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Internet : 375 Megabit pro Sekunde: Vodafone startet LTE-Turbo

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Das Laden eines HD-Videos in der Straßenbahn, die Pokémon-Jagd auf dem Smartphone im Park oder Autos, die sich gegenseitig vor Stauenden oder Blitzeis warnen: Die Zukunft benötigt stärkere Mobilfunknetze. Für die Firmen dahinter beginnt das Wettrennen um die Technik dafür.

Vodafone hat am Donnerstag die nach eigenen Angaben schnellste Mobilfunkstation Deutschlands in Betrieb genommen. Die Anlage steht nahe dem Flughafen Hannover. Sie erreicht über die Bündelung dreier Datenbänder ein Übertragungstempo von bis zu 375 Megabit pro Sekunde und bildet damit als Standard 4.5G eine Etappe zum Tempo-Zukunftsstandard 5G. Diese fünfte Generation des Mobilfunks wird die bisher aktuelle 4G-Technologie (LTE) ablösen und soll um 2020 kommen.„Wir sind die Ersten in Deutschland, die 4.5G anbieten. Das ist für uns ein riesiger Sprung nach vorne“, sagte Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter und versprach einen zügigen bundesweiten Ausbau ähnlicher Anlagen. In den nächsten sechs Monaten sollen hierzulande fünf bis zehn Prozent der Vodafone-Nutzer die 4.5-Anlagen theoretisch nutzen können - allerdings wird der LTE-Turbo derzeit nur von beiden Smartphone-Topmodellen von Samsung (S7 und S7-Edge) unterstützt. 4.5-taugliche Endgeräte anderer Hersteller sollen folgen.

Bei seinem 4.5G-Projekt arbeitet Vodafone mit dem chinesische Netzwerkausrüster Huawei zusammen. Nach Angaben des Düsseldorfer Telekommunikationskonzerns lässt sich mit der Spitzengeschwindigkeit 375 Megabit pro Sekunde ein Musikalbum von 600 Megabyte in nur 16 Sekunden herunterladen. Die Pokémon-Go-App (60MB) sei in rund einer Sekunde aufgespielt. Das Tempo hängt aber auch an Faktoren wie Empfang oder Nutzeraufkommen. Wenn viele Anwender eine Funkzelle teilen, sinkt die Übertragungsgeschwindigkeit.

Die Leistungskraft der Mobilfunkstationen ist unter anderem wichtig angesichts der wachsenden Datenmengen, die über Smartphones getauscht werden. Damit werden auch unterwegs per Handy Trends möglich wie das datenfressende Musik- und HD-Video-Streaming oder Augmented-Reality-Apps, die wie Pokémon-Go Realität und Fiktion vereinen. Zudem gilt 5G als Schlüssel für das vernetzte Autofahren, bei dem Fahrzeuge in Echtzeit untereinander und mit der Umwelt verbunden sind. Auch andere Mobilfunkdienstleister arbeiten an dem Thema. So experimentieren zum Beispiel die Stadt Berlin und die Telekom mit einem 5G-Testfeld. In Japan soll 5G zu den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio flächendeckend eingeführt werden.

Laut Ametsreiter arbeitet auch Vodafone schon seit Jahren an 5G. Es laufe etwa eine Kooperation mit Wissenschaftlern in Dresden, zudem trieben 600 eigene Mitarbeiter den Trend voran. Vieles sei aber noch im Fluss, etwa in der Technik, die 5G einmal zugrunde liegen soll.„Die Standardisierung ist ja noch nicht passiert“, sagte Ametsreiter.

Ein öffentliches Mobilfunnetz in Deutschland, bei dem die Teilnehmer erstmals selbst die Nummern wählen konnten, wurde 1958 als „A-Netz“ eingeführt. Inzwischen gibt es etwa alle zehn Jahre eine grundlegend neue technische Generation, die mit einer Ziffer und dem Buchstaben G bezeichnet wird. Die Branche unterscheidet bisher vier Hauptgenerationen, die aber durch wichtige Zwischenschritte ergänzt wurden:

Rund alle zehn Jahre kommt eine neue Generation im Mobilfunk

  • 1G: analoge Sprachübertragung, A-Netz (1958), B-Netz (1972) und C-Netz (1986).
  • 2G: digitale Sprachübertragung im D-Netz (1992) und E-Netz (1993) mit dem GSM-Standard, die Übertragung erfolgt leitungsvermittelt, Bandbreite: 9,6 oder 14,4 KBit/Sekunde (KBit = Kilobit).
  • 2.5G: GPRS (2001), digitale Datenübertragung, die paketvermittelte Technik erreicht mit der Bündelung von mehreren GSM-Kanälen höhere Bandbreiten, meist bis 55 KBit/Sekunde.
  • 2.75G: EDGE (2006) - Weiterentwicklung von GSM durch Nutzung eines effizienteren Modulationsverfahrens, Bandbreite: meist bis zu 150 KBit/Sekunde. Das erste iPhone (2007) funkte im EDGE-Standard und machte Datenverbindungen auf dem Smartphone populär.
  • 3G: UMTS (2004) - Dieser Mobilfunkstandard ermöglicht durch eine neue Funkzugriffstechnik das gleichzeitige Senden und Empfangen mehrerer Datenströme, Bandbreite: zunächst bis 384 KBit/Sekunde.
  • 3.5G: HSPA (2006): Erweiterung von UMTS mit Bandbreiten bis zu 42 MBit/Sekunde (MBit = Megabit).
  • 4G: LTE (2010): Dieser Standard setzt auf der UMTS-Infrastruktur auf und wird mitunter auch als 3.9G bezeichnet. 4G kann dreistellige MBit-Werte/Sekunde erreichen. Ob das in der Praxis klappt, hängt jedoch auch daran, wie viele Nutzer sich die verfügbare Bandbreite innerhalb einer Funkzelle teilen müssen. Auch das LTE-A (LTE-Advanced) gehört mit Bandbreiten von mehreren 100 MBit/Sekunde ebenfalls noch zur 4. Generation.
  • 5G: Die fünfte Mobilfunkgeneration wird für 2020 erwartet, allerdings ist der neue Standard noch nicht verbindlich definiert und befindet sich noch in der Erprobung und Erforschung. 5G gilt als ein Schlüssel für das vernetze Fahren, bei dem Autos mit anderen Autos, der Infrastruktur und Datenservern (Cloud) verbunden sind. Die Telekom und die Stadt Berlin arbeiten zum Beispiel an einem 5G-Testfeld. 5G ermöglicht Echtzeitkommunikation sowie deutlich höhere Datenraten von bis zu 10 GBit/Sekunde. Da der Megabit-Bereich mit dieser Technologie verlassen wird, ist bei 5G auch von der sogenannten Gigabit-Gesellschaft die Rede.
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erstellt am 21.Jul.2016 | 15:00 Uhr

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