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Messenger-Programme machen der SMS Konkurrenz : Die (fast) kostenlose Kurznachricht

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Jeder Deutsche verschickt pro Jahr durchschnittlich rund 500 SMS. Wer 19 Cent pro Kurznachricht zahlen muss, ist 100 Euro los. Dabei geht es auch zum Teil ganz kostenlos. Messenger-Programme machen es möglich.

svz.de von
erstellt am 13.Apr.2012 | 09:07 Uhr

Jeder Deutsche verschickt pro Jahr durchschnittlich rund 500 SMS. Wer 19 Cent pro Kurznachricht zahlen muss, ist 100 Euro los. Dabei geht es auch für viel weniger Geld, zum Teil sogar ganz kostenlos. Messenger-Programme machen es möglich, allerdings nur für Smartphone-Nutzer. Das Angebot ist groß und wird immer größer. Wahllos sollte man allerdings nicht zugreifen. Es gibt feine Unterschiede - mit zum Teil großer Wirkung. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

%_rot-auszeichnung_%Was ist Instant Messaging?%__rot-auszeichnung_%Instant Messenger sind Programme, mit denen Nutzer von Smartphone, Computer, Tablet-PC & Co. Nachrichten in Echtzeit austauschen können. Erhält man von einem Freund oder Bekannten eine Mitteilung, ploppt auf dem eigenen Gerät ein Fenster auf, in dem die Mitteilung angezeigt wird. In dieses Fenster kann man sofort seine Antwort tippen und mit einem Druck auf den "Senden"-Button abschicken. Die Übertragung erfolgt über das Internet. Das Ganze funktioniert so ähnlich wie ein Web-Chat. Eine Begrenzung der Zeichenzahl auf 160 wie bei der klassischen SMS gibt es nicht.

Als erster internetweiter Ins tant-Messaging-Dienst gilt ICQ. Die erste Version des Programms wurde bereits Mitte der 1990er-Jahre veröffentlicht. Heute kann man mit vielen Messengern nicht nur Textnachrichten versenden, sondern auch Fotos, Videos, Sprachnachrichten und sogar seinen aktuellen Standort übermitteln. Das macht dann auch die noch teurere MMS entbehrlich. Allerdings bieten nicht alle Programme und Dienste alle Funktionen an.

%_rot-auszeichnung_%Welche Kosten entstehen?%__rot-auszeichnung_%Das ist unterschiedlich. Die Apps, also die Mini-Programme für Smartphone oder Tablet-PC, sind für Preise von 79 Cent bis 5 Euro und häufig sogar kostenlos zu haben. Sie werden aus dem App-Store des jeweiligen Systems - etwa Android, iPhone, Windows Phone oder Blackberry - heruntergeladen. Das Versenden und Empfangen der Nachrichten ist dann in der Regel kostenlos. Allerdings ist eine Internetverbindung erforderlich, für die Gebühren anfallen können. Für Smartphone-Nutzer, die eine Daten-Flatrate haben, ist das allerdings nur Theorie.

%_rot-auszeichnung_%Vorinstallierte Messenger%__rot-auszeichnung_%Auf den Smartphones ist heutzutage zumeist ein Instant Messenger vorinstalliert und muss nicht irgendwo heruntergeladen werden. Bei Apple heißt er iMessage und ist in das iOS5-Betriebssystem integriert. Will man eine Nachricht schicken, prüft das Programm automatisch, ob der Empfänger ebenfalls iMessage nutzt. Ist das der Fall, verfärbt sich das Eingabefeld von grün auf blau - das Zeichen dafür, dass eine kostenlose iMessage verschickt wird. Nachteil: Dieser Dienst funktioniert nur zwischen Nutzern von Geräten mit iOS5. Auch Besitzern von Blackberry-Smartphones geht es nicht anders - sie können auch nur untereinander kommunizieren.

Bei Windows Phone gehört der Live Messenger in der jüngsten Firmware-Version ebenfalls zum Betriebssystem. Er lasse sich laut dem Telekommunikationsmagazin "Teltarif" zumindest mit dem Facebook-Chat verbinden und ermöglicht es, Nachrichten an Leute zu verschicken, die den Yahoo!-Messenger nutzen.

Der Instant Messenger der Android-Geräte heißt "Google Talk". Er ist nicht auf ein Betriebssystem beschränkt, sondern erlaubt den Nachrichtenaustausch auch mit Nutzern von Blackberry-, iOS5- und Windows-Phone-Geräten.

%_rot-auszeichnung_%Messenger-Apps%__rot-auszeichnung_%Wer plattformübergreifend kostenlose Mitteilungen versenden möchte, muss gegebenenfalls zusätzlich ein Messenger-Programm installieren, das auf mehreren oder sogar allen Betriebssystemen läuft.

Eine der am meisten genutzten Mes senger-Apps ist "WhatsApp". Im iTunes-Store führt sie die Liste der meistgekauften Applikationen überhaupt an. Wer das Programm herunterlädt, muss anschließend seine eigene Rufnummer eingeben und außerdem sein Telefonbuch freigeben. "WhatsApp" überprüft dann, welche Kontakte ebenfalls diesen Messenger nutzen und fügt diese in eine Favoritenliste ein. Vorteil: Der User weiß sofort, mit wem er künftig auf diesem Weg kommunizieren kann. Nachteil: Das Telefonbuch mit allen Kontakten - gegebenenfalls auch dienstlichen - wird gegenüber einem US-amerikanischen Unternehmen freigegeben. Das bereitet vielen Usern Unbehagen. Wie genau mit den Daten verfahren wird und was mit ihnen passiert, wenn das Unternehmen verkauft wird oder in die Insolvenz geht, ist relativ unklar. Die ellenlangen Nutzungsbedingungen wird kaum jemand bis zum Schluss lesen, zumal sie in Englisch verfasst sind. In Zeiten von Facebook & Co. wird das den Dienst aber wohl nicht wirklich aufhalten. Auch "KakaoTalk" und "Viber" bauen das Netzwerk über den Zugriff auf die Kontaktlisten der Benutzer auf.

Anders läuft es beispielsweise bei der App "Kik", die allerdings noch wenig verbreitet ist. Das Programm eines kanadischen Anbieters erzwingt nicht die Telefonbuch freigabe. Stattdessen verschicken die User per E-Mail, SMS oder sozialem Netzwerk Einladungen an Freunde und Bekannte. Wer diese Mühe scheut, kann den Abgleich der Kontakte aber manuell veranlassen.

"Yak", "eBuddy", "Pinger", "Facebook Messenger", "ChatON" und "IM+" sind weitere Messenger-Angebote. Einige ermöglichen sogar das Telefonieren. Allerdings sind nicht alle Apps für jedes Betriebssystem verfügbar.

%_rot-auszeichnung_%Das Aus für die SMS?%__rot-auszeichnung_%Eine Konkurrenz für die SMS sind die Messenger-Programme sicherlich. Aber noch werden sie diese nicht ganz zurückdrängen können. "Die SMS hat sich bewährt", sagt Telekommunikationsexperte Roman Friedrich. "Sie ist unmittelbar, direkt und ihre Beliebtheit ist sehr groß. Ein Verschwinden der SMS muss man nicht befürchten." Das liegt zum einen daran, dass viele Messenger nicht plattformübergreifend arbeiten. Zum anderen haben längst nicht alle Handy-Besitzer ein Smartphone. Und auch in puncto Zuverlässigkeit bleiben die Messenger zum Teil noch hinter der SMS zurück. Nutzer beklagen, dass es - insbesondere nach Software-Updates - zu Störungen kommt und dass Nachrichten trotz Datenverbindung nicht sofort übermittelt werden. Und wenn das Smartphone offline ist, geht ohnehin nichts. Trotzdem basteln auch die Mobilfunkanbieter schon an einer multimedialen Alternative zur SMS. Sie soll im Sommer in Deutschland auf die ersten Handys kommen und Joyn heißen.

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