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Thanatopraktiker : Einen würdevollen Abschied bereiten

vom
Aus der Onlineredaktion

In Deutschland gibt es nur etwa 100 ausgebildete Thanatopraktiker – ein Beruf mit großer psychischer Belastung.

Um Abschied nehmen zu können, wollen viele Angehörige ihren Verstorbenen noch einmal sehen. Doch was, wenn die Todesursache ein Autounfall oder ein Sturz ist? Oft sind die Körper der Toten dann entstellt. „Diese Verstorbenen sehen nicht mehr so aus, wie sie zu Lebzeiten ausgesehen haben“, sagt Anika Oppermann.

Sie ist Bestatterin in Berlin und macht gerade eine Weiterbildung zur Thanatopraktikerin. Die Fachkräfte, auch Einbalsamierer genannt, sorgen dafür, dass schwere Verletzungen kaschiert und Totenflecken nicht sichtbar sind oder die Leiche nicht unangenehm riecht.

Der Beruf des Thanatopraktikers ist ein sehr alter Beruf. Die Experten kommen etwa zum Einsatz, wenn Angehörige ihren Verstorbenen erst nach einer längeren Zeit besuchen können, weil zum Beispiel der Verwandte im Ausland gestorben ist und erst überführt werden muss.

Thanatopraktiker verlangsamen den Verwesungsprozess, indem sie Kosmetika einsetzen und die Körperflüssigkeiten austauschen. Es geht nicht darum, ihn komplett anzuhalten: „Es ist ganz normal, dass der menschliche Körper irgendwann zerfällt, wir wollen ihn nur für eine kurze Zeitspanne erhalten“, sagt Oppermann.

In Deutschland sei der Beruf nicht so verbreitet wie in Großbritannien oder Frankreich, erklärt Oliver Wirthmann vom Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB). Auch in den USA würden viel mehr Verstorbene thanatopraktisch behandelt. In Ländern mit einem wärmeren Klima sei das manchmal sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Die Ausbildung zum Thanatopraktiker teilt sich in einen theoretischen und praktischen Teil und schließt mit einer staatlich anerkannten Prüfung ab. Die Theorie lernt man in der Regel über vier Wochen in Düsseldorf und im Bundesausbildungszentrum in Münnerstadt in der Nähe von Schweinfurt. Die Ausbildung habe es in sich, sagt Oppermann: „Das ist wie ein kleines Medizinstudium.“ So befasst sie sich mit dem Aufbau des menschlichen Körpers, mit Organen und Muskeln. Pflicht sei es, die lateinischen Namen für die Bestandteile des Körpers zu lernen.

Auch über Krankheiten muss sie Bescheid wissen: „Davon hängt ab, wie ich bei der Behandlung der Toten vorgehen muss“, sagt Oppermann. Der Lernaufwand sei nicht zu unterschätzen: „Wenn man es ernst nimmt, muss man sich schon jeden Abend nach dem Job eine Stunde hinsetzen und lernen.“ Um praktische Erfahrung zu sammeln, müsse sich jeder Seminarteilnehmer einen Mentor suchen, erläutert Heiko Mächerle, Vorsitzender des Vereins Deathcare, dem rund die Hälfte aller in Deutschland praktizierenden Thanatopraktiker angehört. „Als Mentor kann jeder ausgebildete Thanatopraktiker dienen“, sagt er. Die Seminarteilnehmer schauen ihrem Mentor in der Regel bei mehreren Behandlungen über die Schulter. Die Weiterbildung dauert ungefähr ein bis anderthalb Jahre und ist in der Regel berufsbegleitend, erklärt Mächerle. Am Ende legen angehende Thanatopraktiker eine Prüfung bei der Handwerkskammer in Düsseldorf ab, auch eine praktische Übung gehört zur Prüfungsleistung.

Nicht zu unterschätzen sei die psychische Belastung durch den Kontakt mit den Toten, sagt Oppermann. „Man darf das nicht zu nah an sich heranlassen.“ Auch wenn es in Deutschland nur etwa 100 ausgebildete Thanatopraktiker gibt, sei die Qualifikation nicht unbedingt gesucht, sagt Heiko Mächerle. „Nur etwa vier bis fünf Prozent der Verstorbenen werden in Deutschland einbalsamiert.“ Dennoch könne die Weiterbildung bei der Jobsuche von Vorteil sein: „Natürlich ist jeder Arbeitgeber froh, wenn er einen solchen Fachmann im Hause hat.“ Die Qualifikation als Bestatter stehe aber im Vordergrund: „Kein Bestattungsunternehmen verkauft täglich eine thanatopraktische Versorgung.“ Grundsätzlich werde in Deutschland jeder Verstorbene hygienisch versorgt, bevor er aufgebahrt und beerdigt oder verbrannt wird, sagt Wirthmann. Thanatopraktisch werde er nur auf ausdrücklichen Wunsch der Angehörigen versorgt oder aber dann, wenn er in ein Land überführt werden muss, dessen Gesetze eine solche Behandlung vorschreiben.

Im Fall von Anika Oppermann übernimmt ihr Unternehmen die Kosten für die Weiterbildung. Das ist jedoch nicht immer der Fall. Die Weiterbildung ist nicht günstig: Mitglieder des Bundesverbandes BDB zahlen rund 3900 Euro, Nichtmitglieder 400 Euro mehr. Oben drauf kommen die Kosten für Übernachtungen und Anreise.

Obwohl sie täglich mit dem Tod zu tun hat, macht Anika Oppermann ihre Arbeit mit Freude. „Der Tod gehört nun einmal zum Leben dazu“, sagt die Berlinerin. Wichtig sei ihr vor allem eins: „Dass zum Tod auch die Würde gehört.“

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