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Ratgeber

18. November 2017 | 05:50 Uhr

Die Tricks der Kreditvermittler

vom

svz.de von
erstellt am 28.Feb.2013 | 09:55 Uhr

Das Angebot klingt verlockend: "Wir geben Ihnen 50 000 Euro Kredit - auch ohne Bonitätsprüfung!" Mit solchen Slogans werben manche Kreditvermittler um neue Kunden. Angesprochen werden häufig Menschen, die in einer finanziell schwierigen Situation stecken. "Gerade diese Zielgruppe sollte von solchen Angeboten aber besser die Finger lassen", sagt der Rechtsanwalt Hartmut Strube aus Düsseldorf. "Denn meistens werden Sie nur über den Tisch gezogen." Der Grund: Auf dem Markt der Kreditvermittler sind nicht nur vertrauenswürdige Anbieter aktiv. Das zeigt eine Studie im Auftrag der Wirtschaftsauskunftei Schufa aus dem Jahr 2012. Verbraucher, die einen Kredit ohne Bonitätsprüfung suchen, treffen demnach sogar in etwa acht von zehn Fällen auf unseriöse Vermittler. Und diese versuchen ihren Kunden mit vielen Tricks das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Was viele Kunden nicht wissen: Kreditvermittler vergeben die Darlehen nicht selbst. Sie reichen die Anfragen nur an die Banken weiter. Über die Vergabe der Kredite entscheiden allein die Geldinstitute. Auf eine Bonitätsprüfung verzichten dabei die wenigsten Geldhäuser. "Es ist ja auch legitim, dass die Banken sich absichern", sagt Strube.

Unseriöse Vermittler verschweigen ihren Kunden das allerdings erstmal. "Die Verbraucher erhoffen sich von den Vermittlern die Lösung ihrer finanziellen Probleme", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. "Sie bekommen aber meist nur neue Probleme." Denn die Masche der unseriösen Vermittler ist immer ähnlich: Stellen Kunden eine Anfrage, bekommen sie häufig Besuch von dem Vermittler. "Oft machen diese dann erst mal Auslagen geltend, zum Beispiel 100 Euro für die Anfahrt", erzählt Stefanie Laag von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Das Geld wollen sie dann von den Kunden wiederhaben. "Und die zahlen auch erst mal, weil sie ja den Kredit wollen." Allerdings ist eine solche Auslagenerstattung gesetzlich verboten.

Ein weiterer Trick: Die Vermittler verkaufen den Kunden unnötige und teure Produkte. Die Bandbreite reicht laut Rechtsanwalt Strube von gefährlichen Beteiligungen an geschlossenen Fonds bis hin zu unnötigen Versicherungsverträgen. Dabei wird den Kunden immer wieder erklärt, dass sie mit ihrer Unterschrift unter den Vertrag die Chancen auf den Kredit erhöhen.

Mitunter wird auch für den Versand von Vertragsunterlagen Geld verlangt, oder Verbraucher müssen kostenpflichtige Hotlines anrufen, um mit dem Vermittler Kontakt aufnehmen zu können. Auch eine Schuldnerberatung wird manchmal angeboten, natürlich gegen eine Gebühr. "Die Verbraucher haben am Ende gar keinen Überblick darüber, was ihnen da untergeschoben wird, und geraten so in eine Falle", sagt Strube, der Mitglied im Ausschuss Bank- und Kapitalmarktrecht im Deutschen Anwaltverein ist.

Doch egal, wie viele Papiere die Kunden unterschreiben, an den ersehnten Kredit kommen sie in der Regel nicht. Laut der Schufa-Studie liegt die Erfolgsquote der Anfragen gerade mal bei etwa einem Prozent. Von den 177 Testkunden, die von Februar bis Mitte April 2012 bei 69 Anbietern versuchten, einen entsprechenden Kredit zu bekommen, kam es nur in zwei Fällen tatsächlich zu einer Zusage. In einem Fall wäre der Kredit zu denkbar schlechten Konditionen gewährt worden: Der effektive Jahreszins hätte bei 25,5 Prozent gelegen. "Die Kunden werden einfach nur abgezockt", sagt Nauhauser.

Wer dennoch zu einem Kreditvermittler geht, sollte einige Punkte im Kopf behalten: "Nichts zahlen, nichts unterschreiben und alle Papiere genau durchlesen", rät Hartmut Strube. Denn nur so können Kunden es vermeiden, Geld zu verschenken und in neue Fallen zu tappen.

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