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Serie Finanz-Wissen : Die wichtigsten Versicherungen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Teil 4: Was junge Paare mit wenig Geld auf jeden Fall benötigen und was verzichtbar ist

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2017 | 06:00 Uhr

In Deutschland gibt es Versicherungen, zu denen eine gesetzliche Verpflichtung besteht und freiwillige Versicherungen. Zu ersteren gehören die Kfz-Haftpflichtversicherung und die Krankenversicherung. Nicht alle freiwilligen Versicherungen sind gleich wichtig und notwendig.

Leserfrage von Tina Kerlies: Jungverheiratete haben meist wenig Geld zur Verfügung, welche wirklich wichtigen Versicherungen können Sie für den Anfang empfehlen?

1. Privathaftpflicht-versicherung (PHV) – ein Muss

Die PHV darf in keinem Haushalt fehlen, da Sie für diesen Bereich nur sehr schwer Vorbeugemaßnahmen treffen können. Sie sichert Sie nämlich gegen Schadenersatzansprüche Dritter ab. Das BGB sagt, dass derjenige, welcher schuldhaft einem anderen einen Schaden zufügt, zu dessen Ausgleich verpflichtet ist. Dabei haften Sie unbegrenzt mit Ihrem gesamten Vermögen.

Eine PHV kann das finanzielle Risiko der Inanspruchnahme absichern. Dabei übernimmt der Versicherer zwei Aufgaben. Zunächst prüft er, ob der behauptete Schadenersatzanspruch gerechtfertigt ist. Sollte dem nicht so sein, wird der Versicherer die Abwehr empfehlen. Sofern der Anspruchsteller daraufhin den Rechtsweg beschreitet, einen Anwalt beauftragt und Klage erhebt, übernimmt der Haftpflichtversicherer alle Kosten im Zusammenhang mit der Rechtsverfolgung. Ist der Schadenersatzanspruch gerechtfertigt, oder wird der Anspruch gerichtlich festgestellt, stellt der Versicherer Sie von dieser Verpflichtung im Rahmen des Versicherungsvertrages frei. Die PHV ist also nicht nur hilfreich, wenn Sie jemanden geschädigt haben. Sie hilft auch, wenn der Dritte eine Schädigung lediglich behauptet.

Wichtig: Die PHV leistet nicht, wenn die Schädigung im Zusammenhang mit einer beruflichen Tätigkeit steht, bei vorsätzlicher Schädigung oder bei Schadenersatzansprüchen aus Vertrag.

Die Auswahl der Versicherungssumme ist für Sie sehr wichtig. Sie sollte mindestens 10 Millionen Euro pro Schadenfall betragen. Eine gute Privathaftpflichtversicherung gibt es für Familien schon für unter 100 Euro pro Jahr.

2. Absicherung der Arbeitskraft – sollte man auf jeden Fall haben

Gleich an zweiter Stelle sollte die Absicherung der eigenen Arbeitskraft stehen. Diese stellt den größten finanziellen Wert eines Menschen dar. Hierbei wird das Einkommen gegen dauerhaften krankheits- oder unfallbedingten Verlust abgesichert.

Rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer haben für den Fall der Erwerbsminderung unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch gegen die gesetzliche Rentenversicherung. Für den Fall, dass ein versicherter Arbeitnehmer dauerhaft weniger als sechs Stunden irgendeiner Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nachgehen kann, zahlt die gesetzliche Rentenversicherung eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung. Sollte der Arbeitnehmer sogar weniger als drei Stunden einer Tätigkeit nachgehen können, so kann er eine Rente wegen voller Erwerbsminderung erhalten. Auf die zuletzt konkret ausgeübte Tätigkeit kommt es dabei nicht an.

Die Höhe der vollen Erwerbsminderungsrente teilt die gesetzliche Rentenversicherung jedem Versicherten über 28 Jahren einmal im Jahr in Form der Renteninformation mit. In den meisten Fällen ist der Betrag weit entfernt vom tatsächlichen Nettoeinkommen.

Die Königin unter den privatwirtschaftlichen Versicherungslösungen ist hier die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Diese zahlt die im Vertrag vereinbarte Rente für den Fall, dass der Versicherte seinen zuletzt konkret ausgeübten Beruf aufgrund einer Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall zu mehr als 50 Prozent nicht mehr ausüben kann. Die versicherte Rente sollte im Rahmen eines solchen Vertrages etwa 80 Prozent des Nettoeinkommens betragen. Da der Beitrag für diese Versicherung stark vom Alter und Gesundheitszustand bei Beginn des Vertrages ist, sollte der Vertrag möglichst frühzeitig abgeschlossen werden.

Sollte das persönliche Budget oder der Gesundheitszustand eine solche Absicherungslösung nicht zulassen, kann man mit einer privaten Erwerbsunfähigkeitsversicherung die Leistung der gesetzlichen Rentenversicherung aufstocken. Diese Art von Verträgen leistet dann, wenn man keine drei Stunden mehr auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein kann.

Als preisgünstigste, aber auch leistungsmäßig stark eingeschränkte Alternative gibt es noch sogenannte funktionelle Invaliditätsabsicherungen. Derartige Produkte sind stark an die Unfallversicherung angelehnt und leisten nur bei ganz klar definierten Versicherungsfällen. Eine umfassende Absicherung lässt sich damit nur schwer vereinbaren.

3. Todesfallschutz

Eine Risikolebensversicherung (RLV) ist dann wichtig, wenn das Versterben des Versicherten für die Hinterbliebenen zu einem existenzbedrohenden Risiko wird, weil er zum Beispiel als Hauptverdiener der Familie wegfällt, Kinder zu versorgen oder hohe Kredite abzusichern sind.

Kann-Versicherungen

Die private Unfall-, die Gebäude-, Hausrat-, Pflegezusatz-, die Rechtsschutz- und die Kaskoversicherung fürs Auto gehören zu den Versicherungen, bei denen ein möglicher Schaden besser kalkulierbar ist. Ob sich hier der Abschluss lohnt, hängt von vielen – sehr persönlichen – Gegebenheiten wie Höhe der abzusichernden Vermögenswerte, eigenen finanziellen Reserven, der Einstellung zum Risiko und auch dem familiären Umfeld ab. Hinsichtlich der Gebäudeversicherung gibt es jedoch in den meisten Fällen Vorgaben der finanzierenden Bank.

Steffen Schulz ist Versicherungsfachmann. Gemeinsam mit dem unabhängigen Honorarberater Andreas Borsch beantwortet der Experte für Versicherungsrecht in unserer Geld-Serie auch Fragen unserer Leser zu Finanzthemen. Schreiben Sie uns dafür einfach per E-Mail an ratgeber@svz.de. Auf sehr individuelle oder ganz spezielle Fragen kann im Rahmen der Serie aus Rücksicht auf alle Leser allerdings nicht eingegangen werden.

 








 

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