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Digital

11. Dezember 2017 | 01:32 Uhr

Meilenstein der Technik : 20 Jahre MP3

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit der Entwicklung eines Formats zum einfachen Versenden von Musik wurde in Deutschland Geschichte geschrieben.

Diese Innovation kam nicht aus dem Silicon Valley, sondern aus Mittelfranken: Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) tüftelten seit Anfang der 90er Jahre daran, wie Musik in adäquater Tonqualität über Telefonleitungen übertragen werden könnte. Vor 20 Jahren erhielt das Format für digitale Musik seinen Namen. „MP3“ lautete die griffige Dateiendung für das Audiokompressionsverfahren mit dem Namen „MPEG Audio Layer 3“.

Die Entwicklung ermöglichte den Siegeszug des iPod, verbannte Musikkassette und CD aus den Regalen und krempelte die Musikindustrie komplett um. „Es ist doch der Traum jedes Forschers, etwas Nützliches für die Menschheit zu entwickeln“, sagt Karlheinz Brandenburg. Der Elektrotechniker und Mathematiker entwickelte mit seinen Kollegen Harald Popp und Bernhard Grill das Verfahren zur Kompression von Audiodaten. „Wir träumten damals vom digitalen Hör-Rundfunk und Millionen von Nutzern. Jetzt sind es viele Milliarden Geräte, die mit dem Format arbeiten.“ Nachdem das insgesamt um die acht Entwickler umfassende Fraunhofer-Team den technischen Durchbruch geschafft hatte, war lange Zeit nicht klar, ob sich das Format auch wirklich am Markt durchsetzen wird. „Die Anfangszeiten waren sehr schwierig“, sagt Popp.

Nach ursprünglichen Plänen war die Encoder-Software, die Musikstücke ins MP3-Format wandelte, vor allem für die Musikindustrie gedacht und sollte teuer sein. Doch 1997 kaufte ein australischer Student ein solches Programm, durchschaute den Mechanismus dahinter und stellte den Encoder für alle frei verfügbar ins Netz. „Er hat unser Geschäftsmodell weggegeben“, beschwerte sich Brandenburg in einem Interview mit dem US-Rundfunksender NPR 2011. Fortan konnte jeder CDs in handliche MP3-Dateien umwandeln, die auch für damals noch langsame Internet-Verbindungen nicht zu groß waren.

1998 tauchten die ersten MP3-Player in den Läden auf. Allerdings erst als Apple-Chef Steve Jobs im Herbst 2001 den ersten iPod präsentierte, begann der Siegeszug der MP3-Abspielgeräte.

Das MP3-Format veränderte damals das Leben der Musikfreunde: Sie konnten ihre Lieblingssongs einfacher denn je unterwegs hören. Keine CD-Hüllen mehr, die man neben dem Discman noch ins Handgepäck stopfen muss.

Weil diese revolutionäre Entwicklung auch das Musikhören im Internet möglich machte, wurde Karlheinz Brandenburg als Miterfinder des MP3-Standards im vergangenen Jahr in die „Internet Hall of Fame“ aufgenommen.

Doch die Entwicklung wurde auch missbraucht: 1999 ging die Musiktauschbörse Napster online, zwei Jahre später wurden dort Monat für Monat rund zwei Milliarden Songs (meist illegal) getauscht.

Der MP3 hängt auch aus anderen Gründen ein schlechter Ruf nach: Das Format habe die Klangqualität der Musik verschlechtert, heißt es. Das Kompressionsverfahren funktioniert nämlich nicht verlustfrei, das heißt, es gehen Teile des Klangspektrums verloren. Alle verzichtbaren Töne werden gefiltert - und so Daten gespart. Die Klangqualität hängt aber auch von anderen Faktoren ab, etwa den verwendeten Verstärkern, Lautsprechern oder Kopfhörern.

Die aktuelle Entwicklung der Audio-Kompression hat die Ära der MP3-Player schon hinter sich gelassen. Zum Musikhören unterwegs braucht man heute nicht mehr unbedingt viel Speicherplatz, sondern Bandbreite fürs Streaming. Auch hier spielt die Erfindung aus Erlangen eine maßgebliche Rolle: „MP3 steht ja nicht nur für Musik auf dem PC“, sagt Grill. Vielmehr sei MP3 der Standard für Musik überall.

Weil künftig immer mehr Bandbreite zur Verfügung stehen wird, fragen Experten schon jetzt, wann MP3 durch verlustfreie Formate verdrängt wird. Doch MP3-Miterfinder Grill prophezeit: Auch in 100 Jahren werde man die Dateien noch abspielen können.

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