Ratgeber : So wichtig ist Schlagfertigkeit im Job

Immer den richtigen Spruch parat: Das wünschen sich viele Mitarbeiter.
Immer den richtigen Spruch parat: Das wünschen sich viele Mitarbeiter.

Kollegen klopfen Sprüche, doch die passende Antwort fällt einem nicht ein – Übung kann helfen

svz.de von
12. März 2016, 16:00 Uhr

„Wie wird man eigentlich so arrogant?“ „Viel Übung, so ein zwei Stunden am Tag nehm’ ich mir schon dafür.“ Fans von „Doctor’s Diary“ lieben die TV-Serie für solche Wortgefechte. Und viele Arbeitnehmer wünschen sich, in peinlichen oder unangenehmen Situationen im Job ähnlich schnell und witzig reagieren zu können. Kein Wunder, dass sich im Netz unzählige Patentrezepte dafür finden – von Seminaren bis zu Sprüchesammlungen auf CD.

Matthias Nöllke sieht das eher kritisch. Dabei sei der Wunsch nach mehr Schlagfertigkeit durchaus berechtigt, sagt der Experte. Schließlich habe es durchaus berufliche Konsequenzen, wenn man keine hat. „Wenn ich nicht schlagfertig reagiere, verliere ich an Souveränität und Würde, damit geht mein Selbstbewusstsein in den Keller“, erklärt Nöllke, der mehrere Bücher zu Kommunikation im Job geschrieben hat. „Und das hat Auswirkungen auf mein Auftreten.“ Den Begriff definiert der Experte so: „Schlagfertigkeit bedeutet, in einer Situation, in der meine Souveränität bedroht ist, diese wiederherzustellen.“ Dafür braucht es nicht immer einen schnellen Witz. Denn den einen Spruch, der eine blöde Situation sofort auflöst, gibt es selten. „Es hilft aber meistens, irgendetwas zu sagen“, erklärt Nöllke. „Selbst wenn man mit einem „Dazu fällt mir nichts ein“ die eigene Sprachlosigkeit thematisiert, ist das besser als Schweigen.“ Welche Form der Schlagfertigkeit an einem Arbeitsplatz gefragt ist, hängt natürlich von der Betriebskultur ab. „In japanischen Konzernen ist es zum Beispiel wichtig, dass man einfach zuhört“, erzählt Christa Stienen. Sie ist Vizepräsidentin beim Bundesverband der Personalmanager (BPM). „Anderswo müssen sie eher eine gewisse Lockerheit ausstrahlen, um ins Team zu passen.“

Grundsätzlich kann Schlagfertigkeit schon im Bewerbungsgespräch eine große Hilfe sein, sagt die Personalerin: „Natürlich ist es viel amüsanter, wenn jemand schnell antwortet und man auch einmal gemeinsam lachen kann.“ Entscheidend sei das aber nur bei bestimmten Jobs: Wer zum Beispiel im Vertrieb arbeitet, muss kommunizieren können – und sollte das auch im Bewerbungsgespräch beweisen. „Es gibt aber auch Positionen, wo es eher auf wohlüberlegtes Handeln ankommt, nicht auf Witz und Schnelligkeit“, sagt Stienen. Sie rät daher: Im Zweifelsfall lieber nicht verstellen, sondern authentisch bleiben. „Wer zu Beginn nervös ist, soll das ruhig sagen und keine Souveränität vorspielen“, rät sie.

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