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Ratgeber

22. November 2017 | 16:14 Uhr

Damit der letzte Wille tatsächlich gilt

vom

svz.de von
erstellt am 07.Mär.2012 | 11:52 Uhr

Wir sind beide Hauseigentümer und wollen ein Berliner Testament errichten. Wir haben nur einen gemeinsamen Sohn. Reicht es aus, das Testament handschriftlich zu erstellen?
Gehört ein Grundstück zum Nachlass, ist es immer besser, das Testament beim Notar zu errichten, da das notarielle Testament den Erbschein überflüssig macht und dem Sohn das langwierige Erbscheinverfahren erspart bleibt und er nach dem Erbfall mit dem eröffneten Testament sofort handlungsfähig ist. Wollen Sie sich zunächst gegenseitig absichern, so sollten Sie sich im Testament gegenseitig zu Erben einsetzen und den Sohn zum Schlusserben bestimmen. Der Sohn hat dann jedoch nach dem Ableben des ersten Elternteiles einen Pflichtteilsanspruch. Diesem kann vorgebeugt werden durch einen Pflichtteilsverzicht, der zur Wirksamkeit beim Notar beurkundet werden muss.

Was kostet ein Testament beim Notar?
Die Gebühren sind gesetzlich geregelt und bei allen Notaren gleich. Sie hängen vom Vermögen (nach Abzug aller Verbindlichkeiten) des Testierenden ab. Ein Beispiel: Bei einem Vermögenswert von 120 000 Euro kostet ein Einzeltestament zirka 260 Euro, Ehegatten zahlen für ein gemeinschaftliches Testament zirka 510 Euro. Liegt der Vermögenswert bei 180 000 Euro so kostet ein Einzeltestament zirka 350 Euro und ein gemeinschaftliches Testament zirka 700 Euro. Hinzu kommen jeweils noch die Mehrwertsteuer sowie Schreibgebühren. Für den Pflichtteilsverzicht ist ein extra Vertrag erforderlich.

Wir sind verheiratet und haben drei gemeinsame Kinder. Was passiert, wenn kein Testament vorliegt?
Haben die Erblasser kein Testament errichtet, regelt das Gesetz, wer Erbe wird. Leben die Eheleute im gesetzlichen Güterstand, erbt der Ehegatte die Hälfte des Nachlasses des Verstorbenen, die andere Hälfte erben die Kinder gemeinsam. Wer das nicht möchte, muss ein Testament errichten und etwas anderes bestimmen.

Meine Frau und ich haben gemeinsam ein Haus erworben. Ich habe ein Kind aus erster Ehe. Wie können wir verhindern, dass das Kind einen Pflichtteil erhält?
Den Pflichtteilsanspruch von Kindern kann man nicht beseitigen. Allerdings ist es möglich, den Wert des Pflichtteils zu reduzieren. Hier sollte man genau überlegen, wie das Testament zu gestalten ist, damit der Nachlass des Mannes gering bleibt. Ein Berliner Testament wäre hier ungünstig. Auch eine Übertragung des Hausanteils des Mannes an die Ehefrau hilft hier nicht weiter, da die zehnjährige Frist (nach deren Ende die Schenkung beim Nachlass nicht mehr berücksichtigt wird) bei Eheleuten erst nach Auflösung der Ehe zu laufen beginnt. Lassen Sie sich beim Notar beraten.

Mein Mann und ich haben keine gemeinsamen Kinder, aber mein Mann hat zwei Kinder aus der Vorehe. Ich bin Hausfrau und trage wenig zum Vermögen bei, daher möchte ich nicht, dass die Kinder meines Mannes leer ausgehen. Was passiert, wenn ich zuerst versterbe?

Versterben Sie zuerst, dann erbt Ihr Ehemann zu drei Viertel, da Sie keine Kinder haben. Das andere Viertel erben Ihre nächsten Verwandten. Sie sollten daher unbedingt ein Testament errichten. Stirbt der Mann zuerst, erben Sie nach dem Gesetz die Hälfte und die beiden Kinder Ihres Mannes die andere Hälfte. Zu Ihrer Absicherung bietet sich ein Berliner Testament an, in dem Sie sich gegenseitig zu Erben einsetzen und die Kinder des Mannes zu Schlusserben bestimmen.

Wir haben ein notarielles Testament, der eine darin benannte Erbe ist verstorben. Können wir das Testament handschriftlich ergänzen?
Ja, das ist möglich. Versehen Sie diese Ergänzung mit Ort und Datum und geben Sie sie in die Verwahrung beim Nachlassgericht. Nicht zu empfehlen ist, weitere inhaltliche Ergänzungen vorzunehmen, da das gesamte Testament damit oftmals nicht mehr stimmig oder sogar widersprüchlich wird und vom Nachlassgericht später eine Auslegung erfolgen muss, die nicht in Ihrem Sinne ist. Besser ist es daher, die Ergänzung beim Notar vornehmen zu lassen.

Vor Jahren haben mein Mann und ich ein Berliner Testament erstellt, ohne Schlusserben zu bestimmen. Kann ich das Testament jetzt nach dem Tod meine Mannes ändern? Ich möchte dem Sohn mehr aus dem Erbe zukommen lassen, denn die Tochter kümmert sich nicht um uns.
Ja, das ist möglich, da Sie in dem Testament keine Schlusserben festgelegt haben. Wäre dies der Fall, so wären Sie an den gemeinsamen Willen gebunden und könnten das Testament nur ändern, wenn dies ausdrücklich im Testament so bestimmt wird.

Kann ich auch meine Enkelkinder im Testament zu Erben einsetzen?
Ja, das ist möglich. Bedenken Sie aber, dass Ihre Kinder dann einen Pflichtteilsanspruch haben, der sich gegen die Erben richtet. Um dies auszuschließen, können die Kinder einen Pflichtteilsverzicht vor dem Notar erklären. Oftmals sind sie gegen Zahlung eines Ausgleiches dazu bereit. Sie können so sicher sein, dass der Familienfrieden bewahrt bleibt.

Wir sind nicht verheiratet und wollen ein Berliner Testament errichten. Geht das?
Nein, das wäre unwirksam, weil nur Eheleute ein gemeinschaftliches Testament errichten dürfen. Sie haben aber die Möglichkeit, einen Erbvertrag in notarieller Form abzuschließen, der dieselben Gestaltungsmöglichkeiten wie ein gemeinschaftliches Testament bietet.

Mein Mann hat einen Sohn in die Ehe mitgebracht, gemeinsam haben wir zwei Kinder. Der Sohn meines Mannes ist verstorben, hinterließ aber ein Kind, zu dem wir keinen Kontakt haben. Wie ist die Erbfolge, wenn mein Mann zuerst verstirbt?
Hier erbt nach dem Gesetz die Ehefrau zur Hälfte, die andere Hälfte erben die beiden gemeinsamen Kinder und das Enkelkind – das an die Stelle des verstorbenen Sohnes tritt – gemeinsam. Verstirbt die Ehefrau, hat dieses Enkelkind kein Erbrecht. Wenn das Enkelkind nicht erben soll, sollten Sie ein Testament errichten, in dem Sie nur die gemeinsamen Kinder zu Schlusserben bestimmen. Das Enkelkind hat dann einen Pflichtteilsanspruch, der nur die Hälfte des gesetzlichen Erbteiles beträgt und ein Anspruch auf Zahlung von Geld ist.

Meine Tochter ist verheiratet und hat keine Kinder. 1987 haben wir ihr unser Haus überschrieben. Wer erbt dieses Haus, wenn die Tochter verstirbt? Ich möchte nicht, dass meine Geschwister es bekommen.
Sind keine Abkömmlinge vorhanden, erben nach dem Gesetz die Eltern. Sind diese schon vorverstorben, erben die nächsten Verwandten, in diesem Fall Ihre Geschwister. Die Tochter sollte ein Testament errichten und einen Erben bestimmen. Das trifft auch für Sie zu für den Fall, dass die Tochter vor Ihnen verstirbt. Ihre Geschwister haben dann keine Ansprüche, da Geschwister nicht pflichtteilsberechtigt sind.


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