Nach Anschlägen in USA im Fokus : Sammelbecken für Rechtsextreme: Das steckt hinter der "Hasskloake" 8Chan

Die Internetplattform 8Chan ist ein Tummelplatz für Hass, Rassismus und Hetze.
Die Internetplattform 8Chan ist ein Tummelplatz für Hass, Rassismus und Hetze.

Der Täter von El Paso stellte ein rassistisches Manifest bei 8Chan online. Das steckt hinter dem umstrittenen Forum.

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07. August 2019, 11:15 Uhr

Hamburg/San Francisco | Die Menschen in den Vereinigten Staaten von Amerika stehen nach den Anschlägen von El Paso und Dayton noch immer unter Schock – daran wird auch der Besuch von US-Präsident Donald Trump am Mittwoch nichts ändern. Denn willkommen ist er dort nicht. Viele US-Bürger machen Trump mitverantwortlich für die jüngste Gewaltexzesse. Seine Rhetorik schüre Ressentiments und Hass. Trump selbst hat in unzähligen Tweets von einer Invasion durch Einwanderer aus hispanischen Staaten gesprochen. Die gleichen Worte nutzte auch der mutmaßliche Täter von El Paso in einem ihm zugeschriebenen Manifest. Er veröffentlichte es bei der umstrittenen Plattform 8Chan.

Was steckt hinter dem Online-Forum 8Chan?

Nach den jüngsten Anschlägen in den USA ist das Online-Forum 8Chan (die "8" steht für das Unendlichkeits-Symbol, gesprochen wird es "Infinite-Chan") ins Visier geraten. Gründer Fredrick Brennan setzte 8Chan 2013 als eine Neuauflage des zuvor ebenso ungezügelten Online-Forums 4Chan fort, das damals erste Grenzen für Inhalte einzog. Ihm schwebte eine Plattform vor, wo jegliche – legale – Ansichten willkommen wären, unabhängig davon, wie "toxisch" sie wären, sagte Brennan der "New York Times". Dementsprechend wurde einer der Grundsätze von 8Chan, dass die Betreiber die von Nutzern geposteten Inhalte nicht kontrollieren oder löschen. Das lockt unter anderem Rassisten auf die Plattform. (Weiterlesen: Nach Bluttaten: US-Fußballer setzt deutliches Zeichen beim Torjubel)

Am Ende wurde 8Chan zum Sammelbecken für Ansichten, für die man bei anderen Plattformen verbannt wird: Hass, Hetze, Rassismus, Antisemitismus, Schwulenfeindlichkeit. Brennan gab die Kontrolle über 8Chan bereits 2015 auf und distanzierte sich davon.

Macht die Website dicht. Sie bringt der Welt nichts Gutes. Fredrik Brennan, Gründer 8Chan

2015 wurde 8Chan erstmals offline genommen, weil sich viele Menschen beim zuständigen Domain-Hoster darüber beschwerten, dass das Forum Kinderpornografie anbot. Kurz darauf war 8Chan unter einer neuen Domain wieder aufgetaucht. Google schloss das umstrittene Forum im Jahr 2015 aus seinem Suchindex aus, um die Verbreitung von Hass-Inhalten zu verhindern.

Neuer Betreiber, alte Hetze

Inzwischen wird 8Chan von den Philippinen aus vom Amerikaner Jim Watkins betrieben. Er selbst sei kein Anhänger der These von der Überlegenheit der weißen Rasse, sagte Watkins 2016 der Website "Splinter". Aber er habe auch kein Problem damit, dass diese Leute auf 8Chan präsent seien. "Sie haben Gründe für ihre Überzeugungen. Ich muss diese Überzeugungen nicht rechtfertigen."

8Chan nach Anschlägen offline

Doch die Anschläge in den USA sollten nun Folgen haben für das umstrittene Netzwerk: Der IT-Sicherheitsdienstleister Cloudflare, der unter anderem Websites vor Cyberangriffen schützt, hat die Geschäftsbeziehung zu 8Chan gekündigt. Die Plattform habe sich zu einer "Hasskloake" entwickelt, schrieb Cloudflare-Chef Matthew Prince in einem Blogeintrag. (Weiterlesen: Interaktive Übersicht: Mehr als eine Massenschießerei am Tag in den USA)

Nachdem 8Chan den Schutz durch Cloudflare verlor, war die Seite zeitweise gar nicht erreichbar oder Links liefen ins Leere. Cloudflare-Chef Prince schränkte zugleich ein, dass es vermutlich nicht allzu lange dauern werde, bis 8Chan einen anderen Anbieter finde und den Dienst wieder komplett hochfahren könne. Das sei auch passiert als Cloudflare 2017 den Schutz der Neonazi-Website Daily Stormer aufgegeben habe.

Cloudflare versucht grundsätzlich, sich aus der Debatte um Inhalte von Plattformen herauszuhalten - Prince erklärt, er wolle nicht derjenige sein, der entscheidet, was im Internet veröffentlicht werden darf. Im Fall von 8Chan verwies er aber nun darauf, dass auch der Todesschütze von Christchurch, der Mitte März zwei Moscheen angegriffen und 51 Menschen getötet hatte, die Plattform genutzt habe.

Wechsel von Sicherheitsdienstleister

8Chan wechselte am Montag zum Konkurrenzdienst BitMitigate, der zum Web-Dienstleister Epik gehört. Unter den Kunden von BitMitigate war bereits unter anderem die Neonazi-Website Daily Stormer. Doch Epik konnte 8Chan nicht lange unterstützen: Epik betreibt nämlich kaum eigene Server, sondern mietet diese beim Cloud-Anbieter Voxility an, der Epik prompt kündigte. So ist die umstrittene Online-Plattform 8Chan trotz des Anbieterwechsels weiterhin kaum online.

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