Pisa-Studie : Was bringt der PC im Unterricht?

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Erste Pisa-Studie der OECD über digitale Kompetenz / Tolle Computer-Ausstattung alleine führt noch nicht zu besseren Leistungen

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16. September 2015, 06:30 Uhr

Man drücke einem Schüler ein Tablet in die Hand, stelle jedem in der Klasse einen Computer mit Internet-Verbindung zur Verfügung – und die Jugendlichen lernen quasi von selbst, im Netz zu surfen und glaubwürdige Quellen herauszufiltern? So einfach ist es nicht, wie eine neue Pisa-Studie der OECD zeigt, die gestern in Paris vorgestellt wurde. Ihre Forscher haben in 31 Ländern den Zusammenhang zwischen der technologischen Ausstattung und der Nutzung neuer Medien an Schulen einerseits und der digitalen Kompetenzen der 15-jährigen Schüler andererseits ermittelt. Und dieser ist erstaunlich gering. So kommen in Südkorea und Singapur Computer verhältnismäßig wenig als Unterrichtshilfe zum Einsatz. Doch gerade dort können Jugendliche Online-Inhalte besonders geschickt verarbeiten, schneiden aber auch gut im Lesen, Rechnen und in Naturwissenschaften ab. „Das zeigt, dass viele Kompetenzen, die für das Navigieren im Netz nützlich sind, auch mit klassischen pädagogischen Techniken erworben werden können“, folgern die Autoren.

In anderen Ländern, die viel in IT-Technologien in Schulen investiert haben, weisen die Schüler keine besseren Leistungen beim digitalen Lesen und Navigieren im Netz auf. Bei sehr häufigem Einsatz von Computern gingen diese sogar zurück. Gute Ausstattung alleine bringt demnach wenig, wenn die digitalen Möglichkeiten nicht genutzt werden. „Die Schulsysteme müssen die moderne Technologie effektiver in den Unterricht einbauen und die Kinder mit Kompetenzen des 21. Jahrhunderts ausstatten, die sie brauchen, um in der Welt von morgen zu bestehen“, mahnt OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher.

Was für die Schule gilt, trifft auch für die Computer-Nutzung zu Hause zu: Im Jahr 2012 hatten zwar 96 Prozent der 15-jährigen Schüler in den untersuchten Ländern Zugang zu einem Gerät mit Internet-Verbindung. Aber gerade in Europa mangelt es an den Fähigkeiten, mit Online-Inhalten umzugehen. Deutlich besser ausgeprägt sind diese zuum Beispiel in Australien, Kanada, Korea, Singapur und den USA. Deutschlands Schulen waren 2012 einer Sonderauswertung zufolge vergleichsweise schlecht mit IT ausgestattet: Unter 34 untersuchten Ländern nahm es den 28. Platz ein, da sich hierzulande vier Neuntklässler einen Rechner teilen, während es in Ländern wie Großbritannien, Norwegen oder Estland nahezu ein Gerät pro Schüler gibt.

In ihrer Freizeit sitzen junge Deutsche aber viel vor dem PC: An einem Wochenend-Tag sind es im Schnitt mindestens zwei Stunden und 24 Minuten. Neun Prozent der 15-Jährigen verbringen sogar mehr als sechs Stunden pro Tag vor allem mit Musik, Videos, Spielen und Chats – diese Vielnutzer kommen oft aus sozial benachteiligten Familien. Jene mit höherem sozio-ökonomischem Status verwenden das Internet nicht nur seltener, sondern auch mehr zum Lesen von Nachrichten oder zur Suche nach praktischen Informationen.

Zu den Schlüssen der Studie gehört die Mahnung, mehr soziale Gerechtigkeit in den Schulsystemen herzustellen und gerade auch schwache Schüler deutlicher zu fördern. Haben fast alle 15-Jährigen in den untersuchten Ländern Zugang zum Netz, so profitieren sie bei Weitem nicht gleich von den Möglichkeiten, die es bietet. Ohne entsprechende Ausbildung sind viele den Risiken umso stärker ausgeliefert – von Online-Betrug über Mobbing bis zu Schlafmangel aufgrund durchgespielter Nächte. 

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