Witziger Einstand bei TikTok : Jan Hofer spielt mit seiner Krawatte – Tagesschau entert Teenie-App

Tagesschau-Chefsprecher Jan Hofer feierte kürzlich den Millionsten Instagram-Fan der Sendung mit einem Selfie im Studio.
Tagesschau-Chefsprecher Jan Hofer feierte kürzlich den Millionsten Instagram-Fan der Sendung mit einem Selfie im Studio.

Auf Instagram hat die "Tagesschau" über eine Million Follower – nun mischt sie auch bei der Kurzvideo-App TikTok mit.

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20. November 2019, 15:21 Uhr

Berlin | Die altehrwürdige ARD-"Tagesschau" wagt sich in die Teenager-Welt der angesagten App TikTok: Am Mittwoch ging ihr erstes TikTok-Video online – mit Sprecher Jan Hofer, der sich per Knopfdruck eine Krawatte in der richtigen Farbe aussucht.

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"Wir sind jetzt auch hier. Was zieht man hier so an?" fragt die @tagesschau. Rund 3000 Follower hat der Kanal schon kurz nach dem Start. "Infos, Erklärvideos und exklusives Behind-the-Scenes-Material" werden in der Selbstbeschreibung angekündigt. Auch auf Instagram teilte die Redaktion den Post:

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Neben der Tagesschau haben auch schon andere Medien die Teenie-App betreten. Manche Fernsehsender zeigen Interviewschnipsel aus ihrem Programm. Die US-Zeitung Washington Post ist unter den Medien eine Art Vorreiter. Sie hat sogar extra einen Mitarbeiter eingestellt, der täglich mindestens einen TikTok-Post produziert. In den Videos bekommen die rund 250.000 Follower Einblicke in die Redaktion der @washingtonpost.

TikTok – eine boomende, aber auch umstrittene App

Die Kurzvideo-Plattform TikTok ist eine der derzeit erfolgreichsten Apps bei Teenagern. Verwendet wird sie auf der ganzen Welt, in 175 verschiedenen Sprachen. "Wir sind die führende Plattform für mobile Kurzvideos", sagte Managerin Charlott Buchholz auf einer TikTok-Veranstaltung in Berlin. Insgesamt wurde das Programm weltweit mehr als eine Milliarde Mal heruntergeladen. Zum Vergleich: Facebook nutzen 2,7 Milliarden Menschen weltweit. Schätzungsweise 8,8 Millionen Deutsche nutzten im Februar die App. Experten zufolge verbrachten die Nutzer – der Großteil ist weiblich – dort im Schnitt täglich 50 Minuten.

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TikTok gehört zum chinesischen Technologieunternehmen Bytedance. Immer wieder wurden Bedenken laut, dass politische Inhalte gefiltert werden. Zuletzt war die App kritisiert worden, weil dort kaum Aufnahmen der Proteste in Hongkong zu sehen gewesen seien. Die Firma wies den Vorwurf einer Zensur indes zurück.

Ein weiterer Vorwurf lautet, minderjährige Nutzer würden auf TikTok nicht ausreichend geschützt. So verhängte eine US-Bundesbehörde eine Millionenstrafe, weil über die App verbotenerweise persönliche Informationen von Kindern gesammelt wurden. Und in Indien wurde die App kurzzeitig gesperrt, um Kinder vor Pornografie zu schützen. Sie wurde wieder freigegeben, als Bytedance versicherte, die Sicherheitsstandards zu erhöhen.

Inhalte auf TikTok: Von der Lippensynchronisation zur Comedy

Einige der Stars in der Welt der Mini-Hochkant-Videos sind aus der Musikwelt oder von anderen Plattformen bekannt, etwa der Popsänger Lukas Rieger oder die Youtuber Julien Bam und Rezo. Andere wie die 17-Jährige Dalia Mya aus Berlin sind über TikTok berühmt geworden. "Da kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen", schildert sie den Reiz. Jeden Tag gebe es in der Datenbank neue Lieder und Videos, auf die sie mit eigenen Videos reagieren könne. Oft verbreiten sich diese Ideen dann wie ein Lauffeuer.

Mit TikTok können Nutzer kurze Handyvideos zu Musik oder zu anderen Videos erstellen. Andere können dazu kommentieren, Herzen verteilen oder anderweitig reagieren. Auch private Nachrichten sind möglich. Foto: dpa/Jens Kalaene
Mit TikTok können Nutzer kurze Handyvideos zu Musik oder zu anderen Videos erstellen. Andere können dazu kommentieren, Herzen verteilen oder anderweitig reagieren. Auch private Nachrichten sind möglich. Foto: dpa/Jens Kalaene

Mehr als drei Millionen Menschen folgen Dalia Mya auf TikTok – und sehen so, wie sie buntes Farbpulver in die Luft wirft, wie sie im Bikini im Pool herumplantscht oder wie sie in einem Mini-Sketch auf eine Schulnote reagiert. Zu Beginn hätten viele Videos daraus bestanden, einfach die Lippen zu bekannten Liedern zu bewegen, sagt sie. "Nun ist es mehr Comedy, mehr coolere Videos."

Sehr junger Altersschnitt der TikTok-Nutzer

Die meisten Nutzerinnen und Nutzer, schätzt Dalia Mya, sind etwas jünger als sie, also 14 oder 15 Jahre alt. Jugendschutz-Initiativen sprechen von einer ähnlichen oder sogar noch jüngeren Nutzergruppe. Die zwölfjährige Holly, die auch auf TikTok unterwegs ist, erzählt von einer Erfahrung: "Es gibt so eine 30-Jährige, die nennt sich auf TikTok "Frau Mutter", und als ich sie sah, dachte ich: Sie ist zu alt, um auf TikTok zu sein. Bitte geh! Das wirkt nur gezwungen."

Erlaubt ist TikTok eigentlich erst ab 13 Jahren, und bis 18 Jahren nur mit Einverständnis der Eltern. Doch wer die App nur zum Anschauen nutzt, wird gar nicht nach dem Alter gefragt. Und wer sich anmeldet, um selbst Videos zu veröffentlichen, muss zwar ein Alter angeben – aber das wird nicht überprüft. Holly ist auf TikTok 2003 geboren. Sie habe dort noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, sagt sie. Aber das liege wohl auch daran, dass sie auf TikTok nicht so bekannt sei.

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Tipp für Eltern: Regelmäßig Kontoeinstellungen überprüfen

Von der Foto-App Instagram weiß Holly, was passieren kann: Dass etwa Männer ihr unerwünschte Nachrichten schreiben. Denn wie auch Instagram hat TikTok alle Möglichkeiten sozialer Medien, man kann also jemandem eine private Nachricht senden, Herzchen verteilen oder unter einem Video einen Kommentar hinterlassen. Das lässt sich zwar über die Kontoeinstellungen einschränken. Aber zu Beginn steht ein Konto immer auf öffentlich.

Deswegen appelliert Deborah Woldemichael von der EU-Initiative klicksafe.de an die Eltern: "Wenn sie die Nutzung erlauben, dann sollten sie diese begleiten, und ihre Kinder unterstützen, wenn es Probleme gibt." Zum Beispiel sollten Eltern die Kontoeinstellungen zusammen mit den Kindern durchgehen und auch regelmäßig überprüfen. Und nachhorchen: "Wem folgt mein Kind? Gibt es Stress über TikTok?"

Bytedance selbst betonte gerade verstärkt, dass sie sich um den Schutz der Jugend kümmern. In Berlin wurde dafür Anfang des Jahres ein Moderationsteam gegründet, das 24 Stunden am Tag fragliche Inhalte betrachtet. Außerdem kann jeder Nutzer blöde Kommentare, Videos oder Profile melden. Und dann gibt es noch eine Technologie, die unpassende Inhalte erkennen soll. Daraufhin seien aus Versehen auch einige Videos von TikTok-Müttern mit ihren Kindern gesperrt worden, erzählt TikTok-Pressesprecherin Gudrun Herrmann. "So eine Technologie ist mäßig schlau."

Weiterlesen: Inhaltsleerer geht kaum: Mit dieser App verdaddelt Ihr Kind seine Zeit

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