Virenscanner keine Hilfe : Warnung vor gefährlichen E-Mails: Schadsoftware "Emotet" im Umlauf

Der Computervirus 'Emotet' befällt derzeit viele PC-Systeme – auch in Deutschland. Mit diesen Maßnahmen schützen sie sich.
Der Computervirus "Emotet" befällt derzeit viele PC-Systeme – auch in Deutschland. Mit diesen Maßnahmen schützen sie sich.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt eindringlich vor der Schadsoftware "Emotet".

svz.de von
05. Dezember 2018, 11:55 Uhr

Hamburg/Bonn | Es klingt wie die Warnung aus einem Science-Fiction-Film: Eine Schadsoftware verbreitet sich rasend schnell, befällt tausende PC-Systeme, lädt sogar schädliche Programme nach, mit denen etwa das Auslesen von Bankdaten möglich ist und kann ganze Unternehmensnetze lahmlegen. Doch diese Meldung stammt nicht aus einem Film, sondern vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Die Behörde warnt eindringlich vor "Emotet", das als gefährlichste Schadsoftware (Malware) weltweit gilt und nun auch in Deutschland Unheil anrichtet.

Schon jetzt Schäden in Millionenhöhe

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) habe demnach in den vergangenen Tagen eine auffällige Häufung an Meldungen zu schwerwiegenden IT-Sicherheitsvorfällen erhalten, die im Zusammenhang mit "Emotet" stehen. In Einzelfällen ist es bei den Betroffenen durch Ausfälle der kompletten IT-Infrastruktur zu Einschränkungen kritischer Geschäftsprozesse gekommen, die Schäden in Millionenhöhe nach sich ziehen. Daneben sind dem BSI weitere Fälle mit weniger schwerem Verlauf gemeldet worden, bei denen Malware-Analysten des BSI "Emotet"-Infektionen nachweisen konnten.

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"Emotet" wird derzeit weiterhin über groß angelegte Spam-Kampagnen verteilt und stellt daher eine akute Bedrohung für Unternehmen, Behörden und Privatanwender dar. Das BSI hat heute im Rahmen seines gesetzlichen Auftrags KRITIS-Betreiber, staatliche Einrichtungen in Bund und Ländern sowie Teilnehmer der Allianz für Cyber-Sicherheit erneut vor Emotet gewarnt und effektive umfassende Schutzmaßnahmen empfohlen.

Was hilft gegen "Emotet"?

Angepasst an die Zielgruppen Unternehmen und Privatanwender sind diese auf den Webseiten des BSI abrufbar unter folgenden Links:

Dazu erklärt BSI-Präsident Arne Schönbohm: "'Emotet' ist nach unserer Einschätzung ein Fall von Cyber-Kriminalität, bei der die Methoden hochprofessioneller APT-Angriffe adaptiert und automatisiert wurden. [...] Wir fordern deswegen Unternehmen und Organisationen auf, ihre IT-Infrastruktur und insbesondere ihre kritischen Geschäftsprozesse vor dieser Art der Bedrohung zu schützen und ihre IT-Sicherheitsmaßnahmen angemessen auszubauen." Durch geeignete Prävention könne man das Risiko einer Infektion mit Emotet erheblich mindern. "Mit der bewährten Standardvorgehensweise IT-Grundschutz und der Kooperationsplattform Allianz für Cyber-Sicherheit bietet das BSI als die nationale Cyber-Sicherheitsbehörde Mittel und Unterstützung, um dieses Ziel zu erreichen", sagt Schönbohm.

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Was macht "Emotet" so gefährlich?

Durch das sogenannte "Outlook-Harvesting" ist "Emotet" in der Lage, authentisch aussehende Spam-Mails zu verschicken. Dazu liest die Schadsoftware Kontaktbeziehungen und seit einigen Wochen auch E-Mail-Inhalte aus den Postfächern bereits infizierter Systeme aus. Diese Informationen nutzen die Täter zur weiteren Verbreitung des Schadprogramms in nachfolgenden Spam-Kampagnen, so dass die Empfänger fingierte Mails von Absendern erhalten, mit denen sie erst kürzlich in Kontakt standen.

Das BSI rechnet daher künftig mit einer weiteren Zunahme an gut gemachten, automatisierten Social-Engineering-Angriffen dieser Art, die für die Empfänger kaum noch als solche zu identifizieren sind. Diese Methode eignet sich ebenfalls zum Einsatz von hochspezialisierten Spear-Phishing-Angriffen auf besonders hochwertige Ziele.

Virenschutzprogramme erkennen "Emotet" meist nicht

Emotet verfügt zudem über die Möglichkeit, weitere Schadsoftware nachzuladen, sobald es einen Computer infiziert hat. Diese Schadprogramme ermöglichen den Angreifern etwa das Auslesen von Zugangsdaten und vollständigen Remote-Zugriff auf das System. Zuletzt wurde insbesondere der Banking-Trojaner "Trickbot" nachgeladen, der sich u.a. über das Auslesen von Zugangsdaten (Mimikatz) und SMB-Schwachstellen (Eternal Blue/Romance) selbstständig in einem Netzwerk ausbreiten kann. Je nach Netzwerkkonfiguration ist es dabei zu Ausfällen kompletter Unternehmensnetzwerke gekommen.

Die Schadprogramme werden aufgrund ständiger Modifikationen zunächst meist nicht von gängigen Virenschutzprogrammen erkannt und nehmen tiefgreifende Änderungen an infizierten Systemen vor. Bereinigungsversuche bleiben in der Regel erfolglos und bergen die Gefahr, dass Teile der Schadsoftware auf dem System verbleiben. Einmal infizierte Systeme sind daher grundsätzlich als vollständig kompromittiert zu betrachten und müssen neu aufgesetzt werden. In mehreren dem BSI bekannten Fällen hatte dies Produktionsausfälle zur Folge, da ganze Unternehmensnetzwerke vollständig neu aufgebaut werden mussten.

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