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Beruf & Karriere

20. August 2017 | 19:24 Uhr

Zweiter Weltkrieg : Landung im Flakfeuer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

70 Jahre nach dem D-Day treffen sich heute Sieger und Besiegte in der Normandie / „Operation Overlord“ forderte 290 000 Opfer

70 Jahre nach der Landung der Alliierten in der Normandie gedenken Sieger und Besiegte des Anfangs der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus. Zur zentralen Feier werden heute etwa 20 Staats- und Regierungschefs an der Küste im Norden Frankreichs erwartet. Mit der Teilnahme von Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Gedenkzeremonie eine eigene Dynamik entwickelt: Der Konflikt um die Ukraine wird zu einem beherrschenden Thema. Doch im Mittelpunkt bleibt die größte Landung der Kriegsgeschichte, sie markierte den Anfang vom Ende des Nazi-Regimes: Der 6. Juni 1944 war der D-Day.


Zwei Veteranen erinnern sich


Auf die Frage nach seinem gefährlichsten Moment am D-Day fallen Julian „Bud“ Rice gleich mehrere ein. Da ist etwa der Flug durch eine stockdunkle Nebelnacht, um über Feindesland Fallschirmspringer abzusetzen – umgeben von Maschinen mit der gleichen Aufgabe. „Du konntest die Flugzeuge um dich herum nicht sehen“, schildert der 93-Jährige – und erinnert sich an die Angst, mit den anderen zu kollidieren. Und dann – nach dem Nebel – das Flakfeuer der Deutschen.

Pilot Rice und sein drei Jahre jüngerer Kamerad William „Bill“ Prindible waren 23 und 20 Jahre alt, als die Aktion losging. Sie landeten unter großen Verlusten und läuteten die Befreiung Frankreichs und Westeuropas vom Regime der Nazis ein.

Rice und Prindible haben ihren Humor trotz ihrer Erfahrungen und ihrer Jahre nicht verloren. Als er gefragt wird,was er beim Anblick des feindlichen Flakfeuers gedacht habe, erwidert Prindible, sein erster Gedanke wäre ein Vier-Buchstaben-Wort gewesen – offensichtlich ein Fluch. Und Rice sagt auf die Frage, wie sich das Militär in der Zwischenzeit verändert habe, dass die Maschinen heute technisch so ausgereift seien, dass sie eigentlich von alleine flögen. Damals hingegen hätten sie nur vier Knöpfe gehabt – „der Vierte war zum Landen“. Rice berichtet von schweren Unfällen bei den Vorbereitungen auf den D-Day, bei denen Kameraden verstümmelt wurden oder gar starben. Ob er und Prindible wahre Helden seien? Rice: „Wir waren nur zwei von den glücklichen Kerlen, die es geschafft haben zu überleben.“ 114 Männern aus ihrer Gruppe sei das nicht gelungen.

Zahlen und Fakten

Die Invasoren: Die größte Armada der Kriegsgeschichte bestand aus 3100 Landungsbooten mit etwa 150 000 Soldaten und schweren Waffen unter dem Schutz von 1200 Kriegsschiffen und 7500 Flugzeugen. Zur Streitmacht der Alliierten am sogenannten D-Day gehörten vor allem US-Amerikaner, Briten, Kanadier, Polen und Franzosen.

Die Verteidiger: Die Deutschen hatten im betroffenen Küstenabschnitt nur etwa 50000 Infanteristen und wenige Flugzeuge zur Verfügung. Weiter nördlich, wo das Landungsunternehmen irrtümlich erwartet wurde, war der Großteil der Divisionen des Westheeres stationiert.

Der Atlantikwall: Die von Norwegen bis Südfrankreich über 2600 Kilometer reichende Kette von Festungen, Bunkern, Geschützstellungen, Strandbarrikaden und Minen sollte eine Invasion abwehren. Im D-Day-Bereich waren die Strände nur lückenhaft gesichert.

Die Kampfgebiete: Die Allierten gingen am Morgen an fünf Küstenabschnitten  östlich von Cherbourg an Land. Erst nach sechs Tagen gelang es Hitlers Gegnern, die Brückenköpfe zu einer Front von etwa 100 km Länge zu verbinden.

Die Opfer: Am Abend des D-Day registrierten die Alliierten Verluste von rund 12 000 Mann, darunter etwa 4400 Tote. Die Zahl der deutschen Verwundeten, Vermissten und Gefallenen wird auf 4000 bis 9000 Mann geschätzt. Im weiteren Verlauf der „Operation Overlord“ sollen bis zur Eroberung von Paris im August 200 000 Deutsche und 70 000 Verbündete ums Leben gekommen sein. In der verwüsteten Normandie starben bis zu 20000 Zivilisten.

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