Freizeit : Jeder zweite Arbeitnehmer erhält Urlaubsgeld

Zuschuss für die Ferienkasse: Die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland bekommen laut einer neuen Studie von ihrem Arbeitgeber Urlaubsgeld. Foto: ulian Stratenschulte
Zuschuss für die Ferienkasse: Die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland bekommen laut einer neuen Studie von ihrem Arbeitgeber Urlaubsgeld. Foto: ulian Stratenschulte

Hans-Böckler-Stiftung: Besonders die Branchen Industrie und Baugewerbe zahlen häufig

svz.de von
11. Juni 2018, 05:00 Uhr

Düsseldorf | Jeder zweite Beschäftigte erhält in Deutschland Urlaubsgeld, in tarifgebundenen Unternehmen kommen deutlich mehr Beschäftigte in den Genuss dieser Sonderleistung. Das hat eine Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) ergeben, die unserer Redaktion vorliegt. Das Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf hat dafür online 28 000 Beschäftigte befragt.

„Der mit Abstand wichtigste Faktor ist die Frage, ob im Unternehmen ein Tarifvertrag gilt oder nicht“, sagte der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulte. Während in den tarifgebundenen Unternehmen 71 Prozent der Arbeitnehmer Geld für die Urlaubskasse erhalten, sind es bei den tarifungebundenen nur 38 Prozent.

Wie sich der Anteil der Urlaubsgeldbezieher über die Jahre entwickelt hat, kann Schulten nicht sagen. Er hat nur eine Vermutung: „Da die Tarifbindung eine zentrale Rolle spielt und diese zurückgeht, ist zu vermuten, dass auch die Zahl der Urlaubsgeldbezieher gesunken ist“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Das können wir aber durch die Daten nicht belegen.“

Bessere Chancen auf Urlaubsgeld haben Arbeitnehmer in großen Firmen. Während in Kleinbetrieben mit unter 100 Mitarbeitern weniger als die Hälfte (38 Prozent) ein Urlaubsgeld erhalten, sind es in Unternehmen mit mehr als 500 Arbeitnehmern fast zwei Drittel (64 Prozent).

Mehr noch als auf die Unternehmensgröße kommt es aber auf die Branche an, in der ein Beschäftigter arbeitet. Mit einigem Abstand ganz vorne liegt laut WSI-Erhebung die Industrie: 64 Prozent der Arbeitnehmer im verarbeitenden Gewerbe wird der Urlaub mit einer Zuzahlung versüßt. Schulten führt das auf den höheren Grad an Tarifbindung zurück. „Hinzu kommt, dass wir in der Industrie grundsätzlich ein deutlich höheres Lohnniveau haben und auch der Einfluss der Gewerkschaften größer ist.“

Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Energieversorgungsbranche (55 Prozent) und das Kfz-Gewerbe (54 Prozent). In der Spitzengruppe findet sich auch das Baugewerbe (48 Prozent), wo das Urlaubsgeld für die gewerblichen Arbeitnehmer zuletzt um mehr als 30 Prozent erhöht wurde. In den genannten Branchen fällt das tarifliche Urlaubsgeld laut WSI auch am üppigsten aus. So erhalten die Beschäftigten der mittleren Gruppe in der Metallindustrie in diesem Jahr 2235 Euro (West) beziehungsweise 1983 Euro (Ost). Im Bauhauptgewerbe sind es demnach 1213 Euro (West) und 1130 Euro (Ost). Am seltensten erhalten Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen (26 Prozent) in der Kommunikationsbranche (22 Prozent) und in Erziehung und Unterricht (18 Prozent) Urlaubsgeld.

Wer im öffentlichen Dienst arbeitet, kann sich im November über eine Jahressonderzahlung freuen, in der Urlaubs- und Weihnachtsgeld zusammengefasst sind.

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