Job & Karriere : Wie Firmen Mitarbeiter binden

In der großen Gemeinschaftsküche kommen Mitarbeiter des Start-ups Wooga in Berlin beim Kochen ins Gespräch.
In der großen Gemeinschaftsküche kommen Mitarbeiter des Start-ups Wooga in Berlin beim Kochen ins Gespräch.

Vom Personal-Trainer über den Essens-Zuschuss bis zur Umsatzbeteiligung: Betriebe lassen sich einiges einfallen.

svz.de von
14. November 2015, 16:00 Uhr

Einen Zuschuss zum Essen in der Kantine oder zum Handyvertrag: Solche Extras kennen viele. Inzwischen gehen einige Firmen jedoch weit darüber hinaus. Hier kommen Beispiele, wie Arbeitgeber Mitarbeiter an sich binden.

> Unternehmensbeteiligung: Das Berliner Start-up Ally beschäftigt 40 Mitarbeiter. Ihre App Ally zeigt Nutzern, auf welchem Weg sie von A nach B gelangen – und welche Verkehrsmöglichkeit die schnellste ist. Der Gründer Tom Kirschbaum und sein Partner möchten, dass die Beschäftigten unternehmerisch denken. Außerdem können sie nicht so hohe Gehälter zahlen wie etablierte Firmen. Sie haben sich deshalb für einen Employee Stock Option Plan (Esop) entschieden. Esops sind Firmenbeteiligungen: Wer sechs Monate dabei ist, erwirbt seine erste Belegschaftsaktie und so fort. 15 Prozent der Anteile an der Firma gehören den  Mitarbeitern. Stimmrechte bei der Unternehmensentwicklung haben sie nicht. Die Idee: Wird die Firma aufgekauft oder geht an die Börse, sind die Angestellten am Profit beteiligt.

> Umsatzbeteiligung: Ein etwas anderes Konzept hat der Bauunternehmer Krieger und Schramm aus Dingelstädt bei Erfurt. Die Firma hat 75 Mitarbeiter und realisiert zum Beispiel größere Wohnanlagen. Das Unternehmen schüttet seit 2011 zehn Prozent des Jahresgewinns an die Mitarbeiter aus. 2014 hatte dadurch jeder rund 1700 Euro brutto mehr am Jahresende in der Tasche. Die Umsatzbeteiligung soll die Angestellten dazu motivieren, unternehmerisch zu denken und kostensparend zu arbeiten. Das Weihnachtsgeld wurde im Gegenzug gestrichen – für die Mitarbeiter bislang aber kein schlechter Deal.

> Gesundheitsprävention: Viele Firmen suchen händeringend Ingenieure. Das ist für das Ingenieurbüro Arinko aus Stuttgart ein großes Problem. Als Mittelständler mit 40 Angestellten kann die Firma nicht so viel zahlen wie die großen Namen Daimler und Bosch in der Region. Außerdem sucht Arinko Zeitarbeiter – für viele Ingenieure ist das nicht besonders attraktiv. Die Geschäftsführung tut für ihre Mitarbeiter deshalb viel im Bereich Gesundheit. Seit kurzem hat sie sogar einen Personal Trainer engagiert.

„Jeder Mitarbeiter kann bis zu zehn Stunden pro Jahr mit ihm vereinbaren“, erzählt Geschäftsführerin Susanne Seibold. Außerdem erstellt der Trainer auf Wunsch einen Fitness-Plan. Seit 2015 gibt es auch einen Fitness-Raum im Unternehmen.

>Weiterbildungsmöglichkeiten: Bei Zausinger in München suchen sie dringend nach guten Elektronikern in der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik. Die Firma ist ein Handwerksunternehmen in der dritten Generation mit rund 170 Mitarbeitern. Um Fachkräfte zu halten, investiert das Unternehmen in Weiterbildungsmöglichkeiten. „Jeder Mitarbeiter bekommt pro Jahr die Teilnahme an zehn Stunden in freien Kursen zur Persönlichkeitsentwicklung gesponsert“, erläutert Sabine Hempel, Leiterin der Personalentwicklung. Dazu zählt etwa ein Hypnosekurs, um sich das Rauchen abzugewöhnen oder Gewicht zu reduzieren. Besonders gefragt sei derzeit ein Seminar zum Thema Resilienz, also zur Widerstandsfähigkeit.

> Eigenverantwortung: Wooga ist ein Software-Unternehmen mit fast 300 Mitarbeitern in Berlin. In der Firma wurden Smartphone-Spiele wie „Pearl’s Peril“ oder „Agent Alice“ entwickelt. „In der Tech-Branche haben wir einen Arbeitnehmer-Markt“, erklärt Pressesprecherin Marie-Blanche Stössinger. Firmen aus der ganzen Welt konkurrieren um wenige Entwickler. Die Mitarbeiter von Wooga kommen aus 42 Ländern. Altersdurchschnitt: 30 Jahre. Um sie zu halten, bietet das Start-up zum Beispiel für Eltern einen Notfall-Babysitter-Dienst an sowie eine Kooperation mit einem Kindergarten. Ausländische Mitarbeiter können kostenlose Deutsch-Kurse nutzen. Hinzu kommen regelmäßige Partys. Im Büro steht eine riesige, offene Küche, in der die Mitarbeiter gemeinsam kochen können. „Doch vor allem bieten wir an, eigenverantwortlich zu arbeiten“, so Stössinger. Ihrer Mitarbeiterklientel seien zwei Dinge besonders wichtig: persönliche Weiterentwicklung und eigenverantwortliches Arbeiten.

Kristin KruthauP

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen