Google mit Vorreiterrolle : Was Nutzer über den SMS-Nachfolger RCS wissen müssen

Der SMS-Nachfolger RCS kommt einfach nicht in die Gänge – nun zieht Google das Tempo an.
Der SMS-Nachfolger RCS kommt einfach nicht in die Gänge – nun zieht Google das Tempo an.

Der SMS-Nachfolger RCS steht seit Jahren regungslos in Startlöchern – nun will Google für Bewegung in der Sache sorgen.

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24. Juni 2019, 19:37 Uhr

Berlin | Was ist RCS?

RCS steht für "Rich Communication Services". Dabei handelt es sich um einen Standard für mobile Nachrichten der Mobilfunkindustrie. RCS soll SMS und MMS als Nachrichtenstandard ablösen, es ist also kein neuer Chat-Dienst wie Whatsapp, Telegramm oder iMessage. Nokia hatte die Entwicklung im Jahr 2008 angestoßen, einen Durchbruch hat RCS aber bislang nicht erlebt. Während bei SMS pro Nachricht abgerechnet wird, zählt bei RCS das verbrauchte Datenvolumen. (Weiterlesen: Streicht Facebook bei Instragram die "Likes"?)

Welche Rolle spielt Google bei RCS

Google hat sich zuletzt selbst den Hut aufgesetzt, wenn es um die Verbreitung von RCS geht. Das Unternehmen hat offensichtlich keine Lust mehr, auf die Mobilfunkanbieter zu warten und will den Dienst in Eigenregie zunächst in Frankreich und Großbritannien einführen, weitere Länder sollen folgen. Solange die Netzbetreiber nicht mitziehen, laufen die RCS-Nachrichten über Google-Server. Google will RCS auf allen Android-Smartphones über die vorinstallierte SMS-App "Android Messages" zum Standard machen.

Was sind die Vorteile von RCS?

RCS beherrscht viele Funktionen, die Nutzer von Diensten wie Whatsapp, iMessage, Signal oder Facebook Messenger seit längerer Zeit können. Dazu zählen:

  • Nachrichten ohne Zeichenbegrenzung
  • Nachrichten mit Emojis, GIFs, Sprachnachrichten, Videos, Dateien und Stickern
  • Anzeige für Versand- und Lesezeitpunkt
  • Senden des aktuellen Orts
  • Gruppenchats
  • Videochats

Neben den neuen Funktionen ist die theoretisch einfache Nutzung von RCS ein Vorteil: Weil RCS ein Standard ist, müssen Nutzer keine weitere App installieren oder sich Gedanken darüber machen, ob ein Empfänger die Nachricht überhaupt empfangen kann; während eine Whatsapp-Nachricht nur ankommt, wenn der Empfänger auch Whatsapp benutzt. (Weiterlesen: Werbung bei Whatsapp kommt – So sieht der Messenger bald aus)

Was sind die Nachteile von RCS?

Der größte Nachteil: RCS-Nachrichten sind nicht verschlüsselt, sodass unter anderem Netzbetreiber ohne Aufwand mitlesen können. Google hat allerdings angekündigt, an einer Lösung zu arbeiteten. Unklar ist, was das heißt und wann diese Lösung kommt. Google gibt an, dass die Inhalte direkt von den Google-Serven gelöscht würden, sobald eine Nachricht zugestellt worden ist. RCS ist grundsätzlich abwärts kompatibel, doch wenn eine Nachricht auf einem RCS-unfähigen Geräte ankommt, wird sie als SMS oder MMS zugestellt – und dabei gehen multimediale Inhalte verloren, die diese Standards nicht unterstützen – zum Beispiel GIFs, Stickers oder Dateien. RCS kommt zwar ohne extra App aus, allerdings müssen Betriebssystem des Smartphones und der Mobilfunkanbieter den Standard unterstützen. Bei den deutsche Netzanbietern klappt das noch nicht einheitlich. Vor allem Discount-Anbieter unterstützen RCS nicht.

Wann kommt RCS nach Deutschland?

RCS ist in Deutschland über wenige Apps verfügbar – allerdings dümpelt der Standard auch hierzulande seit Jahren vor sich hin. Zunächst hatten die Mobilfunkanbieter versuchten, den Dienst über die den Markennamen "Joyn" zu verbreiten. Als das nicht klappte, setzten die Anbieter auf eigene Lösung, doch die Telekom, Vodafone und O2 haben die Entwicklung ihrer RCS-App eingestellt. Wann und ob Google RCS 2019 nach Deutschland bringt ist derzeit nicht bekannt.

Wann unterstützt Apple RCS?

Apple hat erstmals Anfang 2019 Interesse an RCS signalisiert. Bislang nutzt die Firma SMS und MMS, wenn iOS-Nutzer Nachrichten an Geräte anderer Hersteller schicken wollen oder gerade keine Datenverbindung besteht. Ein klares Bekenntnis oder gar einen Startzeitraum, wann Apple auf RCS umstellt, gibt es allerdings nicht. (Weiterlesen: Zwölf Tipps für den Alltag mit dem iPhone)

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