Damit die Spenden auch ankommen

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15. Dezember 2010, 10:17 Uhr

In der Vorweihnachtszeit quillt der Briefkasten vor Spendenaufrufen fast über. Nicht jeder ist seriös. Ein schlechtes Gewissen oder Mitleid sollte niemanden zum Spenden veranlassen. "Wichtig ist, sich das Heft nicht aus der Hand nehmen zu lassen", sagt Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI) in Berlin. Vorsicht sei bei Sammlungen in der Fußgängerzone geboten.

In den meisten Bundesländern gebe es kein Sammlungsgesetz mehr. Das bedeutet: "Jeder der will, kann sich mit einer Dose in die Innenstadt stellen", erklärt Wilke. Gerade in der Vorweihnachtszeit werde das häufig von unseriösen Sammlern ausgenutzt. Wer spenden möchte, sollte sich daher den Sammelausweis zeigen lassen und darauf achten, dass die Geldbüchse verplombt ist, empfiehlt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg. Am besten sei, sich vorher zu überlegen, wo das Geld helfen soll, sagt Wilke: "Man sollte nicht warten, bis man unvorbereitet angesprochen wird." Zunächst sollten sich Spendenwillige daher fragen, welcher Zweck sie anspricht: Ist es Tierschutz, Entwicklungshilfe oder Bildung? Bei der Suche nach einer seriösen Organisation hilft ein Spendensiegel.

Das DZI hat an 270 Organisationen mit einem Sammlungsaufkommen von insgesamt 1,6 Milliarden Euro ein Siegel vergeben. Beim Recherchieren hilft auch der Spendenalmanach, den das Institut einmal im Jahr herausgibt. "Das ist für Menschen interessant, die dauerhaft spenden oder eine größere Spende machen wollen", sagt Wilke. Jede Organisation wird ausführlich beschrieben.

Doch auch wenn eine Organisation kein Siegel hat, braucht sie nicht sofort abgeschrieben werden. "Auch kleine Vereine leisten gute Arbeit", sagt Rehberg. Nur muss sich dann jeder selbst schlau machen: "Wenn sie seriös sind, gewähren sie einem auch einen Einblick in die Arbeit." Auch die Internetseite einer Organisation kann helfen, einen Eindruck zu bekommen. Hier sollte der jüngste Jahresbericht veröffentlicht sein. "Wird kein Jahresbericht ausgehändigt und gibt es auch sonst keine Möglichkeit, über eine Kontaktadresse Fragen zu stellen und wird dann noch Druck auf einen ausgeübt, sollte überlegt werden, einer anderen Organisation die Spende zukommen zu lassen", sagt Daniela Felser, Geschäftsführerin des Deutschen Spendenrats in Berlin.

Ist eine vertrauenswürdige Organisation gefunden, gibt es verschiedene Arten des Spendens: freie Geldspenden, zweckgebundene Geldspenden oder Sachspenden. "Geldspenden sind besser, weil sie flexibler einsetzbar sind", erklärt Wilke. Wichtig ist bei Geldspenden allerdings: "Man sollte sich nicht verzetteln." Besser sei es, einmal 100 Euro zu spenden, als zehn Organisationen jeweils 10 Euro. Denn jede Spende löse Verwaltungskosten aus, die dann wieder dem guten Zweck entgegenstehen. Zweckgebunde Geldspenden sind meist nur in bestimmen Katastrophenfällen erwünscht. "Was nützt es, wenn zum Beispiel ein hoher zweckgebundener Betrag für Lebensmittel bereitsteht, derzeit aber dringend Medikamente benötigt werden?", fragt Felser.

Sachspenden nehmen Organisationen nur in Ausnahmefällen an. Oft sind die Transportkosten zu hoch. Aber: "Bei einer Spende an eine Hilfsorganisation, die in einem Entwicklungsland bereits tätig ist, entfallen die hohen Transportkosten", sagt Felser. Allerdings sind meistens die benötigten Waren vor Ort billiger. Und die einheimische Wirtschaft wird zusätzlich noch unterstützt. Grundsätzlich ist es auch möglich, einem Nachbarn, der gerade mit seinem Bus nach Afrika fährt, Sachspenden mitzugeben. "Der Nachbar wird im Zweifel aber nicht über die erforderlichen Sprachkenntnisse verfügen", sagt Felser. Bei einer gemeinnützigen Organisation, die sich darauf spezialisiert hat, gebe es diese Hürde nicht.

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