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Neue Serie Finanz-Wissen : Den Umgang mit Geld kann man lernen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Was Sparer jetzt wissen sollten und warum finanzielle Bildung wichtig ist

von
erstellt am 06.Feb.2017 | 14:45 Uhr

Die Zinsen sind noch immer im Keller und die Weltpolitik sorgt für Unruhe an den Börsen. Wie können Verbraucher da sinnvoll sparen und haushalten? Gemeinsam mit dem Finanzexperten und Honorarberater Andreas Borsch aus Schwerin wollen wir in den nächsten Wochen auf unseren Ratgeber-Seiten Antworten finden. Zum Auftakt sprach Angela Hoffmann mit ihm über Chancen und Risiken bei der Finanzplanung.

Startschuss für eine neue Serie rund ums Geld: Ob Finanzplanung, Betongold oder Lebensversicherung – zu diesen und anderen Themen wird der Finanzexperte und Honorarberater Andreas Borsch aus Schwerin in den kommenden Wochen immer montags auf unserer Ratgeber-Seite Stellung nehmen.

Brauchen Sparer auch in diesem Jahr wieder starke Nerven?
Borsch: Kommt drauf an, in welcher Situation sie sich gerade befinden. Die, die erst Kapital aufbauen möchten, können gelassener sein als die, die bereits Anlagekapital besitzen und dieses mehren wollen. Die Börsen werden wohl weiterhin stark schwanken. Mit dem Amtsantritt von Donald Trump, den vielen Problemen innerhalb der EU, der noch nicht ausgestandenen Bankenkrise und den Konflikten in Nahost gibt es genügend Zündstoff für die Börsen – in beide Richtungen.

Ist ein Ende der Niedrigzinsphase abzusehen?
Kunden mit Tages- und Festgeldern sowie mit kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherungen werden weiterhin nicht so recht Freude an ihren Anlagen haben. Die Zinsen bleiben wohl noch eine Weile am Boden. Des einen Leid ist des anderen Freud. Der Häuslebauer kann sich dagegen noch eine Weile an den niedrigen Zinsen erfreuen.

Doch das Bild kann sich auch recht schnell ändern, wenn die amerikanische Notenbank FED weitere Zinsschritte nach oben macht. Wann und wie die riesige Zinsblase, die sich in den letzten Jahren aufgebaut hat, platzen wird – wie von einigen erwartet – bleibt abzuwarten.

Welche Anlageformen lohnen sich noch?
Die Frage muss anders lauten. Welche Alternativen haben Anleger? Für kurzfristige Ziele gibt es praktisch keine Alternativen zum Fest- und Tagesgeld. Für den langfristigen Anleger und die Sparer, die erst noch ein Vermögen aufbauen wollen, bieten sich mit Sachwertanlagen wie Immobilien, Aktien (-fonds) oder auch Gold ganz andere, lukrative Möglichkeiten.

Kann man auch mit kleinen Beträgen Vermögen bilden?
Es kommt darauf an, wie man Vermögen definiert, und welchen Anlagehorizont und welche Risikobereitschaft der Sparer hat. So kann ein Sparer mit monatlich 50 Euro bei einer unterstellten Rendite von durchschnittlich 5 Prozent pro Jahr (Beispiel Aktienfonds) in zehn Jahren ein Kapital von 7750 Euro, in 20 Jahren von knapp 20 400 Euro und in 30 Jahren von fast 41 000 Euro vor Steuern aufbauen. Durch den Zinseszinseffekt zahlt sich hier Geduld aus.

Welche Fallen sollten Sparer und Anleger meiden?
Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Entweder für Konsum, für die Absicherung von Risiken (Versicherungen) oder für Investitionen (Bildung, Geld- und Sachwerte…). Und da tickt jeder Anleger anders.

So gibt es die, die von der Hand in den Mund leben müssen, die die alles absichern wollen und die, die ganz emsig sparen und deshalb auf Konsum verzichten. Und noch ganz viele dazwischen.

Der Anleger sollte deshalb für sich seine finanziellen Ziele und Risikobereitschaft genau definieren. Das klingt leichter als gesagt. Die meisten Verluste erleiden Anleger in der Regel dann, wenn sie an langfristige Anlagen herangehen müssen, weil sie gerade einen kurzfristigen finanziellen Engpass haben. Daraus ergibt sich auch schon die wichtigste Anforderung an eine langfristige Geldanlage. Jeder Anleger muss stets über eine ausreichende Liquidität verfügen. Ist das nachhaltig nicht gewährleistet, haben langfristige Geldanlagen in den wenigsten Fällen Sinn.

Auch die Kosten spielen eine wichtige Rolle. Durch Unwissenheit und auch die Trägheit vieler Anleger werden immer noch vergleichsweise hohe Anlagekosten akzeptiere, obwohl es genug preiswertere Alternativen gibt.

Was muss sich ändern?
Die größte Macht der Anleger und Bankkunden sind Bildung und Eigenverantwortung. Mehr Verbraucherschutz, mehr Bankenkontrolle, mehr geförderte Geldanlagen nützen nichts, wenn der Anleger nicht weiß, was er tut und die Folgen seines Handelns nicht abschätzen kann. Es gibt derzeit in Deutschland kein Konzept, vor allem jungen Menschen frühzeitig nachhaltige finanzielle Bildung zu vermitteln. Finanzielle Bildung hat in erster Linie nichts mit Produktwissen und Verbraucherrecht zu tun, sondern mit dem Verständnis um Geld, seine Funktion, der eigenen Einstellung zum und den Umgang mit Geld. Ein Haushalt funktioniert wie ein Unternehmen. Es muss geplant, entschieden, kontrolliert und immer wieder nachjustiert werden. Wer das nicht kann oder möchte, wird – auch mit Verbraucherschutzgesetzen – regelmäßig scheitern.

Honorarberater Andreas Borsch aus Schwerin ist gelernter Bankkaufmann und seit elf Jahren als Honorarberater für Mandanten in ganz Deutschland tätig. Regelmäßig schreibt er nicht nur Artikel für unsere Zeitung, sondern auch für die Internetseite cashkurs.com von Dirk Müller (Mr. DAX – Börsenprofi, Bestsellerautor, Politikberater). Für die TV-Ratgeberreihen „Markt“ und „Plus-Minus“ stand er ebenfalls schon als Experte zur Verfügung. In unserer Serie will Borsch auch Fragen unserer Leser beantworten. Was passt besser zu meinen Finanzen: Miete oder Eigenheim? Wie kann ich 50 Euro monatlich am besten für mein Kind anlegen? Welche Aktienanlagen sind für welchen Typ geeignet? Diese oder andere Fragen können Leser per E-Mail stellen unter ratgeber@svz.de.




 

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