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Ratgeber

25. September 2017 | 22:48 Uhr

Nach dem Regen : „Die Mücken schreien hurra“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Stechmücken haben im Nordosten Hochsaison. Tipps wie man die Plagegeister fernhält und was bei Stichen hilft.

von
erstellt am 30.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Ob Großstadt, Dorf, Wald oder Seeufer: Vor Mücken ist im Nordosten zur Zeit niemand sicher. Denn je mehr der Regensommer für Überschwemmungsgebiete und Pfützen sorgt, desto besser können Mückenweibchen ihre Eier ablegen. „Die Mückenlarven und -puppen leben und entwickeln sich aquatisch in stehenden Gewässern“, erklärt Dr. Helge Kampen, Insektenforscher beim Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems. „Sie fühlen sich zurzeit hier sauwohl.“

Die warmen Temperaturen tragen dazu bei, dass sich die Insekten schnell vermehren. „Rund alle zwei Wochen schlüpft unter den aktuellen Bedingungen eine neue Generation“, sagt Dr. Doreen Walther, Biologin und Mückenexpertin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg. „Im Frühjahr dauerte das noch vier Wochen.

Auch wenn die Temperaturen in den nächsten Tagen noch steigen – schneller kann sich eine neue Generation nicht entwickeln. „Wenn die Mücke geschlüpft ist, dauert es auch noch ein paar Tage bis sie Blut saugt und dann wiederum zwei, drei Tage bis sie Eier ablegt“, erläutert Helge Kampen vom FLI.

Es gibt insgesamt 28 Mückenfamilien in Deutschland. Davon stechen allerdings nur drei zu – Stechmücken, Kriebelmücken und Gnitzen. Es piksen jeweils nur die Weibchen, weil sie Proteine aus dem Blut für ihre Eibildung benötigen. Stiche jucken, weil Mücken mit Stoffen aus ihrem Speichel unter anderem die Blutgerinnung verhindern. Darauf regiert das menschliche Immunsystem – wie heftig, das hängt auch von der Mückenart ab.

Die Angst vor invasiven, also gebietsfremden Arten, die Krankheiten übertragen, ist hierzulande verbreitet. Der Experte gibt jedoch Entwarnung: „Für Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg trifft das nicht zu“, sagt Helge Kampen. Gemeinsam mit der Kollegin aus Brandenburg arbeitet er an einem Mückenatlas. Seit 2012 sammeln sie Infos über die Verbreitung von Stechmücken in ganz Deutschland. Wer Lust hat, kann sich an dem Projekt beteiligen.

„Wer einmal wissen möchte, welche Mückenart bei ihm im Garten unterwegs ist, der kann uns diese zur Bestimmung schicken“, sagt der Insektenforscher vom FLI. Ganz wichtig sei, dass gefangene Exemplare nicht platt gequetscht werden. „Am besten fängt man die Mücke in einem Gefäß, verschließt es und stellt es über Nacht ins Tiefkühlfach“, sagt er. Dadurch sterbe das Insekt, bleibt aber für die Bestimmung noch gut erhalten (mehr Infos unter www.mueckenatlas.de).

Ein Ergebnis der Mückenforschung ist, dass sich im Süden Deutschlands zunehmende fremde, wärmeliebende Mückenarten ansiedeln. „Das kann ein Anzeichen dafür sein, dass sich das Klima verändert“, sagt Kampen. Das bekannteste Beispiel: die asiatische Tigermücke.

Panik davor, dass diese Mücken Krankheiten wie Malaria oder Gelbfieber übertragen, muss man allerdings nicht haben, erklärt der Wissenschaftler. Denn auch wenn diese Arten theoretisch Krankheitserreger verbreiten können, müssen sie erstmal eine Infektionsquelle finden. „Das sind zwei unabhängige Prozesse, die hier ablaufen“, sagt er. Da Krankheiten wie Malaria, Gelb- oder Dengue-Fieber in Deutschland nicht vorkommen, gibt es schlicht keine Erreger, die Mücken übertragen können. Das einzige Risiko stellen infizierte Reisende dar, die Infektionserreger einschleppen.

Deshalb müssen wir uns zumindest keine großen Sorgen um Krankheiten machen, wenn wir in diesem Sommer gestochen werden. Auf viele Pikse müssen wir uns jedoch einstellen. „2016 war schon ein gutes Mückenjahr, 2017 wird wahrscheinlich noch besser für sie. Die Mücken schreien hurra“, sagt Doreen Walther vom ZALF.

Und ein wenig Trost hat die Wissenschaftlerin auch noch: Wespen mögen es im Unterschied zu Mücken lieber trocken und warm – und finden das Wetter derzeit nicht prickelnd.

Tipps gegen Mücken

Eine Dusche kann kurzzeitig helfen
Manche Menschen werden eher von Mücken gestochen, als andere – das hängt von der Mischung von Stoffen wie Milchsäure, Ammoniak und Fettsäuren auf der Haut ab. Sie erzeugen einen bestimmten Geruch, auf den die Mücken entweder fliegen – oder eben nicht. Eine Dusche hilft, allerdings nur für kurze Zeit. Dann ist der Geruch wieder da.

Mückenfleck mit kaltem Wasser wegwischen
Stechmücken nerven manchmal so sehr, dass man sie sogar an der Wand erschlägt. Zurück bleiben schmierige Flecken. Was tun? Am besten lassen sich Reste von Stechmücken und Blut entfernen, wenn sie frisch sind. Und zwar mit viel kaltem Wasser, Küchenkrepp und einer Stoffserviette. Eine andere Möglichkeit ist das Abtupfen mit einem Mikrofasertuch oder einem feuchten Schwamm. Fleckreste dann mit Farbe und einem kleinen Pinsel überstreichen. In der Regel sind die Flecken so klein, dass ein Farbunterschied nicht auffällt.

Hilfe aus der Natur: Quark lindert
Apfelessig lindert den Juckreiz, wenn er unmittelbar nach dem Stich auf die Hautstelle gegeben wird. Das Gleiche gilt für eine Mischung aus Honig und Speisenatron oder Johanniskrautöl. Quark wirkt entzündungshemmend. Man gibt ihn gekühlt auf eine Kompresse und legt diese auf die Wunde, solange der Quark noch feucht ist.

Kohl essen gegen Mückenstiche
Manche Lebensmittel können dabei helfen, die kleinen Plagegeister fernzuhalten. So haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Menschen mit erhöhten Kohlendioxidausschüttungen öfter gestochen werden. Wer Beispielsweise Reis ist, entwickelt viel Kohlendioxid – und zieht die Mücken an. Kohl essen soll hingegen die Insekten abhalten.

Goldfische fressen Mückenlarven
Planschbecken und Gießkanne sollten jeden Abend geleert werden. Das überschüssige Wasser lässt sich gut als Gießwasser für Pflanzen verwenden. Regentonnen sollten ebenfalls regelmäßig geleert beziehungsweise abgedeckt werden. Wer einen Gartenteich besitzt, kann die Larven dort mit einem Kescher abschöpfen – oder Goldfische halten. Sie fressen Mückenlarven.

Vorsicht bei Sprays gegen Mücken!
Auf nackter Haut bilden Sprays einen Geruchsmantel, der die Insekten abhält. Der synthetische Stoff Diethyltoluamid, kurz DEET, hält einem Test von Stiftung Warentest zufolge am längsten. Er kann allerdings auch die Schleimhäute etwa in den Augen reizen. Gut abgeschnitten haben auch Mittel mit Icaridin. Die Sprays müssen regelmäßig, etwa alle vier Stunden, aufgetragen werden, damit sie ihre Wirkung nicht verlieren. Sie sollten nicht in geschlossenen Räumen verwendet werden. Ungeeignet sind die Mittel für Babys. DEET sollte auch bei Kleinkindern nicht angewendet werden.

Helle und lange Kleidung schützt
Besonders warme Haut lockt Mücken an. Wer Sport getrieben hat, sollte schnell kalt duschen oder die Haut im See abkühlen. Lange Kleidung schützt Beine und Arme. Außerdem empfiehlt es sich, helle Sachen zu tragen. Dunkle Kleidung zieht Mücken eher an.

Bei Stichen gilt: Nicht kratzen!
Beim Kratzen werden noch mehr „Juckstoffe“ vom Körper ausgeschüttet. Aufgekratzte Stiche entzünden sich zudem leichter. Stattdessen können eine eine Reihe Hausmittel gegen den Juckreiz und Entzündungen helfen: eine halbe Zwiebel oder eine Scheibe Zitrone desinfizieren, kühlen und beruhigen die Einstichstelle.

Tomate, Zitrone & Co. halten Plagegeister fern
Ein beliebtes Hausmittel gegen Mücken ist das Laub der Tomatenpflanze. Auch den Geruch von Rosmarin, Katzenminze, Lavendel, Minze, Zitronenmelisse, Zitronengras und Zitronengeranie schätzen Mücken demnach nicht. Ein Basilikumtopf auf dem Gartentisch hält angeblich die Plagegeister fern. In einem Test der Stiftung Warentest konnten Pflanzen auf der Fensterbank als Schutz vor Mücken allerdings nicht überzeugen.

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