Test in Deutschland : Instagram nun ohne "Likes" – Was das für Nutzer und "Influencer" bedeutet

Instagram bald ganz ohne 'Likes'? Dazu läuft nun auch in Deutschland ein Test.
Instagram bald ganz ohne "Likes"? Dazu läuft nun auch in Deutschland ein Test.

Instagram streicht in Deutschland die "Like"-Funktion – zunächst als Test. Jugendschützer wird der Schritt freuen.

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15. November 2019, 09:30 Uhr

Menlo Park | Instagram ohne "Likes" – worum geht es?

Was bei Facebook das "Gefällt mir" ist, ist im sozialen Netzwerk Instagram ein Herz, auch "Like" genannt. Es ist eine Art Währung. Für die meisten Nutzer gilt: Je mehr Herzen ein Beitrag bekommt, desto besser. Außerdem entscheidet die Zahl der "Likes" mit darüber, welche Beiträge die Nutzer sehen. Wie viel "Likes" ein Beitrag bekommen hat, ist bisher öffentlich und für jeden einsehbar – doch das dürfte sich ändern.


Facebook weitet den Test einer Instagram-Version aus, in der andere Nutzer nicht mehr sehen, wie viele "Likes" ein Bild oder Video bekommen hat. Einzig der Autor des Beitrags kann das noch einsehen. Das hatte das Unternehmen zunächst unter anderem in Australien, Brasilien und Kanada ausprobiert und dabei offensichtlich gute Erfahrungen gesammelt. Unklar ist, wie viele Nutzer in Deutschland Teil des Tests bei den Instagram-Likes sein werden. (Weiterlesen: Werbung bei Whatsapp kommt: So sieht der Messenger bald aus)

Warum will Facebook ein Instagram ohne "Likes"?

Zunächst ist es nichts Ungewöhnliches, dass Unternehmen Änderungen an ihren Produkten vornehmen, neue Funktionen testen und Altbekanntes streichen. Instagram-Chef Adam Mosseri sagte, die Plattform solle sich nicht "wie ein Wettbewerb" anfühlen. Man wolle den Inhalt in den Fokus stellen, nicht den Zuspruch anderer. Tatsächlich will Facebook vor allem seinen durch Skandale stark beschädigten Ruf aufpolieren, indem der Konzern ein Problem angeht, dass das "Like"-System geschaffen hat: Die Sucht nach Bestätigung.

Wer unterstützt ein Instagram ohne "Likes"?

Besonders Forscher und Jugendschützer. Laut einer Studie der britischen "Royal Society for Public Health" ist Instagram die schädlichste Plattform für die psychische Gesundheit junger Menschen. Sie könne am stärksten Depressionen und Angstzustände auslösen, auch Cybermobbing sei dort ein starkes Thema, so die Forscher. Hintergrund: Das Gehirn schüttet das sogenannte Glückshormon Dopamin aus, wenn Nutzer "Likes" in sozialen Netzwerken bekommen. Dieses Hoch verfliegt jedoch schnell und erzeugt Druck – vor allem bei jüngeren Nutzern. Dann funktioniert das "Like" nicht mehr als freundlicher Zuspruch, sondern als Maßstab des eigenen Erfolgs und letztlich des Selbstwerts. (Weiterlesen: Heimlich Whatsapp-Nachrichten lesen ohne blaue Haken – So geht's)

Wer ist gegen ein Instagram ohne "Likes"?

Neben der Zahl der "Follower", also der Abonnenten, sind "Likes" besonders für sogenannte "Influencer" und Unternehmen die Währung auf Instagram – ob nun berechtigterweise oder nicht. Erfolge und Misserfolge sind ohne öffentliche "Likes" nicht mehr direkt erkennbar. Die Wirkung von Beiträgen muss besser und in Eigenregie dokumentiert werden – in Summe also mehr Aufwand und weniger Außenwirkung.

Was bringt ein Instagram ohne "Likes"?

Das ist unklar. Da Nutzer den Erfolg ihrer Beiträge weiterhin sehen, bleibt auch ein gewisser Erfolgsdruck, den sich vor allem junge Menschen auf Instagram machen. Immerhin fällt durch den öffentlich einsehbaren Zuspruch der Vergleich mit anderen Beiträgen weg. Doch wenn die "Likes" öffentlich abgewertet werden, können Kommentare oder Anzahl der "Follower" wichtiger werden; und dann droht die Gefahr, dass immer mehr Nutzer und Firmen "Follower" für Geld kaufen. Denn für viele Menschen und Unternehmen sind die sozialen Netzwerke eben doch ein Wettkampf.

Fallen die "Likes" auch auf anderen Plattformen weg?

Gut möglich. Auch auf den Seiten des Instagram-Mutterkonzerns Facebook könnte die "Gefällt mir"-Funktion wegfallen, stellte das Unternehmen in Aussicht. Twitter testet derzeit die Proto­typ-App "twttr", in der "Likes" und "Retweets" ausgeblendet sind. Bei Youtube werden seit August 2019 die Abonnentenzahlen eines Kanals nur noch gerundet angezeigt – eine Entscheidung, für die es promt Kritik von Nutzern und Influencern gab.

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