Ab Freitag in Berlin : IFA-Vorschau: Neue Smartphones, 8K-Fernseher und mitdenkende Kühlschränke

Das Samsung Galaxy ging bei Testern sofort kaputt – auf der IFA 2019 will der Hersteller eine funktionierende Version zeigen.
Das Samsung Galaxy ging bei Testern sofort kaputt – auf der IFA 2019 will der Hersteller eine funktionierende Version zeigen.

Auf der IFA 2019 geht es ab Freitag unter anderem um Haushaltsgeräte, die von ihren Besitzern lernen. Ein Ausblick.

von
04. September 2019, 05:49 Uhr

Berlin | Vom 6. bis zum 11. September läuft die Elektronikmesse IFA in Berlin. Einige Hersteller haben bereits erste Neuheiten verraten, bei anderen darf noch spekuliert werden.

Neue Chance nach Samsungs Falt-Debakel?

Eigentlich sollte Samsungs faltbares Smartphone Galaxy Fold längst auf dem Markt sein – wäre es nicht bei ersten Tests binnen 24 Stunden kaputtgegangen. Der Hersteller musste den Verkaufsstart kippen, bei der IFA könnte das Gerät erneut der Öffentlichkeit präsentiert werden. Ähnliches gilt für das Falt-Smartphone Huawei Mate X, das eigentlich schon im Sommer erscheinen sollte, nun aber nicht vor November auf den Markt kommt.

Während andere Hersteller immer öfter auf eigene Veranstaltung setzen, um neue Geräte zu zeigen, bleibt Sony der IFA wohl treu und wird sein neues Flaggschiff Xperia 2 mit besonders langem Bildschirm in Berlin vorstellen. Nokia wird wohl ein Smartphone mit 48-Megapixel-Kamera parat haben. Hersteller LG wird auf der IFA möglicherweise ein Gerät mit doppeltem Bildschirm vorstellen – einen kleinen Vorgeschmack darauf gibt ein Video:


Nur der schlaue Fernseher wird Erfolg haben

Die TV-Hersteller werden außerdem weitere 8K-Fernseher zeigen. Das war bereits 2018 der Fall, doch damals waren sie noch sehr teuer; das könnte sich langsam ändern. Die Geräte – und das gilt für Herd oder Waschmaschine ebenso wie für den Fernseher – werden immer mehr in der Lage sein, ihren Nutzer besser zu verstehen und mit ihm zu interagieren. Mike Henkelmann, Managing Director TV bei Samsung, sagte, dass künftig nicht die verbaute Technik über den Erfolg eines Fernsehers entscheide, sondern dessen Intelligenz.

Neue TVs mit 8K-Auflösung, wie der LG 88Z9 mit 88 Zoll, werden auf der IFA zu sehen sein. Foto: dpa/LG
dpa/LG
Neue TVs mit 8K-Auflösung, wie der LG 88Z9 mit 88 Zoll, werden auf der IFA zu sehen sein. Foto: dpa/LG


Grundlage dafür ist ein großer Datensatz, den die Geräte ständig durchforsten. So sind sie in der Lage, ihre Handlungen stets an die aktuelle Situation anzupassen; sie optimieren sich selbst. Das bedeutet: Je länger man die Geräte betreibt und ihnen Gelegenheit gibt, das Nutzungsverhalten ihrer Besitzer zu analysieren, desto schlauer werden sie. Das wird bei modernen Fernsehern zum Beispiel schon angewendet, nun folgen die ersten Hausgeräte.

Ofen merkt sich Kochverhalten

Hausgeräte sollen immer sparsamer, sauberer und schneller arbeiten. Das geht mit künstlicher Intelligenz, die vom Menschen lernt. Bosch wird auf der Messe IFA erstmals Backofen mit künstlicher Intelligenz vorstellen.Thomas Salditt, Leiter der Abteilung Digital Business Enabling bei Bosch Siemens Hausgeräte, sagte: "Wenn Sie den Ofen mit ihrem Backhendl immer zum selben Zeitpunkt ausmachen, wird das Gerät das sehr schnell lernen."

Die Öfen der Serie 8 mit "Home Connect" werden dann immer zum gleichen Zeitpunkt die Garzeit für das Backhähnchen beenden – denn so mag es der Nutzer offenbar am liebsten. Den richtigen Zeitpunkt registrieren Brat- oder Backsensoren, die das Gericht im Ofen im Blick behalten. Wie schnell der Ofen lernt, sei auch von seinem Nutzer abhängig, sagte Salditt: "Aber ein paar Mal werden Sie schon kochen müssen."

Ohne Cloud wird nicht gelernt

Das impliziert aber auch, dass man die Geräte mit Daten anfüttern und die erfassten Messwerte kontinuierlich per App ins Netz geben muss – denn das eigentliche Hirn der KI sitzt nicht im Gerät selbst. "Wenn Sie ihr Gerät einfach nicht verbinden, kann es keine Daten aus der Cloud ziehen und nicht lernen", sagte Salditt. Bis 2020 will Bosch alle smarten Serie-8-Öfen der Kollektion "accent line", die bestimmte Gar-Sensoren an Bord haben, zusätzlich um KI erweitern.

Licht an, wenn der Koch kommt

Selbstständiger dank Sensoren agieren auch die neuen Backöfen der Generation 7000 von Miele. Sie verständigen ihren Besitzer nicht nur mit einem Signalton, wenn der Garzeitpunkt erreicht ist, der Ofen erwartet dann auch seine Reaktion: Eilt der Koch herbei, beendet der Ofen den Alarm und schaltet die Beleuchtung im Garraum ein.

Die neuen Backöfen der Generation 7000 von Miele registrieren den herbeieilenden Koch. Foto: dpa/Miele
dpa/Miele
Die neuen Backöfen der Generation 7000 von Miele registrieren den herbeieilenden Koch. Foto: dpa/Miele


Möglich ist das dank Infrarotsensoren in der Geräteblende, die auf Bewegungen 20 bis 40 Zentimeter vor dem Gerät reagieren. Die Funktion "Motion React" gibt es auch für Dampfgarer, Kaffeevollautomaten und Geschirrspüler.

KI soll Komfort und Sparsamkeit bringen

Schlaue Geräte sollen in erster Linie den Komfort erhöhen. Ideen, wie das in naher Zukunft aussehen kann, gibt es in der Branche ausreichend. "Der Saugroboter weiß, in welchem Raum Sie typischerweise wann sind, und saugt dann, wenn Sie nicht da sind", nennt Bosch-Mann Salditt ein Beispiel.

Auch das soll möglich sein: Trinkt der Bewohner nachts gerne noch Milch, denkt der Kühlschrank mit der Zeit mit. Er kühlt sich kurz vor dem üblichen Trink-Zeitpunkt noch einmal herunter, damit die Milch angenehm kalt ist. KI bietet bei vielen Geräten darüber hinaus die Option, Betriebskosten einzusparen. Beim Beispiel Kühlschrank heißt das: Das Gerät weiß aus Erfahrung, dass der Nutzer nach dem Glas Milch schläft und bis zum Morgen die Tür nicht mehr öffnen wird. Er kann also die Kühlung einschränken und Strom sparen. Oder der Saugroboter arbeitet effizienter, weil er Wege schlauer berechnet.

Geräte arbeiten zusammen

Doch auch bei Hausgeräten ohne KI tut sich viel in Sachen Intelligenz und Nutzerfreundlichkeit. Die Ansatzpunkte der Hersteller sind vielfältig. Aktuell fallen vor allem Funktionen auf, mit denen bisher getrennt agierende Geräte nun abgestimmt zusammenarbeiten. So verbindet AEG seine Waschmaschine und den Trockner der 9000er Serie über eine App: Arbeitsschritte und Einstellungen werden synchronisiert.

AEG verbindet seine Waschmaschine und den Trockner über eine App. Foto: dpa/AEG
dpa/AEG
AEG verbindet seine Waschmaschine und den Trockner über eine App. Foto: dpa/AEG


Bei Siemens arbeitet eine bestimmtes Kochfeld der Serie iQ700 mit einer smarten Dunstabzugshaube des Herstellers zusammen, so dass immer in passender Stärke abgesaugt wird. Ein integrierter Luftgütesensor registriert dafür die aufsteigende Dunstmenge.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen