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Für Allergiker hat die Leidenszeit begonnen : Brennende Augen und Schnupfnase

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Die Nase trieft, die Augen brennen, eine Niesattacke jagt die andere - für Heuschnupfengeplagte hat die unangenehme Zeit des Jahres begonnen. "Hasel- und Erlenpollen fliegen schon", sagt Biologin Anja Schwalfenberg.

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erstellt am 18.Mär.2011 | 06:50 Uhr

Die Nase trieft, die Augen brennen, eine Niesattacke jagt die andere - für Heuschnupfengeplagte hat die unangenehme Zeit des Jahres begonnen. "Hasel- und Erlenpollen fliegen schon", sagt Anja Schwalfenberg, Biologin beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). Mit den steigenden Temperaturen sei die Zahl der umherfliegenden Pollen dieser früh blühenden Bäume gestiegen, schwanke aber je nach Region und Witterung. Wer sich derzeit mit schmerzhaft juckenden Augen, Dauerniesen, einer ständig laufenden Nase, Schlafstörungen oder sogar Atemnot herumplagt, sollte eine Allergie als Ursache in Betracht ziehen. Um das abzuklären, sollten Betroffene zum Arzt gehen, riet der DAAB, zumal bis zu 40 Prozent der Menschen mit einem allergischen Schnupfen auch Asthma bekommen können.

Abends duschen und besser nachts lüften

Das Leiden lässt sich in vielen Fällen schon lindern, indem der Allergiker ein paar Alltagsgewohnheiten ändert. So sollte man zum Beispiel nur nachts oder am frühen Morgen kräftig lüften, weil dann weniger Pollen in der Luft sind. Wer das Fenster den ganzen Tag über angekippt hat, gewährt den winzigen Plagegeistern ständig Zutritt. Um die Pollen loszuwerden, ist es gut, häufiger die Haare zu waschen und jeden Abend kurz zu duschen. Kleidung, die am Tage getragen wurde, sollte außerhalb des Schlafzimmers abgelegt werden. Wer in sein Auto einen Pollenfilter einbaut, verschafft sich ebenfalls Erleichterung. Das Gleiche gilt für den Staubsauger. Ausgedehnte Spaziergänge oder Sport sollten Allergiker nicht in der Hauptflugzeit planen. Am wenigsten Pollen sind nach einem Regenguss unterwegs.

Die Symptome lassen sich außerdem medikamentös behandeln. Augentropfen, Nasenspray und Antihistaminika in Tablettenform verschaffen Linderung. Allerdings kann Nasenspray die Schleimhäute austrocknen. Deshalb empfehlen Experten stattdessen regelmäßige Spülungen mit einer Nasendusche. Für die Hyposensibilisierung, die es mittlerweile auch in Tropfenform gibt, ist es jetzt schon zu spät. Sie sollte idealerweise in der heuschnupfenfreien Zeit erfolgen. Dabei werden dem Patienten in sehr geringen Dosierungen Bestandteile der Pollen zugeführt, auf die er allergisch reagiert. Ziel ist es, den Körper an die Allergene zu gewöhnen und ihn auf Dauer unempfindlich zu machen. "Die Behandlung dauert zwischen drei und fünf Jahren", erklärt DAK-Ärztin Elisabeth Thomas. "Doch diese Behandlung hat eine Erfolgsrate von 80 Prozent." Meist würden die Betroffenen schon in der ersten Saison von der Therapie profitieren.

Während die Pollenflugsaison generell immer länger wird, ist die Natur gegenüber dem Pollenflugkalender in diesem Jahr um zwei bis drei Wochen im Rückstand. Grund ist die relativ lange Kälteperiode. Sie hatte den Allergikern eine längere Atempause verschafft. Die Pollen der Birke, auf die besonders viele Menschen allergisch reagieren, sind bislang noch nicht in der Luft. Sie verbreiten sich schnell und heftig - geradezu "überfallartig", sagt der Allergologe Horst Müsken aus Bad Lippspringe. Die Hauptsaison für die Birkenpollen dauert in der Regel von April bis Anfang Mai. Zum Schluss kommen die Gräser, die bis in den Oktober hinein Beschwerden bereiten können. Neu hinzugekommen ist die ursprünglich aus Nordamerika stammende Pflanze Am brosia, Beifußblättriges Traubenkraut, die starke Allergien auslöst. Wo gerade welche Pollen unterwegs sind, können Allergiker tagaktuell im Internet unter dwd.de/pollenflug verfolgen.

"Wir schulen unser Immunsystem nicht mehr"

Bundesweit leiden nach Schätzungen mehr als 20 Millionen Menschen unter einer mehr oder weniger starken Allergie, so der DAAB. Tendenz steigend. Etwa die Hälfte davon geht auf das Konto von Pollen. Für den Allergologen Claus Kroegel vom Universitätsklinikum Jena hängt der Boom allergischer Erkrankungen wesentlich mit dem Lebensstil zusammen. "Wir schulen unser Immunsystem nicht mehr, schirmen unsere Kinder von Krankheitskeimen ab und essen Nahrungsmittel voller Konservierungsstoffe, die die natürliche Darmflora verändern." Außerdem sorge die immer bessere Wärmedämmung in den Wohnungen für eine höhere Konzentration von allergieauslösenden Substanzen, etwa in Teppichböden. "Früher herrschte Luftzug in den Häusern, heute ist alles abgedichtet."

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