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Ratgeber

19. Oktober 2017 | 16:48 Uhr

Tiere : Das sollten Pferdehalter wissen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wie bringen Halter ihre Tiere gesund, fit und ohne Verletzungen durch die kalte Jahreszeit? Tipps rund um Training, Futter und Pflege

Für einen Ausritt im Gelände sind die Wetterbedingungen im Winter oft zu schlecht: Schnee und Eis bergen Gefahren wie versteckte Löcher und ungewollte Rutschpartien. So stehen Pferde viel öfter und länger in der Box als im Sommer. Was können Halter gegen den Bewegungsmangel der Tiere tun? „Es gibt als Alternative Spaziergänge mit dem Pferd an sonnigen Wintertagen, Boden- oder gute Longen-Arbeit“, sagt Alexandra Schatz, Züchterin und Besitzerin von Gut Drebsdorf im Südharz. Und die Pferde sollten täglich auf die Koppel gebracht werden. Denn ohne regelmäßige Bewegung nehmen die Elastizität von Sehnen und Gelenken sowie die allgemeine Kondition ab, so dass es beim nächsten Ausritt zu Sehnenverletzungen, Muskelzerrungen und Gelenksentzündungen kommen kann.

Mit Sportpferden müssen Reiter an der Erhaltung der Muskulatur arbeiten, wenn keine Wettbewerbe stattfinden. „Zirka 80 Prozent der Sportpferde gehen in Winterpause“, sagt Marei Grehl, Referentin des Bayerischen Reit- und Fahrverbands. „Hochleistungspferde – wie Spring- und Dressurpferde – trainieren rund ums Jahr.“ Der Gang auf die Koppel sei für alle Pflicht.

Soll es trotz Eiseskälte ins Gelände gehen, gilt es die Hufe vorzubereiten: „Beschlagene Pferde sollten für Ausritte im Eis und beim Schneekoppel-Gang Grips zwischen Tragrand und Eisen bekommen“, rät Alexandra Schatz. „Diese Kunststoffringe sehen aus wie Dichtungen und verhindern, dass der Schnee im Eisen festklebt und Schneeklumpen bildet.“ Für Ausritte mit Glatteisgefahr eignen sich Schraubstollen, die jedoch wegen der Verletzungsgefahr nach dem Reiten wieder aus dem Eisen geschraubt werden sollten. Bei Ausritten im Schneegestöber empfiehlt sich eine Regen-Nierendecke für das Pferd.

Die Wintermonate gelten auch als hufeisenfreie Zeit. Vorteil: Die Hornstruktur kann sich revitalisieren und der Hufmechanismus ohne Einschränkung arbeiten. Wichtig: Mit der Umstellung sollte bereits im Herbst unter Hinzuziehung eines Hufschmieds begonnen werden.

Ein Muss nach dem Ausritt ist das Trockenreiten, da es beispielsweise Erkältungen vorbeugt. Reiter, die keine Zeit zum Trockenreiten haben, kommen um das Scheren und Eindecken des Tieres nicht umhin.

Geschorene Pferde, die in der Box mit einer Decke warmgehalten werden, dürfen nicht „oben ohne“ nach draußen. Da das Eindecken die Thermoregulation beim Pferd ausschaltet, ist es anfälliger für Krankheiten. Schwitzende Pferde gehören außerdem nicht unter das Solarium. Denn die Wärme weitet die Poren, das Pferd trocknet oberflächlich. Zurück in der Box, kühlt es durch die erweiterten Poren jedoch aus und erkältet sich.

Viele Halter übertragen ihr Komfortverständnis auf die Pferde und verschließen Stalltüren und -fenster vor der Kälte. „Geschlossene Ställe fördern in Kombination mit schlechter Einstreu und Ammoniakdämpfen Viren und Bakterien“, erklärt Clemens Kampmann, Tierarzt für Pferde und Leiter der Tierklinik Wahlstedt (Schleswig-Holstein). „So erhöht die meist schadstoffreiche warme Stallluft das Risiko für eine Bronchitis.“ Um dies zu verhindern, sollte für ausreichende Zufuhr frischer Luft gesorgt sein – ziehen darf es im Stall aber nicht.

Ideal ist eine Offenstallhaltung aus Weide oder Koppel und einem Witterungsstand. Da Pferde nicht so wie Menschen frieren, können sie sogar bei minus 30 Grad 24 Stunden draußen verbringen und die fliegenfreie Winterzeit genießen. Ihre Haut und ihr Unterhautfettgewebe wirken isolierend, und durch ihr atmungsaktives, dichtes Winterfell werden sie geschützt.

Anderes Futter brauchen Pferde im Winter nicht. „Wenn qualitativ hochwertiges, gut abgelagertes Heu gegeben wird, sind alle Stoffe, die das Pferd braucht, enthalten“, erklärt Marei Grehl. Für Sportpferde gilt: „Essen wie ein menschlicher Hochleistungssportler“, so Grehl. „Die Grundration besteht aus Heu und je nach Leistung Hafer – und einem Schuss Sonnenblumenöl.“ Raufutter, also Heu, sollte ständig bereitstehen, da der Energieverbrauch durch den erhöhten Stoffwechsel bei niedrigen Temperaturen steigt. Um zu verhindern, dass die Tiere dick werden und um sie zu beschäftigen, können Heunetze aufgehängt werden.

Kraftfutter bekommen die Tiere besser reduziert, um in der bewegungsärmeren Winterzeit eine Überfütterung mit Eiweiß und Koliken zu vermeiden. Außerdem sollten Halter auf frostsichere Tränken achten.

Autorin: Ulrike Haverkamp

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