Bis zu 2000 Euro fürs Türöffnen : Wegen Abzocke: Google sperrt Werbung von Schlüsseldiensten

Die schwarzen Schafe der Branche verlangen Mondpreise – und kommen vor allem über Google an Kunden.
Die schwarzen Schafe der Branche verlangen Mondpreise – und kommen vor allem über Google an Kunden.

Die dubiosen Anbieter nutzen die Notlage Betroffener aus und verlangen Mondpreise für ihre Arbeit.

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28. Mai 2019, 15:34 Uhr

Hamburg | Laut Verbraucherzentrale Brandburg steckt hinter Webseiten wie schlossauf.de, tuerauf.de oder schlossfritze.de eine bundesweit aktive Bande. Bei Suchanfragen auf Google zu Schlüsselnotdiensten landeten deren Anzeigen und Kontaktdaten dennoch ganz oben, weil sie dafür Geld an Google überwiesen hatten. Das soll sich nun ändern, der Suchmaschinenanbieter hat Werbung dieser Firmen gestoppt. (Weiterlesen: Schlüsseldienst in MV kassiert 1500 Euro ab)

Eine Nachfrage unserer Redaktion, was der Auslöser des Anzeigenstopps war und ob auch weitere Branchen von der Maßnahme betroffen sind, hat Google noch nicht beantwortet.

Google verdient Geld mit bezahlten Anzeigen

Google verdient unter anderen mit bezahlter Werbung Geld. Diese Anzeigen bekommen einen prominenten Platz bei den Suchergebnissen und sind als Anzeige kenntlich gemacht. An welcher Stelle Nutzer nicht bezahlte Suchergebnisse sehen, hängt von mehreren Faktoren ab, darunter Relevanz, Schlagworte auf der Webseite oder Nähe zum Nutzer.

Wie Schlüsseldienste betrügen

Der Ablauf bei der Abzocke ist meist identisch: Wer sich ausgesperrt oder den Schlüssel verloren hat, sucht bei Google nach Schlüsselnotdiensten am Wohnort. Ganz oben in den Suchergebnissen waren bislang die bezahlten Anzeigen von Anbietern zu sehen, die viele positive Bewertungen und eine professionelle Darstellung vorweisen konnten – auf den ersten Blick gute und vertrauensschaffende Eigenschaften. Doch an dieser Stelle begannen der Betrug.

Denn hinter den angeblich lokalen Firmen mit tollen Referenzen stecken all zu oft dubiose Anbieter, die Google dafür bezahlten, damit ihre Anzeigen und Kontaktdaten sehr gut auffindbar waren. Die Bewertungen waren in den meisten Fällen gefälscht und die Telefonnummern leiten auf Handys oder vernetzte Vermittlerzentralen um, die oft weit vom Einsatzort entfernt sind.

Bis zu 2000 Euro pro Einsatz

In gutem Glauben und unter dem Druck der Notsituation ließen Betroffene die Anbieter anrücken. Der Schock kam mit der Rechnung: bis zu 2000 Euro sollten Kunden für den Einsatz zahlen und zwar an Ort und Stelle am liebsten per EC-Karte – seriöse Firmen verlangen zwischen 80 und 240 Euro und stellen auch Rechnungen aus. (Weiterlesen: Rohrreinigung – Vorsicht, Abzocke!)

Die Abzock-Opfer haben es oft schwer, ihr Geld zurück zu bekommen, Strafverfahren gegen Schlüsseldienste wegen Betrugs oder Wucher werden häufig eingestellt. Unter den schwarzen Schafen leiden die seriösen regionalen Firmen, deren Ansehen beschädigt wird.

So schützen Sie sich vor Abzockern

Die Verbraucherzentralen geben Tipps, die Betroffene beim Kontakt mit Schlüsseldiensten beachten sollten:

  1. Bleiben Sie auch in der Notsituation ruhig und vergleichen Sie die Preise
  2. Schildern Sie dem Schlüsseldienst genau, was passiert ist
  3. Vereinbaren Sie vor dem Einsatz einen Festpreis inklusive Anfahrtskosten und Zuschlägen
  4. Definieren Sie, was genau gemacht werden soll, am besten in Anwesenheit von Zeugen
  5. Zuschläge sind nur außerhalb der üblichen Arbeitszeiten erlaubt ; "Sofortzuschläge" oder "Spezialwerkzeugkosten" dagegen nicht
  6. Prüfen Sie immer die Rechnung und zahlen Sie nur, was Sie vereinbart hatten
  7. Verlangen Sie Zahlung per Rechnung, wenn Sie nicht ausreichend Bargeld bei sich haben. Fahren Sie nicht zum nächsten Geldautomaten
  8. Lassen Sie sich nicht nötigen: Wenn der Monteur Druck macht oder sie gar bedroht, rufen Sie die 110 an. Das ist Ihr gutes Recht.
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