Stillstand bei der digitalen Bildung : Nach Schulschließungen: Online-Unterricht überhaupt möglich?

Schüler eines Berliner Gymnasiums arbeiten mit einem iPad.
Schüler eines Berliner Gymnasiums arbeiten mit einem iPad.

Von Ferien soll trotz Schulschließung keine Rede sein. Doch funktioniert der digitale Unterricht überhaupt?

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14. März 2020, 13:11 Uhr

Berlin/München | Die Coronavirus-Pandemie legt in weiten Teilen Deutschlands nun auch den regulären Schulbetrieb lahm. Das wirft die Frage auf, ob der Unterrichtsausfall zumindest teilweise durch digitale Technologien aufgefangen werden kann – etwa durch virtuelle Klassenzimmer. Doch Alternativen sind angesichts des Förderstaus in digitale Bildung bislang rar.

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IT-Kapazitäten müssen ausgebaut werden

"Es sind keine Ferien", stellen Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Freitag klar, als sie die vorübergehende Schließung von Schulen und Universitäten bekanntgeben. Schüler sollen demnach auch im Hinblick auf Abschlussprüfungen keinen Nachteil haben; laut Piazolo wird "sichergestellt", dass sie auch zu Hause "etwas schulisches zu tun haben" und Lernmaterialien erhalten.


In einer E-Mail an alle gut 6000 Schulen des Landes verweist das Kultusministerium auf sein Online-Programm Mebis, mit dem Lehrer und Schüler nicht nur Aufgaben austauschen, sondern auch virtuelle Klassenräume bilden können. Laut Ministerium sind an 5200 Schulen zumindest Nutzer angemeldet, die IT-Kapazitäten würden "mit Hochdruck" ausgebaut, um "den stark gestiegenen Zugriffszahlen" gerecht werden zu können.

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"Da sind wir in vielem aber auch weiter als andere Bundesländer", sagt Piazolo. Tatsächlich sind virtuelle Räume und Austauschmöglichkeiten im Gegensatz zur Unternehmenslandschaft im föderalen Schulsystem längst kein Standard. Konventionelle Online-Netzwerke werden ebenso wie kostenlose Office-Programme für die Heimarbeit derweil nicht zuletzt aus Datenschutzgründen vorsichtig behandelt.

Startup bietet Hilfe an

Das Berliner Startup Sofatutor, das mit seiner Online-Plattform für digitale Nachhilfe nach eigenen Angaben bislang 400.000 Schüler erreicht, will aushelfen: In Halle an der Saale sollen die ebenfalls von Unterrichtsausfall betroffenen Schüler und Lehrer für drei Monate Zugänge erhalten, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, und so beispielsweise Referate vor ihren Mitschülern halten können – von daheim.

Im Hintergrund laufen demnach Gespräche mit Bundestagsabgeordneten, "in denen es darum geht, ob Sofatutor im Falle eines vollständigen Schulausfalls flächendeckend eingesetzt werden soll".

Kritik an technologischer Ausstattung vieler Schulen

Es wäre ein Ansatz, mehr nicht. Notdürftiges Lernen und Austausch über Onlineportale auf dem privaten Laptop, falls vorhanden, scheint allein nicht nachhaltig. Forscher bemängeln nach wie vor die Medienkompetenz vieler Schüler und vor allem die technologische Ausstattung der Schulen.

Die vor knapp einem Jahr bereitgestellten Milliardenhilfen des Digitalpakts für die Digitalisierung von Schulen wurden "bislang erst zum Bruchteil abgerufen", kritisiert auch der Digitalverband Bitkom unter Berufung auf eine Befragung der zuständigen Bundesländer. Demnach wurden bislang in zwölf Ländern Förderanträge bewilligt. In Hessen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein "steht das noch aus", ebenso wie im Saarland, wo nun ebenfalls vorübergehend alle Schulen geschlossen werden.

Deutsche Schulen sind Nachzügler

Die entsprechenden Förderanträge müssen von den Schulträgern gestellt werden, die ihrerseits einheitliche Konzepte und unbürokratische Hilfe seitens der Landesbehörden vermissen. Auch Schulleiter, Lehrer und Eltern ringen vielerorts weiter um die richtige Strategie – die am Ende den Schülern in Form von Schullaptops und geschützter Software in einer Sondersituation wie dieser helfen könnte.

"In der aktuellen Corona-Krise zeigt sich, wie sehr digitale Technologien dabei helfen können, den Betrieb von Schulen, Behörden und Unternehmen auch in außerordentlichen Situationen aufrechtzuerhalten", erklärt Bitkom. "Dabei gehören die allermeisten deutschen Schulen nicht zu den Vorreitern, sondern zu den Nachzüglern in Sachen digitale Bildung, und das müssen wir schnellstmöglich ändern."

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