Schleichwerbe-Skandal : North Face tauschte Wikipedia-Bilder mit Werbefotos aus – Boykottaufrufe

Mit einem Trick schaffte es Bilder wie dieses der Firma North Face ganz oben in die Google-Ergebnisse.
Mit einem Trick schaffte es Bilder wie dieses der Firma North Face ganz oben in die Google-Ergebnisse.

Um in der Google-Suche ganz oben zu erscheinen, hat das Unternehmen die Struktur der Plattform Wikipedia ausgenutzt.

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31. Mai 2019, 17:00 Uhr

Hamburg | Wer einen Camping-Trip oder einen Wanderurlaub plant, googelt oft vorher das Reiseziel – und klickt meist auf eines der oberen Fotos in der Google-Bildersuche. An diese prominente Position wollte North Face, der US-amerikanische Spezialist für Outdoor-Kleidung, seine Werbung platzieren. Möglich war das aber offenbar nur als Schleichwerbung. Die Aktion flog auf und das Unternehmen erntet nun harsche Kritik und sogar Boykottaufrufe.

Wie hat es North Face geschafft, Produktwerbung ganz oben in den Google-Ergebnissen zu platzieren? In einem Video erklärt das Unternehmen, wie es vorgegangen ist. Demnach hat das beauftragte Werbeunternehmen das grundlegende Prinzip der Online-Enzyklopädie Wikipedia ausgenutzt: Die gemeinnützige Plattform wird von Autorenkollektiven bestückt, Textstellen und Fotos können deshalb leicht abgeändert werden.

Model mit North-Face-Jacke auf Klippe

Die brasilianische Werbeagentur "Leo Burnett Tailor Made" ersetzte also Wikipedia-Fotos verschiedener Reiseziele mit eigens angefertigten Werbefotos von den Orten. Im Vordergrund war stets ein Model in North-Face-Jacke oder ein Zelt mit dem Logo zu sehen.

Zu den so manipulierten Google-Ergebnissen gehörten Fotos vom Guarita State Park in Brasilien, den Cuillin Hills in Schottland oder dem Berg Huayna Picchu in Peru.

Als den Wikipedia-Betreibern die Schleichwerbung auffiel, äußerten sie sich "enttäuscht" auf Twitter und in einem Blogpost.

Wikipedia wirft North Face vor, den Coup nicht abgesprochen und damit "öffentliches Eigentum verunstaltet" zu haben.

Was North Face und Leo Burnett getan haben, war nicht clever oder beeindruckend – sondern doppelzüngig. Sie haben die Offenheit von Wikipedia ausgenutzt und dabei gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen. William Beutler, Werber und Wikipedia-Autor, zu "Ad Age"

North Face bat daraufhin um Entschuldigung, versprach die Kampagne zu beenden und seine Mitarbeiter stärker über die Richtlinien von Webseiten aufzuklären.

Auf Twitter reagierten viele Nutzer empört, sie rufen zum Boykott der Marke auf oder fordern eine Millionenspende von North Face an Wikipedia.

Es gibt aber auch Stimmen, die darauf hinweisen, dass es auch Unternehmen frei steht, lizenzfreie Fotos auf Wikipedia zu veröffentlichen. Der eigentliche Skandal sei, dass bei Wikipedia vorher niemand prüfe, ob die Bilder in Wahrheit Schleichwerbung sind. So oder so ist der Aufschrei groß – der Werbeeffekt für North Face dadurch auch.

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