Im Visier der Justiz : Wie seriös sind Vergleichsportale wie Check24 und Verivox?

Verbraucherschützer wollen von Vergleichsportalen wissen, wie deren Rankings zustande kommen.
Verbraucherschützer wollen von Vergleichsportalen wissen, wie deren Rankings zustande kommen.

Verbraucherschützer wollen von Vergleichsportalen wissen, wie die Rankings der Vergleichsportale zustande kommen?

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07. Februar 2019, 11:18 Uhr

Hamburg | Auf der Suche nach dem besten Preis-Leistungsverhältnis im Internet kommen Verbraucher an Vergleichsportalen wie Check24, Idealo und Verivox nicht vorbei. Die Anbieter versprechen Hilfe bei der Suche nach günstigerem Strom, dem Wechsel eines Handyvertrags oder einer neuen DSL-Leitung. Der Einfluss von Verivox und Co. ist riesig, auch weil die Portale den Kunden beim Wechsel tatkräftig zur Seite stehen. Doch in Sachen Transparenz scheint es Nachholbedarf zu geben. Denn wie die Rankings der Portale zustande kommen, ist nicht klar. Verbraucherschützer fordern nun, genauer hinzuschauen und laut Süddeutscher Zeitung (SZ) prüft das Verbraucherschutzministerium derzeit, die Beobachtung der Praktiken der Vergleichsportale zu intensivieren.

Verbraucherschützer fordern Haftung der Vergleichsportale

Erst kürzlich wurde die Insolvenz des bayerischen Billigstromanbieters BEV bekannt, davor sorgten Firmenpleiten von Teldafax oder Flexstrom für Aufsehen. Hunderttausende Kunden waren und sind betroffen. Es steht die Frage im Raum, ob Vergleichsportale durch unlautere Praktiken mitverantwortlich für derart wackelige Geschäftsmodelle sein könnten. Deutschlands Verbraucherschützer fordern von der Bundesregierung, die Verantwortung der Plattformen gegenüber Verbrauchern und Anbietern umfassend zu definieren. Gegenüber der SZ sagt Klaus Müller, Vorstand beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), es müsse "eine spezielle Haftung für Internet-Vergleichsportale" eingeführt werden.

Praktiken der Vergleichsportale ins Visier nehmen

Beim Verbraucherschutzministerium zeigt man sich der Forderung offen gegenüber. Staatssekretär Gerd Billen lässt jetzt prüfen, "ob die Bundesnetzagentur in ihrer Aufsichtsfunktion gestärkt werden kann". Schließlich sei die Insolvenz der BEV "für alle betroffenen Verbraucher wirklich ärgerlich", sagte er der SZ. Künftig müsste die Netzagentur die Praktiken der Vergleichsportale gründlicher ins Visier nehmen.

Portale werden immer wichtiger

Die Vergleichsportale Verivox und Check.24 spielen auf dem Strommarkt eine immer wichtigere Rolle. "Fast jeder vierte Energieversorgungsvertrag von Haushaltskunden wird inzwischen über ein Vergleichsportal vermittelt", stellte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, vergangenes Jahr fest. Alleine kann sich ein Stromkunde kaum einen Überblick über die Angebotsvielfalt verschaffen, denn im Durchschnitt kann jeder Haushalt unter 124 Anbietern wählen, wie die Bundesnetzagentur errechnet hat.

Die Portale bekommen für die Vermittlung neuer Kunden Provisionen von den Lieferanten. Deren Höhe habe aber keinen Einfluss auf das Ranking der Angebote, versichern sie. Verivox und Co. sehen ihre Rolle auch nicht als Kontrolleure der Stromlieferanten. "Wir sind als Vergleichsportal nicht die Wächter des Marktes, sondern können den Markt nur transparent widerspiegeln", sagte Verivox-Managerin Dagmar Ginzel. Ähnlich argumentiert Check24. "Wir haben keine umfassende Einsicht in die finanzielle Situation von Energieanbietern", teilte ein Sprecher mit. Es sei Aufgabe der Bundesnetzagentur, "eine möglichst sichere, preisgünstige und verbraucherfreundliche Versorgung mit Strom und Gas sicherzustellen", betonte Ginzel.

(mit dpa)

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