Träume vom Berufserfolg : So jung und schon Firmen-Chef

Liebe zum Produkt: Frederic Böert (hinten links) und Vincent Brass (vorne rechts) beschäftigen in ihrem Start-up Muun inzwischen mehrere Mitarbeiter.
Foto:
Liebe zum Produkt: Frederic Böert (hinten links) und Vincent Brass (vorne rechts) beschäftigen in ihrem Start-up Muun inzwischen mehrere Mitarbeiter.

Viele Absolventen und Berufseinsteiger träumen vom eigenen Unternehmen – doch die Chancen auf Erfolg sind nicht besonders hoch.

svz.de von
28. März 2016, 16:00 Uhr

Der ideale Gründer, den Tobias Kollmann beschreibt, klingt wie ein moderner Superheld. „Er muss davon überzeugt sein, etwas bewegen zu können“, sagt der Professor für Betriebswirtschaftslehre (BWL) und Wirtschaftsinformatik an der Universität Duisburg-Essen. „Er braucht die Robustheit, um Fehlschläge wegstecken zu können. Er muss risikofreudig handeln, ohne ein Spieler zu sein. Er braucht Kommunikations-, Führungs- und Präsentationsfähigkeiten.“ Ein echtes Multitalent also. Oder anders gesagt: Die sprichwörtliche eierlegende Wollmilchsau.

Trotz der hohen Ansprüche entscheiden sich viele Menschen für die Gründung eines eigenen Unternehmens, zum Beispiel in Großstädten wie Berlin und Hamburg mit ihren internetaffinen Start-up-Szenen. Gerade in dieser Branche sind die Gründer oft sehr jung. Das Durchschnittsalter der Start-up-Gründer, die die Unternehmensberatung KPMG für ihren „Deutscher Startup Monitor 2015“ befragt hat, liegt bei knapp 35 Jahren. Die Daten von 1061 Start-up-Unternehmern flossen in die Untersuchung mit ein.

Oft sind die jungen Existenzgründer keine Einzelkämpfer. „Wegen der vielen Anforderungen gibt es häufiger Teamgründungen“, sagt Tobias Kollmann. So war es auch bei Vincent Brass und Frederic Böert, die gemeinsam hinter dem Unternehmen Muun stecken. Im Gegensatz zu vielen anderen Start-ups existiert Muun nicht nur im Netz, sondern auch als Ladengeschäft in Berlin-Mitte. Dort verkaufen die beiden jungen Gründer mit ihren inzwischen sechs Mitarbeitern nur ein einziges Produkt: Eine Matratze, deren Materialien und Oberflächen Käufer selbst zusammenstellen dürfen.

Keine App also, keine wolkige Plattform, sondern nur eine spezifische Idee. Von der die Muun-Gründer aber offensichtlich überzeugt sind. „Du musst das Produkt selbst lieben und von Grund auf verstehen“, sagt Frederic Böert. „Ich will mein eigener Kunde sein können.“ Wer was macht, ist bei den beiden klar abgesprochen. Während sich Böert eher um das operative Geschäft kümmert, ist Brass zum Beispiel für die Kommunikation zuständig. „Ich glaube, dass Gründerteams klare Arbeitsteilung brauchen“, sagt er. „Das räumt viele Konflikte aus dem Weg.“ Genug zu tun gibt es auch, wenn nicht jeder Gründer alles macht. Das reicht von eher kreativen Tätigkeiten wie Idee und Produktentwicklung über das Marketing per Webseite und App bis zum klassischen Unternehmer-Know-how für das Tagesgeschäft. Viele dieser Kompetenzen bringen die Gründer aus ihrem Studium mit. Böert hat in der BWL angefangen, Brass als Wirtschaftsingenieur. Nach dem Master in London, bei dem sie sich kennenlernten, haben beide trotzdem erst ein paar Jahre Berufserfahrung gesammelt. Wichtig war rückblickend beides, sagt Brass: „Studium und Berufserfahrung hat beides unglaublich viel gebracht, ohne das hätte die Gründung niemals geklappt.“

Das Risiko bei Gründungen ist nicht gerade klein, warnt Tobias Kollmann: „Von zehn Unternehmen im Portfolio eines Investors schaffen es acht nicht.“ Ein gescheitertes Start-up muss allerdings kein Beinbruch sein. Viele Jungunternehmer versuchen es einfach nochmal. Laut der KPMG-Untersuchung hat etwa ein Drittel der Gründer mindestens eine Pleite hinter sich. „Fehlschläge sind innerhalb der Gründerszene akzeptiert, auch bei den Investoren“, sagt Kollmann. Manche Geldgeber suchten sogar gezielt nach Gründern, bei denen der erste Versuch nicht geklappt hat. „Denn die machen bestimmte Fehler im zweiten Anlauf dann nicht mehr.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen