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Beruf & Karriere

18. November 2017 | 19:00 Uhr

Ausbildung : Mehr als nur Pakete stapeln

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kaufleute für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen sind im Logistikzentrum genauso im Einsatz wie in der Personalplanung

svz.de von
erstellt am 10.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Jennifer Stan sorgt wohl täglich für Hunderte strahlende Gesichter in der ganzen Republik. Sie macht eine Ausbildung zur Kauffrau für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen (Kep) beim Paketdienstleister Hermes. Dort ist sie dafür verantwortlich, Fahrten der Paketboten zu planen und zu koordinieren. Sie sorgt dafür, dass sie zur richtigen Zeit mit den Paketen an der richtigen Haustür klingeln.

Doch zum Berufsbild gehört noch weitaus mehr. Neben der Koordinierung von Kurierfahrten sind Kep-Kaufleute Experten für alles, was zum Management eines Briefzentrums gehört, erklärt Stan. Dazu zählen Tätigkeiten in der Personalabteilung genauso, wie solche in der Buchhaltung oder der Lagerlogistik. Im Lager geht es etwa darum, Paket- oder Briefsendungen in das Computersystem einzuspeisen oder Retoursendungen und Beschwerden zu bearbeiten. „Kep-Kaufleute sind Fachleute für schnelle Wege“, erklärt Anja Schuster, Ausbildungsbeauftragte bei Hermes.

Von Unternehmen zu Unternehmen können die Aufgabenbereiche zum Teil variieren. Kep-Kaufmänner und -frauen können beispielsweise auch im Kundenservice arbeiten, erklärt Olaf Kaufmann, Ausbildungsleiter bei der Deutschen Post in Düsseldorf. Zum Beruf gehört PC-Arbeit, aber auch einmal körperliche Arbeit im Lager. Der Beruf bietet auf jeden Fall viel Abwechslung.

In der Regel dauert die Ausbildung drei Jahre, bei besonders guten Leistungen kann sie verkürzt werden, sagt Anke Kock vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). In der Berufsschule stehen Themen wie Marketing oder Frachtbestimmungen auf dem Stundenplan. Aber auch ein Kommunikations- und Telefontraining gehört in vielen Berufsschulen zur Ausbildung dazu.

Laut der Bundesagentur für Arbeit liegt die Vergütung im ersten Ausbildungsjahr bei etwa 760 Euro brutto. Sie kann je nach Firma aber auch darunter oder darüber liegen. Das Einstiegsgehalt nach abgeschlossener Ausbildung liegt zwischen 1900 und 2500 Euro brutto – es kann aber auch weniger sein. „Mathematisches Verständnis spielt in diesem Job eine große Rolle“, sagt Kock. Außerdem sollten angehende Kep-Kaufleute gute planerische und organisatorische Kenntnisse mitbringen.

Wer später gern Umgang mit Kunden haben möchte, sollte außerdem kommunikativ sein. „Da nicht alle Kunden Deutsch sprechen, sind auch gute Englischkenntnisse von Vorteil“, sagt Anja Schuster. Wichtige Schulfächer sind Mathe, Wirtschaft und Englisch. Ende 2014 waren nach Zahlen des BIBB 252 junge Menschen in der Ausbildung zum Kep-Kaufmann oder zur Kep-Kauffrau.

Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss als Voraussetzung festgelegt. Laut Arbeitsagentur verfügt rund jeder zweite Azubi (53 Prozent) über die mittlere Reife, jeder Vierte (26 Prozent) über Abitur oder Fachabitur.

Wer sich für eine Ausbildung in dem Bereich bewirbt, entscheidet sich oft für Nachtarbeit, sagt Jennifer Stan. Denn die Pakete und Briefe kommen größtenteils zu später Stunde in den Logistik- und Umschlagzentren an, werden dann über Nacht sortiert, verladen und am frühen Morgen weitertransportiert. „Aber auch daran gewöhnt man sich relativ schnell“, sagt die 24-jährige Nürnbergerin.

Zu Beginn ihrer Ausbildung habe sie erst einmal einen kurzen Einblick in jeden ihrer späteren Einsatzbereiche bekommen. Danach ging es für jeweils mehrere Monate in jeden der Unternehmensbereiche. Aktuell ist sie im Außendienst tätig und kümmert sich vor allem um die Betreuung von Paket- shops im gesamten Einzugsgebiet ihrer Niederlassung. Sie fährt die einzelnen Paketshops regelmäßig ab und begibt sich auf die Suche nach neuen. Und sie ist Ansprechpartnerin für die Betreiber der Paketshops.

Generell sei der Außendienst ein wichtiger Einsatzbereich für Kep-Kaufleute, sagt Olaf Kaufmann. Wer möchte, kann bei der Deutschen Post beispielsweise auch im Ausland arbeiten. „Das Schöne an dem Job ist, dass es eigentlich kaum Grenzen gibt“, sagt der Ausbildungsleiter. In dem Beruf ist es außerdem möglich, früh Verantwortung zu übernehmen. Nicht ungewöhnlich sei, dass auch sehr junge Kep-Kaufmänner und -frauen schon Niederlassungen oder ganze Verteilzentren leiten. Jennifer Stan steckt aber gerade erst mitten in ihrem zweiten Ausbildungsjahr. Wie es für sie weitergeht? „Am liebsten weiter im Außendienst“, sagt sie. Dort fühle sie sich besonders wohl: „Ich bin mit vielen verschiedenen Menschen in Kontakt, und genau das ist es, was ich möchte.“

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