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Ratgeber

19. August 2017 | 17:04 Uhr

Das verkannte Wildgemüse

vom

Rosenow | "Nicht ärgern, sondern essen." Mit diesen Worten beruhigt Ute Alm-Linke Gäste, Freunde oder Bekannte, wenn diese sich wieder einmal über die Giersch-Plage in ihrem Garten aufregen. Für die Inhaberin und Köchin des Gasthofes "De oll Dörpschaul" in Rosenow bei Gadebusch ist das weißblühende Gewächs nämlich kein lästiges Unkraut, das man wegen seiner unterirdischen Triebe nur schwer loswird. Für sie ist es ein wohlschmeckendes Wildgemüse. "Junge Gierschblätter schmecken wie Möhren", beschreibt Ute Alm-Linke das überraschende Geschmackserlebnis. Die Pflanzen enthalten viel Kalium, Vitamim C, Karotin und Eisen und wirken unter anderem gegen Gicht. Deshalb wurde Giersch über Jahrhunderte nicht nur als Gemüse, sondern auch als Heilpflanze gezielt angebaut.

"Die Natur will uns nichts"

Der Giersch ist nur eines von vielen fast vergessenen Wildkräutern, die Ute Alm-Linke wieder in die Küche geholt hat. Damit sie immer schnell Nachschub aus der Natur bekommen kann, wachsen rund um das Gasthaus mehr als 150 verschiedene Kräuter und Pflanzen. Von Echtem Lungenkraut und Breitwegerich über den Guten Heinrich und den Roten Meier bis hin zu Gundermann und Pimpinelle reicht das große Angebot. Am besten geeignet sind immer die jungen Triebe. "In ihnen steckt am meisten Leben", sagt die Köchin, die daraus Gemüsebeilagen, Spinat und Salate zaubert und manchen Gast erst überzeugen muss, dass man solch vermeintliches Unkraut essen kann. "Wir müssen uns erst wieder darauf besinnen, dass die Natur uns nichts will." Nach dem Essen heißt es dann auch oft: "Schade, dass man satt wird."

Bei Ute Alm-Linke kann der Gast mehr, als nur satt werden. "Die Leute können bei mir lernen, wieder unterschiedlichste Geschmacksrichtungen weit weg von Glutamat & Co. wahrzunehmen", sagt die Köchin. "Ich möchte ihnen den Geschmack der Natur und die Vielfalt der Produkte aus ihrer Heimat näherbringen." Dafür hatte sie sich intensiv mit der ursprünglichen Mecklenburger Küche beschäftigt, recherchierte, was am Schweriner Hofe und bei den Herzögen gekocht wurde. "Es gibt so viele Gerichte, aber niemand hat sie aufgeschrieben. Die Rezepte wurden immer von einer Generation an die nächste weitergegeben." Um sich das eine oder andere Rezept für typische Mecklenburger Gerichte zu sichern, hat Ute Alm-Linke mit vielen alten Menschen gesprochen. "Ganz genauso wie früher - mit Unmengen Eiern, Butter und Fett - kann man heute nicht mehr kochen. Deshalb musste ich sehen, wie ich die Gerichte auf die heutige Zeit übertragen und gesünder gestalten kann", erklärt sie.

Regionale Küche auch im Winter möglich

Regional, saisonal und frisch kochen - darauf legt die Rosenowerin viel Wert. Und das geht auch in unseren Breiten das ganze Jahr über. "Früher sind die Menschen doch im Winter auch nicht verhungert", sagt Ute Alm-Linke, die das Gasthaus vor 15 Jahren übernommen hatte. "Einige Kräuter wie das Löffelkraut oder die Postelei wachsen auch im Winter, andere kann man auf der Fensterbank weiter ziehen oder - genauso wie Blüten - trocknen." Auch auf Gemüse muss in der kalten Jahreszeit niemand verzichten. Pastinaken, Rote und Weiße Rüben, Teltower Rüben und Möhren lassen sich einmieten, auch Rot-, Weiß- und Spitzkohl sind im Winter zu haben. "Mit Kräutern und anderen Zutaten kombiniert, kann man da raus tolle Gerichte machen, die einfach und preiswert sind", ist Ute Alm-Linke überzeugt und beweist das auch in ihrer Gaststätte. Allerdings kann (und will) sie ihren Gästen nicht garantieren, dass sie beim nächsten Besuch exakt das gleiche Gericht mit den gleichen Beilagen essen können. "Auf die Speisekarte kann nur, was die Natur gerade hergibt." Was das genau ist, erfährt Ute Alm-Linke jeden Morgen bei ihrem Gang durch den üppigen Kräuter-Blumen-Garten.

Mit ihren Kochkünsten und ihren Kreationen hat es die Rosenowerin immerhin in den Reiseführer "Unbekanntes Deutschland" über die 300 besten Landgasthäuser Deutschlands geschafft - herausgegeben vom "Feinschmecker"-Magazin.

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erstellt am 10.Sep.2010 | 06:18 Uhr

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