Studie : So sieht Maschinenbau 4.0 aus

Mehr als fünf Millionen Arbeitsplätze könnten bis 2020 durch Industrie 4.0 vernichtet werden – aber es entstehen auch neue.
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Mehr als fünf Millionen Arbeitsplätze könnten bis 2020 durch Industrie 4.0 vernichtet werden – aber es entstehen auch neue.

Wie steigen die Anforderungen? Was müssen Beschäftigte können? Eine aktuelle Studie gibt Antworten auf wichtige Fragen

svz.de von
03. Juni 2016, 21:00 Uhr

Roboter, selbstlernende Maschinen, kommunizierende Bauteile: Wo bleibt der Mensch, wenn Arbeitsbereiche automatisiert werden und intelligente Maschinen die Fertigung übernehmen? Nach einer Studie des Weltwirtschaftsforums in Davos könnten bis 2020 weltweit mehr als fünf Millionen Arbeitsplätze durch Industrie 4.0 vernichtet werden. Andere sagen gar einen Verlust von 50 Prozent der Jobs voraus. „Wir haben in der Vergangenheit keinen Zusammenhang zwischen Automatisierung und Jobverlust festgestellt“, hält Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Maschinenbauverbandes VDMA dagegen.

Im Gegenteil: „Durch die Automatisierung werden neue Berufsbilder entstehen“, sagt Rauen. Die Digitalisierung hat in der mittelständisch geprägten Schlüsselindustrie mit mehr als einer Million Beschäftigten bereits Einzug gehalten. So können Kunden Anforderungen an Produkte im Netz festlegen, die Daten fließen in die Gestaltung, Planung und Produktion beim Hersteller ein.

In manchen Maschinenbau-Unternehmen helfen Technologien, die Beschäftigte am Körper tragen, sogenannte Wearables, bei der Montage. Ein smarter Handschuh meldet auf einem Display, wenn das falsche Teil montiert wird. Dennoch ist die Zahl der Beschäftigten beim größten industriellen Arbeitgeber Deutschlands in den letzten Jahren gestiegen.

Auch bei deutschen Mittelständlern wächst nach anfänglicher Skepsis die Zuversicht. Nach einer Befragung im Auftrag der Commerzbank erwarten inzwischen lediglich 8 Prozent der Unternehmen negative Effekte für die Beschäftigung durch die Digitalisierung. Im vergangenen Jahr waren es noch 40 Prozent. 43 Prozent der Firmen rechnen mit einem steigenden, 48 Prozent mit einem gleichbleibenden Personalbestand.

Das Fazit: Der Bedarf an Fachleuten dürfte weiter steigen. Die eher einfacheren, standardisierten Tätigkeiten könnten dagegen zunehmend von vernetzten Maschinen erbracht werden. Doch wie qualifiziert sind die Beschäftigten tatsächlich für den rasanten Wandel? Die Maschinen- und Anlagenbauer wollten es genauer wissen.

Eine Studie der Universität Hohenheim im Auftrag des VDMA bescheinigt den Beschäftigten der exportorientierten Branche eine hohe formale Qualifikation. 96,3 Prozent der Mitarbeiter haben mindestens eine berufliche Ausbildung. Nur 3,7 Prozent haben keinen Berufsabschluss, bei allen Beschäftigten in Deutschland sind 6,9 Prozent. „Die sehr gute formale Qualifikation ist ein extremer Vorteil“, sagt die Leiterin der Studie, Sabine Pfeiffer.„Die Belegschaften sind gut aufgestellt und mit komplexen Prozessen und Veränderungen vertraut“, sagt auch Jörg Friedrich Leiter der Abteilung Bildung beim VDMA. „Die für Aus- und Weiterbildung Zuständigen in den Betrieben sollten jedoch früher mit einbezogen werden, wenn es um neue Produktionsprozesse und Strategien im Zuge von 4.0 geht“.

Verlierer des Wandels könnte aus Sicht der befragten Unternehmen der Meister werden. Sie erwarten, dass seine Bedeutung sinken wird. Eine Einschätzung, die Pfeiffer so nicht teilt: „Der Meister ist wichtig als ,Scharnier’ zwischen Facharbeiter und Ingenieur. Diese Funktion wird in Zeiten von 4.0 noch an Bedeutung gewinnen.“ Im Maschinenbau dominieren der Studie zufolge die klassischen Metallberufe und der Mechatroniker. Aus Sicht der Experten ist vor allem der Job des Produktionstechnologen für die Anforderungen von 4.0 geeignet. Seine Aufgabe ist es, den gesamten Prozess von der Entwicklung eines Produktes, über die Herstellung bis zur Auslieferung im Auge zu behalten. Bisher bilden 10 Prozent der Unternehmen Produktionstechnologen aus, die Berufsschulen Baden-Württembergs und in Thüringen bieten die Qualifikation an. Der VDMA wirbt dafür, dass die Berufsschulen anderer Bundesländer das Thema aufgreifen.

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