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Job und Karriere : Schlagfertigkeit im Job ist wichtig

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nie um eine Antwort verlegen zu sein, davon träumen viele Arbeitnehmer. Seminare können weiterhelfen.

svz.de von
erstellt am 12.Dez.2015 | 14:52 Uhr

Der Kollege klopft ständig Sprüche und die passende Antwort fällt einem erst Stunden später ein. Spezielle Schlagfertigkeits-Seminare sollen da Abhilfe schaffen, natürlich gegen Geld. Experten sagen aber: Echte Schlagfertigkeit ist mehr als nur Sprücheklopfen.

„Wie wird man eigentlich so arrogant?“ „Viel Übung, so ein, zwei Stunden am Tag nehm’ ich mir schon dafür.“ Fans von „Doctor’s Diary“ lieben die TV-Serie für solche Wortgefechte. Und viele Arbeitnehmer wünschen sich, in peinlichen oder unangenehmen Situationen im Job ähnlich schnell und witzig reagieren zu können. Kein Wunder, dass sich im Netz unzählige Patentrezepte dafür finden – von Seminaren bis zu Sprüchesammlungen auf CD.

Matthias Nöllke sieht das eher kritisch. Dabei sei der Wunsch nach mehr Schlagfertigkeit durchaus berechtigt, sagt der Experte.

Schließlich habe es durchaus berufliche Konsequenzen, wenn man keine hat. „Wenn ich nicht schlagfertig reagiere, verliere ich an Souveränität und Würde, damit geht mein Selbstbewusstsein in den Keller“, erklärt Nöllke, der mehrere Bücher zu Kommunikation im Job geschrieben hat. „Und das hat Auswirkungen auf mein Auftreten.“ Den Begriff definiert der Experte so: „Schlagfertigkeit bedeutet, in einer Situation, in der meine Souveränität bedroht ist, diese wiederherzustellen.“ Dafür braucht es nicht immer einen Witz. Denn den einen Spruch, der eine blöde Situation sofort auflöst, gibt es selten. „Es hilft aber meistens, irgendetwas zu sagen“, erklärt Nöllke. „Selbst wenn man mit einem ,Dazu fällt mir nichts ein’ die eigene Sprachlosigkeit thematisiert, ist das besser als Schweigen.“

Welche Form der Schlagfertigkeit an einem Arbeitsplatz gefragt ist, hängt natürlich von der Betriebskultur ab. „In japanischen Konzernen ist es zum Beispiel wichtig, dass man einfach zuhört“, erzählt Christa Stienen. Sie ist Vizepräsidentin beim Bundesverband der Personalmanager (BPM). „Anderswo müssen sie eher eine gewisse Lockerheit ausstrahlen, um ins Team zu passen.“

Für Nöllke gibt es zwei typische Situationen, in denen Schlagfertigkeit gefragt ist: Bei Missgeschicken und anderen peinlichen Momenten kann ein schneller Witz, vielleicht mit etwas Selbstironie, eine große Hilfe sein. Gleiches gilt, wenn man vom Chef oder vom Kollegen angegriffen wird. Hier hängt die richtige Reaktion allerdings stark vom Einzelfall ab. „Berechtigte Kritik sollte ich erst einmal annehmen“, rät der Autor. „Ein Spruch wirkt dann schnell patzig und eher unsouverän.“

Anders liegt der Fall, wenn die Kritik unberechtigt ist oder ein Spruch der Kollegen gar nichts mit der eigenen Arbeit zu tun hat. In solchen Fällen sollten Arbeitnehmer sich ruhig wehren, sagt Nöllke.

Die Schärfe der Reaktion sollte dabei aber halbwegs zur Schärfe des Angriffs passen. Wird die Grenze des guten Geschmacks oder des guten Tons eindeutig überschritten, sollte der Angegriffene das allerdings deutlich sagen.

Spätestens wenn ein Spruch die Grenze zur Beleidigung überschreitet, hört der Spaß ganz auf. Das sei dann sogar strafrechtlich relevant, sagt Rechtsanwältin Nathalie Oberthür. Sie ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Beleidigungen sind nach dem Gesetz entweder Kraftausdrücke oder die sogenannte Schmähkritik. „Davon spricht man, wenn die Formulierung nichts mehr mit dem Kritikpunkt an sich zu tun hat, sondern nur der Herabsetzung des Gegenübers dient“, erläutert Oberthür. Genauso tabu sind alle Formen von Sexismus und Diskriminierung. Auch harmlosere Sprüche können aber bereits rechtliche Konsequenzen haben. „Alles, was den Betriebsfrieden stört, ist arbeitsrechtlich untersagt“, sagt die Anwältin.

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