sogenannte HoH-Untertitel („Hard of Hearing“) anzeigt, bei denen neben den gesprochenen Dialogen zum Beispiel auch wichtige Hintergrundgeräusche beschrieben werden, bietet Greta eine gesprochene Filmbeschreibung, die blinde oder sehbeeinträchtigte Nutzer im Kino über Kopfhörer anhören können.

Die Apps funktionieren dabei automatisch. Zu Beginn des Filmes werden Greta und Starks durch Audioerkennung aktiviert. Die jeweilige App scannt dann den Film anhand eines digitalen Fingerabdrucks in Form eines akustischen Signals am Filmanfang. Die Technologie ist dabei ähnlich den Musikerkennungsprogrammen wie Soundhound oder Shazam. Die Anwendung findet den richtigen Startzeitpunkt automatisch und synchronisiert sich bildgenau. Der User erhält dann auf seinem Telefon die gewünschte Audiodeskription oder die gewünschten Untertitel – kostenlos und ohne eine aktive Internetverbindung. Die Daten können bereits zuvor im heimischen WLAN-Netz heruntergeladen und gespeichert werden.

Mit dem heutigen Kinostart des Hörspielklassikers „Bibi & Tina“ machen die beiden Apps den ersten Kinderfilm barrierefrei zugänglich. Zuvor waren bereits die Kinofilme „Der Medicus“, „Buddy“ und „Imagine“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz erstmals mit den Apps zu erleben und ein großer Erfolg. Die App-Entwickler Filmverleih Debese Film arbeitet derzeit an weiteren Titeln, die bald für die Apps verfügbar sein sollen.


Filmspaß über die Leinwand hinaus

Trotz der geringen Filmanzahl zeigen sich erste Nutzer auf den Facebook-Seiten der Apps zufrieden. Eine Besucherin schrieb: „Ich war gestern im Kino und habe die App ausprobiert. Die Audiodeskription ist super und synchron zum Film. Ich hatte als Späterblindete zum ersten Mal wieder das Gefühl, meine Augen nicht zu vermissen.“

Neben dem Kinosaal sollen die Apps auch im Open Air Kino, zu Hause im Fernsehen oder bei Freunden auf DVD laufen. Zu finden sind die Apps kostenlos bei Google Play und im App Store.

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