Videospiel-Simulation vs. Realität : Kann Fifa 19 den nächsten Champions-League-Sieger voraussagen?

Kevin de Bruyne zählt zu den besten Spielern in Fifa 19 und in der realen Fußballwelt. Foto: EA Sports/imago/PA images
Kevin de Bruyne zählt zu den besten Spielern in Fifa 19 und in der realen Fußballwelt. Foto: EA Sports/imago/PA images

Experten bestimmten Jahr für Jahr die Spieler- und Vereinswerte in Fifa. Können die Fachleute die Zukunft vorhersagen?

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08. Oktober 2018, 18:44 Uhr

Hamburg | Seit mittlerweile 26 Jahren gibt es die Fifa-Reihe. Das Videospiel gehört neben Pro Evolution Soccer zu den beliebtesten Fußballsimulationen. Gerade erst ist die neue Version Fifa 19 von EA Sports auf den Markt gekommen. Im Test unserer Redaktion schlägt sich das Spiel sehr gut. Aber was passiert, wenn man die Werte des Videospiels Fifa in die Realität überträgt? Kann ein Spiel vorhersagen, wer die Champions League gewinnt oder wer der nächste Lionel Messi wird? Zusammen mit Phillip Wilke vom Sport-Portal "ChuckNoRisk" haben wir Fifa auf seine Orakelfähigkeiten untersucht und Erstaunliches festgestellt.

Wie funktioniert die Spielerbewertung bei Fifa?

Der Boss der Datenbank des Videospiels Fifa ist der Kölner Michael Müller-Möhring. Er und sein Team aus 13 Spezialisten bestimmen die Bewertungen der virtuellen Kicker. Dazu kommen rund 9000 ehrenamtliche Datensammler aus der ganzen Welt. Die Scouts sichten eigenständig Spiele und werten Daten aus. So werden jedem Spieler 35 Attribute zugeordnet. Aus diesen Werten ergeben sich die Gesamtstärken der Spieler. Da sich manche Fähigkeiten aber nicht durch die festgelegten Attribute abbilden lassen, bekommen Spieler hin und wieder auch eine manuelle Aufwertung. Außerdem werden sie mit Sonderfähigkeiten wie Knipser oder Akrobat versehen. So entsteht das sogenannte Fifa-Rating.

Das sind die besten Fifa-Spieler der vergangenen elf Jahre auf ihren jeweiligen Positionen. Grafik: ChuckNoRisk
Grafik: ChuckNoRisk
Das sind die besten Fifa-Spieler der vergangenen elf Jahre auf ihren jeweiligen Positionen. Grafik: ChuckNoRisk

Die Ermittlung der Spielerdaten ist über die Jahre immer ausgeklügelter geworden. "Früher, als wir noch nicht die Möglichkeit hatten, die Gesamtstärke zu bearbeiten, musste man die Attribute etwas hocheditierten, damit das Overall-Rating besser wird“, erzählte Müller-Möhring auf sportbuzzer.de. Zudem seien das korrekte Verhältnis innerhalb einer Mannschaft und die Stärke der Liga zu beachten. Daneben schätzen Müller-Möhring und sein Team auch Entwicklungspotenziale von Spielern ein. Fast so wie die Scouting-Abteilungen der Bundesligisten.

Wie gut stimmen die Werte mit der Realität überein?

Die Scouts von EA bewerten jedes Jahr aufs Neue Stars und Jungtalente. Insgesamt werden 18.000 Spieler und damit 700 Vereine bewertet. 5,4 Millionen Daten stehen dafür zur Verfügung.

Kann FIFA den Champions League-Sieger vorhersagen?

Zur Klärung dieser Frage haben wir uns die Top-50-Spieler der Fußballsimulation angeguckt und nach Vereinen sortiert. Die einfache Rechnung in diesem Fall: Der Verein mit den besten Spielern gewinnt den Champions-League-Pokal.

In den Jahren 2010 bis 2018 erreichten die Vereine mit den meisten Top-Spielern ausnahmslos das Halbfinale. Grafik: ChuckNoRisk
Grafik: ChuckNoRisk
In den Jahren 2010 bis 2018 erreichten die Vereine mit den meisten Top-Spielern ausnahmslos das Halbfinale. Grafik: ChuckNoRisk

Die Analyse der Daten zeigt zwar, das Fifa den Sieger der Champions League nicht vorhersagen kann, dafür aber einen der vier Halbfinalisten. In diesem Jahr sollten wettaffine Fußballfans demnach auf den FC Barcelona setzen. Blickt man auf die Entwicklung der letzten Jahre, ist die Dominanz der Bayern von 2015 bis 2018 erstaunlich. In dieser Zeit hatte der deutsche Verein die meisten Spieler der FIFA-Top50 unter Vertrag.

Kann Fifa den nächsten Messi vorhersagen?

Spannend ist auch der Blick in die Zukunft. In der Spielsimulation von EA werden jedem Spieler für den Karrieremodus Potenziale zugeordnet. Diese sollen die mögliche erreichbare Stärke des Spielers darstellen. Neben der aktuellen Stärke erhalten alle Spieler also eine potenzielle Stärke. Diese liegen bei älteren Profis meisten nah beisammen. Die beiden über 30-jährigen Stars Messi und Ronaldo haben laut FIFA 19 beispielsweise ihren Karrierehöhepunkt schon erreicht – ihr Rating dürfte demnach in kommenden Spielen nicht mehr über dem bisher erreichten Spitzenwert liegen. Die beiden jüngeren Profis Kylian Mbappe oder Mailands Torhüter Gianluigi Donnarumma haben hingegen laut Fifa das Potenzial, einmal zu den besten Spielern der Welt zu gehören.

Diese Spieler aus Fifa 19 haben laut den Scouts von EA Sports das Potenzial, einmal zu den besten Spielern der Welt zu gehören. Grafik: ChuckNoRisk
Grafik: ChuckNoRisk
Diese Spieler aus Fifa 19 haben laut den Scouts von EA Sports das Potenzial, einmal zu den besten Spielern der Welt zu gehören. Grafik: ChuckNoRisk

Um die Prognosen der Kölner Scouting-Abteilung mit der Realität abzugleichen, wurden die Spieler mit den besten 50 Potenzialen und deren Potenzialschnitt mit dem Schnitt der Spielerwerte drei Jahre später verglichen. Der Top-50-Potenzialschnitt aus Fifa 07 wurde also mit dem Spielerstärke-Schnitt der Top 50 aus Fifa 10 verglichen und so weiter. Dabei fällt auf, dass die Scouts von Fifa immer näher an ihre eigenen Vorhersagen herankommen. Lagen die Vorhersagen von Fifa 07 im Schnitt noch 6,74 Punkte unterhalb der Fifa-10-Werte wurden die Vorhersagen aus Fifa 16 in Fifa 19 fast exakt erfüllt. Nur 0,18 Punkte lagen die Fifa-Scouts daneben. Besser war es nur im vorangegangenen Jahr. Zwischen den Potenzialen von Fifa 15 und den Werten von Fifa 18 lag die Differenz bei 0,14 Punkten.

Die Vorhersagen der Fifa-Scouts von EA haben sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. Grafik: ChuckNoRisk
Grafik: ChuckNoRisk
Die Vorhersagen der Fifa-Scouts von EA haben sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. Grafik: ChuckNoRisk

Natürlich lässt sich nach einem Blick auf die Daten des Videospiels keine 100-prozentige Vorhersage für den nächsten Fußball-Weltstar machen. Die Grafik zeigt aber, dass die Fifa-Scouts immer besser bei ihrer Prognose geworden sind. Dazu wurden die Spieler unter 22 Jahren analysiert, die in den Spielen Fifa 07 bis 09 eine Potenzialbewertung von mindestens 90 erhalten haben. Anschließend wurde überprüft, welche Höchstbewertung die Spieler anschließend in ihrer Karriere erreicht haben.

Auch hier lässt sich eine positive Tendenz erkennen. Lagen die Fifa-07-Potenziale im Schnitt noch 8,3 Punkte von den späteren Höchstwerten entfernt, waren es im Jahr darauf nur noch 6 Punkte. Bei FIFA 09 konnte der gemittelte Fehler bereits auf 5,7 Punkte reduziert werden. Bei den exakten Vorhersagen ist allerdings keine positive Entwicklung zu erkennen. Insgesamt erreichten in den genannten Jahren 11 Prozent der Spieler ihr prognostiziertes Potenzial, immerhin 15 Prozent erhielten in ihrer Karriere mindestens einen Spielerwert über 90 Punkten. Von den oben in der Grafik angezeigten acht Spielern sollte es also einer tatsächlich schaffen, in die absolute Weltspitze vorzudringen.

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