TV-Geräte im Wandel : 8K-Fernseher: Warum der IFA-Trend für Verbraucher kaum eine Rolle spielt

Auf der IFA gibt es zahlreiche 8K-Fernseher zu sehen. Wann die Technologie auch für Endkunden eine große Rolle spielt, ist aber noch unklar.
Auf der IFA gibt es zahlreiche 8K-Fernseher zu sehen. Wann die Technologie auch für Endkunden eine große Rolle spielt, ist aber noch unklar.

Auf der Elektronikmesse IFA zeigen die Hersteller 8K-Fernseher. Warum Verbraucher diesen Trend noch ignorieren können.

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06. September 2019, 16:40 Uhr

Berlin | Dank diverser Anschlüsse, TV-Boxen und Internetzugang sind moderne TV-Geräte längst keine reinen Abspielgeräte für das lineare Fernsehen mehr. Die auf der IFA gezeigten Geräte setzen andere Trends.

4K ist heute, 8K ist übermorgen

4K-Fernseher haben sich gerade erst in den Wohnzimmern etabliert, da steht schon 8K vor der Tür. Ein kleiner Vergleich: 4K steht für eine Auflösung von acht Megapixeln (3840 zu 2160 Pixel), 8K sind ganze 33,2 Megapixel (7680 zu 4320 Pixel). Seit vergangenem Jahr gibt es erste Geräte, in diesem Jahr werden es mehr – zu weiterhin hohen Preis ab 5.000 Euro. Und braucht man das schon? (Weiterlesen: Mit diesen geheimen Netflix-Codes schalten Sie 1000 weitere Filme frei)

Nach 4K-Fernsehern sind 8K-Fernseher der TV-Trend auf der IFA. Foto: dpa/Andrea Warnecke
dpa/Andrea Warnecke
Nach 4K-Fernsehern sind 8K-Fernseher der TV-Trend auf der IFA. Foto: dpa/Andrea Warnecke


Laut Heimelektronik-Index HEMIX 2019 kostete der Durchschnitts-TV im ersten Halbjahr 2019 rund 560 Euro. Und: Bislang gibt es jedoch kaum Material in dieser hohen Auflösung. Außerdem ist der Unterschied zwischen 4K und 8K bei einem Sitzabstand von zwei bis drei Metern für einen Menschen mit normaler Sehkraft praktisch nicht zu erkennen. Dazu sind die 5.000-Euro-Gerät mit 55 Zoll vergleichsweise klein. Der starke Aufpreis zu 4K-Geräten scheint kaum gerechtfertigt zu sein.

Dennoch: Erste 8K-Übertragungen soll es etwa 2020 von den Olympischen Spielen aus Tokio geben, weitere Inhalte werden sicher folgen. Wann 8K Normalität auf dem TV ist – so richtig weiß das keiner. Und: Nicht alle deutschen Fernsehsender senden in Full-HD-Auflösung. Deren Bild wird von der Geräten hochgerechnet. So kommt auf modernen 4K-Bildschirmen auch Bildmaterial in guter Qualität auf den Schirm, das eigentlich eine geringere Auflösung hat oder nicht mit erweitertem Farb- und Kontrastraum (HDR) gefilmt wurde.

Der versteckte Fernseher

Nach dem Fernseher als Bilderrahmen, zum Aufrollen oder als Skulptur geht es weiter mit Fernsehern, die eigentlich nicht mehr wie Fernseher aussehen. Neuestes Beispiel: das transparente Display. Panasonic zeigt auf der IFA ein TV-Gerät mit durchsichtigem OLED-Display.

Panasonics Prototyp ist ein Fernseher wie eine Vitrine, zumindest solange er ausgeschaltet ist - dank transparentem OLED-Display. Foto: dpa/Florian Schuh
dpa/Florian Schuh
Panasonics Prototyp ist ein Fernseher wie eine Vitrine, zumindest solange er ausgeschaltet ist - dank transparentem OLED-Display. Foto: dpa/Florian Schuh


Die nötige Technik steckt unsichtbar im Holzrahmen. Wann das Gerät verfügbar sein wird ist ebenso wenig bekannt wie ein möglicher Kaufpreis. Solche Designgeräte sind ohnehin eher etwas für den vierstelligen Preisbereich und laufen für den Durchschnittskäufer eher unter "gut zu wissen".

Streaming, Streaming, Streaming

TV-Sender, Netflix, DAZN, Amazon Prime Video, Waipu, Maxdome, Joyn. Die Liste der möglichen Quellen für einen modernen Fernseher ist lang. Während immer weniger Satelliten-Empfänger, Blu-ray-Player oder TV-Set-Top-Boxen verkauft werden, wächst die Zahl der Streamingangebote. Mit Disney, Apple und Warner stehen drei neue Schwergewichte mit eigenen Angeboten in den Startlöchern.

Ein deutscher Anbieter tritt Joyn in den Markt. Der will nicht nur die öffentlich-rechtlichen Sender und die der ProSiebenSat.1-Media-Familie zeigen, sondern auch weitere Angebote wie Maxdome und den Eurosport Player integrieren. (Weiterlesen: Was Sie über Joyn wissen müssen)

Gekaufte Knöpfe und schlaue Software

Das Plus an Streamingdiensten, die um die Gunst der TV-Schauer kämpfen, wirkt sich auch auf die Fernbedienung aus. Bereits seit einigen Jahren verbauen einige Hersteller einen Netflix-Knopf, mittlerweile gibt es Modelle mit drei oder mehr festgelegten Knöpfen für Streaminganbieter.

Per Tastendruck zum Streamingdienst. Foto: dpa/Zacharie Scheurer
dpa/Zacharie Scheurer
Per Tastendruck zum Streamingdienst. Foto: dpa/Zacharie Scheurer


Und auch die Software ist im Wandel - schließlich soll man ja den Überblick über die ganzen Kanäle behalten. Samsungs TV-Software etwa behandelt jede einzelne Quelle so wie früher einen TV-Kanal. Schaltet man den Fernseher ein, landet man beim zuletzt geschauten Programm - egal, ob das tatsächlich ein Fernsehsender, die Konsole, eine TV-Box oder ein Streamingdienst war. Amazons Streamingportal Fire TV, Samsungs Smart Hub und Apples tvOS durchsuchen alle verfügbaren Apps und Streamingdienste nach den gewünschten Inhalten.

Fernseher machen Konsolen Konkurrenz

Zusammen mit Spielkonsolen ist der Fernseher schon längst ein beliebtes Gerät für Videospiele. 2020 wird er vielleicht noch wichtiger für Spieler – und zwar ganz ohne Konsole. Das Stichwort heißt Cloud Gaming und ganz konkret Google Stadia. Mit diesem Dienst streamen Gamer nur noch das Videobild eines Spiels, die Rechenarbeit übernehmen leistungsstarke Computer in großen Rechenzentren. TV-Besitzer brauchen Googles Streamingstick Chromecast Ultra und einen Controller – die entsprechenen Spiele kosten teils extra.

Google Stadia will aufwendige Videospiele ohne Konsole ermöglichen. Foto: dpa/Andrea Warnecke
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Google Stadia will aufwendige Videospiele ohne Konsole ermöglichen. Foto: dpa/Andrea Warnecke


Und mit Stadia ist noch nicht Schluss. Auch die Telekom und Vodafone – vorerst nur für Android-TV – haben entsprechende Angebote angekündigt. Mögliche Bremse sind bislang noch die Internetanschlüsse. Google setzt zwischen 10 und 25 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) voraus, die Telekom einen hauseigenen Anschluss mit 50 Mbit/s. (Weiterlesen: Das soll Apples iPhone 11 können)

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